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Plastikmüll - Warum die EU Strohhalme verbieten will

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Die EU-Kommission will überflüssiges Plastik verbieten. Produkte, die nur einmalig benutzt werden, sind ihr ein Dorn im Auge. Der Strohhalm wäre dann nicht das einzige Opfer.

Ein Mädchen trinkt mit einem Strohhalm aus Plastik aus einem Glas
Ein Mädchen trinkt mit einem Strohhalm
Quelle: dpa

Seine Kinder würden keine Strohhalme mehr benutzen, erzählt Frans Timmermans, Vizepräsident der EU-Kommission. Zu oft hat der Papa sie wohl aufgefordert, darüber nachzudenken, dass man einen Strohhalm nur fünf Minuten benutzt und es dann 500 Jahre dauert, bis er in der Natur abgebaut ist.

Anders als der Name es suggeriert, sind die meisten Strohhalme heute nicht aus Stroh, sondern aus Plastik - und darum sollen sie demnächst verboten werden. "Dinge, für die es Alternativen gibt, müssen wir einfach verbieten", fordert Timmermans im ZDF-Interview. Doch genauer will er vorab nicht werden, denn erst um 11:45 Uhr legt die EU-Kommission in Brüssel einen Maßnahmenkatalog vor, der vor allem Plastik aus dem Alltag zurückdrängen soll, was nur ein einziges Mal benutzt wird.

EU-Länder produzieren 28,5 Millionen Tonnen Plastikmüll im Jahr

Jedes Jahr fallen in den 28 EU-Ländern 28,5 Millionen Tonnen Plastikmüll an. Vieles davon landet im Meer. Auch was in winzig kleine Mikroplastikteile zerfällt, ist schädlich. Es bedroht Organismen, wird von Fischen gefressen und landet über die Nahrungskette beim Menschen.

Der Entwurf des heutigen Vorschlages kursiert in Brüssel schon eine Weile. In ihm werden Plastikprodukte in verschiedenen Gruppen gelistet. Auf der Verbotsliste stehen derzeit neben Strohhalmen auch Plastikbesteck und -geschirr, Wattestäbchen und Stäbe, an denen Luftballons gehalten werden. Luftballons selbst finden sich neben Getränkebechern, Zigarettenfiltern, Feuchttüchern und Tampon-Applikatoren auf einer anderen Liste. Hersteller dieser Produkte sollen sich künftig an den Kosten für Müllentsorgung, Umweltschutz und Informationskampagnen beteiligen.

Außerdem sollen bis 2025 90 Prozent aller Plastikflaschen, die auf den Markt kommen, auch wieder eingesammelt werden. Es bleibt den Mitgliedsstaaten überlassen, ob sie das mit einem Pfandsystem durchsetzen oder bestimmte Einsammelziele bewerben.

Bundesumweltministerin Schulze gegen Plastiksteuer

Eine Plastiksteuer steht nicht in dem Vorschlag. Die wäre mit vielen Mitgliedsländern ohnehin nicht zu machen. "Ich halte nichts von einer pauschalen Steuer auf Kunststoff", sagt Bundesumweltministerin Svenja Schulze dem ZDF und argumentiert: "Wir wollen mehr Windkraftanlagen, da ist viel Kunststoff drin, warum sollen wir den besteuern? Wir müssen das Verhalten verändern, wir müssen verändern, wie mit Kunststoff umgegangen wird, und deswegen da ansetzen, dass man Plastik recycelt, nutzt, wiederverwertet und nicht pauschal verdammt." Vergangene Woche hatte Schulze bei ihrem Antrittsbesuch auch Frans Timmermans getroffen und ihm wohl noch einmal klar gemacht, was sie von der Plastiksteuer hält.

Timmermans hofft auf Einigung vor Europawahl 2019

Bleibt abzuwarten, mit welchen konkreten Maßnahmen Brüssel mehr Recycling und die Forschung an Ersatzverpackungen fördern möchte. Nur darauf zu setzen, dass Verbraucher und Industrie sich selbst besinnen, scheint illusorisch. Zunächst werden die Vorschläge der Kommission von den Mitgliedsländern und dem Europaparlament diskutiert. Timmermans ist optimistisch, dass es noch vor den Europawahlen im Mai 2019 zu Einigung kommt.

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