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Deutsche Bank - Spekulationen über Investmentbanking

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Soll die Deutsche Bank künftig ohne Investmentbanking Geschäfte machen? Das zumindest soll die Europäische Bankenaufsicht dem Institut nahegelegt haben. Warum wird das nun bekannt?

Deutsche Bank Türme
Quelle: dpa

Welche Rolle spielt das Investmentbanking künftig bei der Deutschen Bank? Das ist eine Gretchenfrage, die sich Beobachter mit Blick auf das größte deutsche Geldhaus schon seit einiger Zeit stellen. Offenbar tun das auch Mitarbeiter der Bank seit längerem. Denn die Europäische Zentralbank hat - in ihrer Funktion als Aufseherin der Banken - schon vor einiger Zeit der Deutschen Bank den Auftrag erteilt, durchzurechnen, was eine Abkehr vom Investmentbanking kosten würde.

Warum wird das jetzt bekannt?

Dass die Nachricht in diesen Tagen herauskommt, ist auffällig. Denn vor wenigen Tagen erst hat die Deutsche Bank einen neuen Chef bekommen - Christian Sewing hat den Posten von seinem Vorgänger John Cryan übernommen. "Ich denke, dass das ein bisschen ungünstig ist", sagt der Banken-Analyst Philipp Häßler von der Privatbank Equinet. "Denn die Deutsche Bank hatte ja verschiedene schlechte Presse in den letzten Wochen. Das ist vom Timing her etwas ungünstig."

Auf die Frage nach dem Warum dieser Nachricht bekommt man heute allgemeine oder gar keine verlässlichen Aussagen: Die Europäische Zentralbank äußert sich nicht, schon gar nicht zu einzelnen Banken. Die Deutsche Bank antwortet mit allgemeinen Sätzen: "Wir berechnen für Regulatoren routinemäßig die Konsequenzen einer geordneten Abwicklung von Positionen in unseren Handelsbüchern. Das ist übliche Praxis in der Finanzindustrie." Das zumindest sehen die meisten Beobachter auch so.

Investmentbanking "jetzt noch einmal ansehen"

Christian Sewing versucht jedenfalls, soviel steht fest, die Bank in wichtigen Geschäftsfeldern wieder profitabel zu machen. Dabei stehen wohl so ziemlich alle Bereiche auf dem Prüfstand - auch Teile des Investmentbankings. So sagte Sewing im ZDF heute journal: "Wir müssen uns auch das Investmentbanking jetzt noch einmal ansehen. Ich kann mir schon vorstellen, dass wir an einigen Stellen auch im Investmentbanking noch einmal Adjustierungen vornehmen."

Grundsätzlich aber hält die Deutsche Bank an ihrem Investmentbanking fest. Deswegen verwundert auch andere Experten, dass diese Nachricht ausgerechnet jetzt die Runde macht. "Die Deutsche Bank macht das ja schon. Und die EZB hätte sich auch informieren können was die Deutsche Bank in dieser Hinsicht macht. Verständlich ist dieses Verhalten der EZB nicht", meint etwa der Bankenexperte der Universität Hohenheim, Hans-Peter Burghof.

Über die Gründe, das eigentliche Warum der Nachricht, kann man also nur spekulieren. Und Hans-Peter Burghof hat zumindest eine mögliche Erklärung parat: "Dass man im Bankenmarkt Strukturveränderung haben möchte, die man nur durch krisenhafte Zuspitzung bekommen kann." Dann wäre die Nachricht also quasi bewusst gestreut, um zu verunsichern. Allerdings schränkt Burghof ein, habe man dafür zum jetzigen Zeitpunkt keinerlei Beweise.

Schließen sich Banken im Euroraum zusammen?

Wie aber könnten die genannten Strukturveränderungen aussehen? Eine Möglichkeit wäre, dass sich vermehrt Banken des Euroraumes zusammenschließen. So könnten größere Spieler entstehen, die dann im internationalen Vergleich erfolgreicher mitmischen könnten. Klar ist in diesem Zusammenhang auch: Die Abkehr vom Investmentbanking wäre für die Deutsche Bank ein Schritt in die entgegengesetzte Richtung. "Dann hätten wir eine Deutsche Bank, die sich auf das Privatkunden- und Firmenkundengeschäft und das Asset Management konzentrieren würde", sagt Analyst Häßler. Vermutlich wird das aber nicht der Kurs sein, den Christian Sewing einschlagen will. Vermutlich wird er nur bestimmte Bereiche überprüfen oder die ihre Präsenz in bestimmten Regionen der Welt überdenken, meint Häßler.

Einfach aus der Luft gegriffen ist das Überprüfen einer Abkehr vom Investmentbanking bei der Deutschen Bank schließlich aber nicht. Nachdem sie in den vergangenen Jahr rund eine dreiviertel Milliarde Euro Verlust geschrieben hat - und in den beiden Jahren zuvor waren es noch deutlich höhere Verluste - dürfte der neue Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing so ziemlich alle Optionen überprüfen.

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