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Wettbewerb bedroht? - EU will Monsanto-Bayer-Deal weiter prüfen

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Bayer will Monsanto übernehmen, entstehen soll der weltgrößte Anbieter von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln. Der Zukauf soll 56 Milliarden Euro schwer sein. Kein Wunder, dass die EU-Kommission genauer hinschauen will. Das heißt für Bayer: Bis zu einer Entscheidung kann es dauern.

Schädlich oder nicht schädlich? - das Unkrautmittel Glyphosat ist ein Reizthema. Eine neue Untersuchung soll belegen: der amerikanische Spritzmittel-Riese Monsanto soll Forschungsergebnisse geschönt und gefälscht haben.

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Man sei besorgt, dass der Zusammenschluss der beiden Agrarkonzerne den Wettbewerb in einigen Geschäftszweigen schwächen könnte, erklärte die zuständige Kommissarin Margrethe Vestager am Dienstag.

EU hat Sorge um Wettbewerb

"Saatgut und Pestizide sind für Landwirte und letztlich auch für die Verbraucher von entscheidender Bedeutung", sagte Vestager. "Wir müssen auf diesen Märkten einen wirksamen Wettbewerb sicherstellen." Sonst drohten höhere Preise, weniger Innovation und geringere Qualität.

Bayer will die Übernahme bis Jahresende abschließen, die auch von den Kartellbehörden in den USA geprüft wird. Das neue Unternehmen wäre der weltgrößte Anbieter in der Agrarchemie. Monsanto ist vor allem als Hersteller von Unkrautvernichtern mit dem umstrittenen Wirkstoff Glyphosat bekannt.

Unweltschützer gegen Fusion

Umweltschützer und Kritiker fordern auch wegen der großen Marktmacht eine Untersagung des Zusammenschlusses. "Kommissarin Vestager hat gezögert, die Fusion zu stoppen, die einem Jumbo-Unternehmen die Kontrolle über unser Essen geben würde", erklärte die Aktivistengruppe Avaaz. "In den nächsten 90 Tagen kann sie ihren Mut beweisen, das öffentliche Interesse vor die Gier einer Firma zu stellen."

Rechnet man die Umsätze beider Unternehmen für 2016 zusammen, ergibt sich eine Summe von knapp 22 Milliarden Euro bei mehr als 42 000 Beschäftigten. Dabei entfallen rund 10 Milliarden Euro auf die Bayer-Sparte CropScience und 11,8 Milliarden Euro auf Monsanto.

Viele Vorbehalte gegen Monsanto

In den USA läuft das behördliche Verfahren zur Kartellfreigabe bereits. Gegenüber Monsanto gibt es allerdings vielerorts Vorbehalte, weil das Unternehmen neben dem umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat auch gentechnisch veränderte Pflanzen herstellt.

Die Grünen-Politiker Anton Hofreiter und Katharina Dröge forderten EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager auf, "die rote Karte" zu ziehen und "die gefährliche Fusionsspirale im Agrarmarkt" zu stoppen. Auch die Bundesregierung dürfe "nicht länger die Hände in den Schoß legen, wenn es um Artenvielfalt und Ernährungssicherung geht". Sie solle die EU-Kommission dazu auffordern, auch die Folgen der Fusion für die Umwelt zu prüfen, forderten Hofreiter und Dröge.

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) warnte, eine Genehmigung der Fusion habe "fatale" Folgen für die weltweite Agrarproduktion und Nahrungsmittelsicherheit. "Mit der Kontrolle über das Saatgut würde Bayer-Monsanto einen Markt beherrschen, der so existentiell ist wie kein anderer", erklärte BUND-Gentechnikexpertin Heike Moldenhauer. Bayer übernehme mit Monsanto auch "dessen miserablen Ruf, den er vor allem Glyphosat und Gentechnik" verdanke.

Bayer muss Prognose senken

Bayer korrigierte am Freitag überraschend seine Geschäftsprognose für das laufende Jahr nach unten. Unerwartet hohe Bestände an Pflanzenschutzmitteln noch nach dem Ende der Erntesaison in Brasilien würden das Ergebnis um 300 bis 400 Millionen Euro belasten, teilte der Konzern mit. Hinzu kämen ein verschlechtertes Währungsumfeld und ein schwächeres Geschäft mit verschreibungsfreien Medikamenten.

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