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Reduzierung der Fangmenge - Ostseefischerei vor dem Aus?

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Der EU-Ministerrat berät über Fangquoten für das kommende Jahr. Für die westliche Ostsee werden drastische Einschnitte erwartet - bis hin zum Fangstopp beim ertragreichen Hering.

Wenn die EU-Fischereiminister in Luxemburg – weit entfernt von der Küste Mecklenburg-Vorpommerns – über die Zukunft der Ostsee-Küstenfischerei entscheiden, streift sich Uwe Krüger in Neppermin auf Usedom gerade sein oranges Ölzeug über und fährt raus zu seinem Fanggebiet. Die erwarteten erneuten Quotenkürzungen machen ihm Angst. Vom Fang ist seine Existenz abhängig. Doch die Bestände von Dorsch und Hering sind besorgniserregend, warnen Meeresforscher. Sie empfehlen den Fangstopp für Hering und die Senkung der Fangmenge von Dorsch um 69 Prozent.

Fischer blicken sorgenvoll in die Zukunft

Von mehr als 1.300 Küstenfischern zu DDR-Zeiten sind noch 226 übrig geblieben. Fünf weitere wollen zum Jahresende aufhören. "Wir kämpfen jeden Tag, wir wissen nicht, was morgen ist. Es kann sein, dass morgen schon Schluss ist. Und wir haben in Boote, in Fanggeschirr investiert. Viele haben Kredite aufgenommen. Es ist einfach traurig, dass dieser Beruf einschläft", sagt Fischer Uwe Krüger.

"Wir wissen nicht, was morgen ist", sagt Küstenfischer Uwe Krüger über die Zukunft der Fischer an der Ostsee. Die EU-Fischereiminister beraten über die Fangmenge von Dorsch und Hering.

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Lasst uns doch einfach überleben, das ist unsere Bitte
Uwe Krüger, Fischer

Am meisten ärgere ihn, dass die politische Entscheidung vom Schreibtisch aus falle. In seinem Fanggebiet habe er nicht festgestellt, dass der Heringsbestand geschrumpft sei. "Lasst uns doch einfach überleben, das ist unsere Bitte. Wir passen schon auf, dass nicht überfischt wird", versichert der 60-Jährige.

Fischerkrise bedroht weitere Branchen

Das Dilemma der Fischer betrifft auch viele fischverarbeitende Betriebe. Michael Schütt, Vorsitzender der Fischereigenossenschaft in Freest, hat die stetig sinkenden Fangmengen von Hering und Dorsch über Jahre hinweg miterlebt: "Wir haben vielleicht noch 200 Tonnen hier zu fangen. In Spitzenzeiten haben wir – und das ist noch nicht mal lange her – 3.800 Tonnen gefangen."

"Wir möchten nicht, dass die Fischerei total den Bach runter geht", sagt der Leiter der Fischereigenossenschaft Freest, Michael Schütt, im Interview über die Zukunft der Ostsee-Küstenfischerei.

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Von Pleite bedroht sind in Freest eine Fischhalle, wo der Tagesfang gewogen und an Köche verkauft wird, eine Räucherei und zahlreiche Fischbuden und Imbisse. Allein hier bangen 20 Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz.

Niedrige Bestände durch Klimawandel

Immer mehr Heringslarven verhungern, weil sie zur falschen Zeit da sind.
Christopher Zimmermann

Die Wissenschaftler vom Thünen-Institut für Ostseefischerei in Rostock beobachten die Fischbestände der Ostsee seit Jahrzehnten. Grund für den geringen Heringsbestand ist die gestiegene Wassertemperatur der Ostsee – also der Klimawandel, sagt Dr. Christopher Zimmermann, Leiter des Instituts: "Immer mehr Heringslarven verhungern, weil sie zur falschen Zeit da sind. Sie sind früher da als noch vor 30 Jahren. Sie sind da, wenn ihr Futter noch nicht da ist. Das führt am Ende dazu, dass immer weniger speisefähige Heringe entstehen."

Auch der Dorsch wird von den Experten kontrolliert. Grund für seinen geringen Bestand ist Überfischung. Die Wissenschaftler nehmen Fischproben an zahlreichen Stationen in der Ostsee. Damit sich beide Bestände regulierten, müssten sie einige Jahre geschont werden.

Plan B für die Küstenfischerei?

Diese Durststrecke können die meisten Küstenfischer nicht überstehen. Etwa 2.000 Euro Fixkosten haben sie pro Monat, sagt der Fischer Uwe Krüger. Vor der Wende durften die Küstenfischer noch zehn Mal so viel fangen wie heute. Längst sind sie auf staatliche Hilfe angewiesen. 2,3 Millionen Euro erhalten sie in diesem Jahr vom Land.

Till Backhaus, SPD-Landwirtschaftsminister in Mecklenburg-Vorpommern, arbeitet außerdem an einem Plan B für die Fischer: "Ich bin dabei, nach weiteren Alternativen zu suchen. Zum Beispiel, dass die Fischer auch Müll aus der Ostsee herausholen. Da wollen wir ein Programm entwickeln, wie man mit Umweltleistungen den Fischern ein Einkommen an die Hand geben kann."

Die Küstenfischerei sei für ihn ein schützenswertes Kulturgut, welches auch für den Tourismus enorm wichtig sei. Uwe Krüger und andere Fischer haben sich bereits ein zweites Standbein aufgebaut. Er betreibt mit seiner Familie ein Restaurant. Wie viel die Fischer im kommenden Jahr fangen dürfen, entscheidet der EU-Ministerrat auf der zweitägigen Sitzung am Montag und Dienstag.

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