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Facebook-Daten für US-Wahlkampf - Fall Analytica schreckt Politik auf

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Die Firma Cambridge Analytica soll Millionen Facebook-Nutzerdaten abgegriffen haben, um Trumps Wahlkampf zu unterstützen. Das EU-Parlament will den Fall unter die Lupe nehmen.

Die Firma Cambridge Analytica soll Millionen Facebook-Nutzerdaten gesammelt haben, um Wähler zu beeinflussen. Ein früherer Mitarbeiter lieferte nun Informationen.

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Die EU-Abgeordneten wollen die neue Daten-Affäre von Facebook genauer untersuchen - das kündigte Parlamentspräsident Antonio Tajani an. Es werde nun geprüft, ob es zu einem Missbrauch der Daten gekommen sei.

EU-Justizkommissarin verlangt Aufklärung

Anlass sind Medienberichte, wonach die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica im Jahr 2016 private Informationen von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern ohne deren Einverständnis ausgewertet und mit den Ergebnissen den Wahlkampf von US-Präsident Donald Trump unterstützt hat. Zu den wichtigsten Geldgebern der Firma gehört der US-Hedgefonds-Milliardär Robert Mercer, ein ausgewiesener Unterstützer der republikanischen Partei. Laut der britischen Zeitung "The Observer" war 2016 der ehemalige Trump-Berater Steve Bannon Chef der Firma.

EU-Justizkommissarin Vera Jourova will noch in dieser Woche bei ihrem US-Besuch mit Facebook und der Regierung in Washington über die Affäre sprechen. Jourova schrieb bei Twitter, die Berichte seien "schrecklich, wenn sie sich bestätigen". "Wir wollen so etwas in der EU nicht." Die EU werde "alle möglichen rechtlichen Maßnahmen ergreifen", um die Daten von Bürgern zu schützen.

Politiker für mehr Vollmachten

Auch in Großbritannien und den USA gerät Facebook politisch unter Druck. In London forderte der Vorsitzende des Parlamentsausschusses für Digitales und Medien, Damian Collins, mehr Vollmachten für die Datenschutz-Aufsicht. Sie müsse auch das Recht bekommen, hinter die Kulissen der Unternehmen zu schauen.

In den USA sprach sich Senator Mark Warner (Demokraten) dafür aus den Markt für politische Werbung mehr zu regulieren. Seine Kollegin Amy Klobuchar verlangte, dass Facebooks Gründer und Chef, Mark Zuckerberg, vor dem Justizausschuss erscheinen soll. Die Generalstaatsanwältin des Bundesstaates Massachusetts, Maura Healey, kündigte Ermittlungen an und forderte Antworten sowohl von Cambridge Analytica als auch von Facebook.

Facebook beendet Zusammenarbeit mit Cambridge Analytica

Facebook hatte am Wochenende die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica ausgesperrt. Sie habe unrechtmäßig erhaltene Daten entgegen früheren Zusicherungen nicht vernichtet, hieß es zur Begründung. Cambridge Analytica hatte die Nutzerdaten vom britischen Professor Aleksandr Kogan bekommen, der bei Facebook eine Umfrage durchgeführt hatte. Sie war beim Online-Netzwerk als wissenschaftliche Persönlichkeitsforschung angemeldet worden.

Die Facebook-App mit der Umfrage sei rund 270.000 Mal heruntergeladen worden, erklärte Facebook. Nutzer, die sie ausfüllten, erklärten sich einverstanden damit, dass Kogans Firma ihre Antworten und Daten bekommt. Zugleich bekam er über Facebooks Schnittstellen aber auch Zugang zu einigen Profil-Grunddaten von ihren Freunden, wenn deren Datenschutz-Einstellungen dies zuließen. Nach Informationen der Zeitung "Guardian" eröffnete jeder, der die Umfrage ausfüllte, den Zugriff auf solche Daten von im Schnitt 160 weiteren Nutzern. Insgesamt sollen Daten von über 50 Millionen Nutzern verwendet worden sein.

Es ist bereits der dritte derartige Fall für Facebook in rund einem Jahr. Das Unternehmen hatte erst im September einräumen müssen, dass in den Monaten vor und nach der US-Wahl etwa 3.000 Anzeigen mit polarisierenden Inhalten geschaltet worden seien. Und davor waren es Verbreiter von Fake News, die mit falschen Geschichten versuchten, die Stimmung in bestimmten Gruppen für ihre Zwecke aufzuheizen. In allen drei Fällen spielte Facebook die mutmaßlichen Risiken zunächst herunter.

Die Aktie des Online-Netzwerks verlor am Montag im vorbörslichen Handel angesichts der Debatten zeitweise fast fünf Prozent.

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