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Nach Mays Brexit-Rede - Lage in London "vernagelt" - EU will sich äußern

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Viel Neues hatte Premierministerin May im Unterhaus zum Gezerre um den Brexit nicht zu bieten. Heute will Brüssel reagieren. Großes Entgegenkommen kann London nicht erwarten.

Demonstrant vor den Houses of Parliament
Demonstrant vor den Houses of Parliament
Quelle: reuters

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die EU-Kommission will heute offiziell Stellung nehmen zu den Vorschlägen der britischen Premierministerin May.
  • In einer ersten Reaktion hatte die EU aber bereits ablehnend auf Mays Vorstoß zu Nachverhandlungen reagiert.
  • May hatte am Montag ihren mit Spannung erwarteteten "Plan B" vor dem britischen Parlament präsentiert. Es wurde eine Alternative zum abgelehnten Brexit-Deal mit der EU erwartet, stattdessen setzt May weiterhin auf Nachverhandlungen mit der EU - und zwar über die künftige Grenzregelung zwischen Irland und Nordirland.
  • Ein zweites Referendum oder eine Verschiebung des geplanten Brexit-Datums am 29. März 2019 lehnt May ab.

Nach der jüngsten Erklärung von Theresa May zum Brexit will sich die EU-Kommission heute offiziell dazu äußern. Mehrere EU-Politiker haben allerdings bereits ablehnend auf Mays Vorstoß zu Nachverhandlungen reagiert. Seit vergangener Woche habe sich nichts geändert, erklärte ein Sprecher von EU-Ratschef Donald Tusk. "Wir sind immer bereit, uns zu treffen und zu reden." Doch hätten die bleibenden 27 EU-Staaten schon im Dezember gesagt, dass das mit May ausgehandelte Austrittsabkommen nicht nachverhandelt werden könne.

Merkel appelliert an London

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rief die britische Regierung zu raschen und in London konsensfähigen Vorschlägen auf. "Die Bundesregierung erwartet, dass die britische Regierung sich bald auf Vorschläge einigt, die von einer Mehrheit des Unterhauses unterstützt werden", teilte ein deutscher Regierungssprecher am Montagabend mit. "Die Bundesregierung setzt sich weiter für einen geordneten Austritt Großbritanniens aus der EU ein." CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer forderte das Parlament in London auf, endlich zu einer klaren Haltung zu kommen. Eine Verschiebung des Brexit-Datums "macht ja nur dann Sinn, wenn vorher klar ist, über was nochmal gesprochen wird".

Großbritannien soll eigentlich am 29. März die EU verlassen. May hatte am Montag im britischen Parlament deutlich gemacht, dass sie die schwierige Irland-Frage aus den Brexit-Gesprächen wieder aufmachen wolle. Dabei dreht sich alles wieder um die Garantie einer offenen Grenze zwischen dem EU-Staat Irland und dem britischen Nordirland, den sogenannten Backstop. Die Klausel war einer der Gründe dafür, dass das britische Unterhaus das Austrittsabkommen vorige Woche mit großer Mehrheit ablehnte - und das, obwohl sich EU und Großbritannien einig sind, dass eine feste Grenze zwischen Irland und Nordirland neue Gewalt in der früheren Bürgerkriegsregion anfachen könnte.

Europapolitiker Bullmann: "Situation ist vernagelt"

May hatte zudem Forderungen zurückgewiesen, einen Brexit ohne Abkommen auszuschließen. Auch einem zweiten Referendum zum britischen EU-Austritt erteilte sie eine erneute Absage. Der SPD-Europapolitiker Udo Bullmann sieht dagegen eine neue Volksabstimmung in Großbritannien als einzigen Ausweg. "Ich glaube, die Situation ist vernagelt nach allen Richtungen", sagte der Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europaparlament in Brüssel. "Um Stabilität zurückzugewinnen, muss man das Volk fragen." May habe keinen Plan B vorgelegt, sondern nur wiederholt, sie lote einen Konsens im Unterhaus aus und wolle dann erneut mit der Europäischen Union reden, monierte Bullmann.

Auch der langjährige EU-Abgeordnete Elmar Brok äußerte sich enttäuscht über Mays Rede. "Ich habe keinen Plan B gehört. Ich habe nur gehört, dass Regierung und Opposition in Großbritannien jetzt miteinander reden wollen", sagte der CDU-Politiker am Montag dem Nachrichtenportal t-online.de. Brok warnte vor den Folgen fehlender Kompromissbereitschaft der verschiedenen Lager im britischen Parlament. "Wenn alle weiter auf den eigenen Positionen beharren, geht gar nichts. Dann passiert der Unfall, der harte Brexit, obwohl ihn niemand will."

"May hat nichts aus ihren Fehlern gelernt"

Die Brexit-Expertin der Grünen im Europaparlament, Terry Reintke, äußerte sich ähnlich kritisch und plädierte ebenfalls für eine neue Volksabstimmung. "Der sogenannte Plan B zeigt: May hat nichts aus ihren Fehlern gelernt", erklärte Reintke. Trotz Mays Niederlage sei keine Kehrtwende in Sicht. Die Premierministerin mache auch keine Vorschläge, wie der Friedensprozess in Irland nach dem
Brexit gesichert werden solle. "Sie muss endlich erkennen, dass sie sich in eine Sackgasse manövriert hat", meinte Reintke. "Dass May erneut einen "People's Vote" ausschließt, ist genau der falsche Weg."

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