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EU zu Giftanschlag von Salisbury - Scharfe Verurteilung - aber keine Sanktionen

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Die EU steht nach dem Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Skripal geschlossen hinter Großbritannien. Die Außenminister verurteilen die Tat scharf. Einer wird besonders deutlich.

Nach dem Anschlag auf den Ex-Doppelagenten Skripal stellt sich die EU geschlossen hinter Großbritannien. Unabhängige Experten sollen Proben des verwendeten Nervengifts untersuchen.

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Noch verstrubbelter als gewöhnlich springt Boris Johnson aus dem Bus, der ihn zum EU-Ratsgebäude in Brüssel bringt. Jeder Satz des britischen Außenministers in die wartenden Kameras ist ein Pfeil Richtung Russland.

Johnson von EU-Beistand "ermutigt"

"Die russischen Dementis werden zusehends absurder", schimpft Johnson. "Erst sagen sie, dass sie Nowitschok nie hergestellt haben. Dann sagen sie, dass sie Nowitschok zwar produziert, aber alle Vorräte vernichtet hätten. Dann sagen sie, sie hätten Nowitschok hergestellt, vernichtet, aber einige Reste seien auf geheimnisvolle Weise nach Schweden, Tschechien, die Slowakei, Amerika oder Großbritannien gelangt." Das sei "eine klassisch russische Strategie, mit der versucht wird, die Nadel der Wahrheit in einem Heuhaufen aus Lügen zu verstecken".

Der aufgebrachte Brite bestätigt, dass im Laufe des Tages Experten der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) im Vereinigten Königreich einträfen, um Proben des Gifts von Salisbury zu untersuchen. Johnson erläutert keine weiteren Details, legt keine Beweise offen, erst will er seine europäischen Außenminister-Kollegen informieren. Schon jetzt sei er sehr "ermutigt" von der Stärke und Entschlossenheit des europäischen Beistands.

EU vermeidet Schuldzuweisung

Wie stark dieser Beistand wirklich ausfällt, bleibt allerdings weiter offen. In einer scharfen gemeinsamen Erklärung verurteilen die 28 EU-Außenminister den Giftanschlag zwar, kündigen aber keine neuen Sanktionen an. Auch enthält der Text keine direkte Schuldzuweisung an die russische Regierung. Nur so viel: "Die Europäische Union nimmt die Einschätzung der britischen Regierung, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass die Russische Föderation verantwortlich ist, sehr ernst." Weiter ruft die EU Russland auf, bei der Aufklärung des Anschlags mitzuarbeiten und alle Informationen über die russische Entwicklung des Nervengases Nowitschok mit der OPCW zu teilen.

Der neue deutsche Außenminister Heiko Maas hatte am Morgen - wie viele europäische Kollegen - versucht, einen etwas sachlicheren Ton anzuschlagen. Auch er sehe keine "alternative plausible Erklärung außer der russischen Mitverantwortung", aber "wenn man auf der russischen Seite der Auffassung ist, dass man das entkräften kann, dann soll das auch geschehen".

Zunächst keine neuen Sanktionen erwartet

Auch die österreichische Außenministerin Karin Kneissel, die von der traditionell russlandfreundlichen FPÖ nominiert wurde, dämpfte die Erwartung von neuen Sanktionen gegen Russland. Zunächst müsse man eine genaue "Sachstandsaufklärung" von den zuständigen Experten abwarten.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini zeigte sich überzeugt, dass Europa geschlossen auf den Giftanschlag von Salisbury reagieren werde. "Ich erwarte immer eine einheitliche Reaktion (der 28)", sagte sie Reportern bei ihrer Ankunft. "Und bislang habe ich Sie noch nie enttäuscht."

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