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Weltweiter Plastikmüll-Handel - Wie mit Müll Milliarden verdient werden

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Müll wird um den ganzen Globus verkauft, verschifft, gehandelt. Ein großer Teil des Plastikmülls aus Deutschland landete jahrelang in China - jetzt kommt er zurück.

Es ist ein Milliardengeschäft: Deutscher Müll wird um den ganzen Globus verkauft, verschifft, gehandelt. Bis 2018 landete ein Großteil unseres Plastikmülls in China. Jetzt kommt er zurück.

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Die Handelswege des Plastikmülls führten zunächst nach China. Ganze Landstriche und ihre Bewohner lebten hier bis vor kurzem vom Recycling des Mülls aus dem Ausland. Für sortenreinen Kunststoffabfall werden hohe Preise gezahlt. Aber wie funktioniert das globale Geschäft mit dem Plastikmüll?

Der Volkswirt Henning Wilts leitet am Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie die Abteilung Kreislaufwirtschaft. "Müll ist einfach ein Thema, mit dem man sehr gut Geld verdienen kann", sagt er. Allein in Deutschland geht es um 50 Milliarden Euro. Für Unternehmen, betont Wilts, sei Abfall ein normales Wirtschaftsgut, mit dem gehandelt wird, sofern der Preis stimmt.

Schaufelradlader inmitten von Plastikmüllbergen
560.000 Tonnen Plastikmüll hat allein Deutschland nach China exportiert.
Quelle: ZDF/Christian Gruber

China kauft Plastikmüll für 170 Millionen aus Deutschland

Rund die Hälfte der weltweiten Plastikmüllexporte landete bislang in China. Im Jahr 2016 waren das mehr als 7 Millionen Tonnen. Der größte Anteil, Müll im Wert von rund 450 Millionen Euro, wurde aus der EU nach China verkauft. Aus Deutschland waren es allein 560.000 Tonnen Plastikmüll im Wert von rund 170 Millionen Euro.

In China wird der Plastikmüll zu Granulatkugeln verarbeitet, aus denen wieder neue Produkte hergestellt werden. Die Betreiber der Anlagen haben in den vergangenen Jahren gut verdient, denn China benötigt für die inländische Industrie einen stetigen Nachschub an Grundstoffen.

Neue Produkte aus Plastikmüll

Müllexperte Adam Minter am Fenster in Singapur
Der amerikanische Journalist und Müllexperte Adam Minter.
Quelle: ZDF/Christian Gruber

Dass es beim Export von Müll aus Industrieländern in die Entwicklungsländer nur um niedrige Umweltauflagen und günstige Arbeitskräfte geht, hält der amerikanische Journalist Adam Minter, der sich seit Jahren mit der globalen Müllbranche beschäftigt, für einen Mythos: "Wenn das der Fall wäre, würde der Müll nicht nach China und Südostasien gehen, weil es nicht die billigsten Orte sind." Am günstigsten wären Orte wie Mosambik. "Aber niemand schickt Müll nach Mosambik. Aus dem einfachen Grund, weil dort keine Produktion stattfindet!"

Laut Minter macht das Recycling dort Sinn, wo Plastik für die Herstellung neuer Produkte benötigt wird. Produkte, die dann zum Beispiel aus China nach Europa verkauft und verschifft werden. Auf der Rückfahrt nach China sind diese Container leer. Da bot es sich an, sie mit Müll zu füllen: Pappe, Kunststoff, Metalle. "Je mehr die Deutschen aus China kaufen", sagt Minter, "desto mehr Anreize gibt es für das Recycling in China." Auch eine Form von Kreislaufwirtschaft.

China macht Schluss mit Müllimporten

Doch damit ist Schluss. Seit Januar 2018 dürfen verschiedene Recyclingmaterialien nicht mehr nach China importiert werden - darunter auch Plastikabfall. Umweltprobleme sind dabei nur ein Grund.

Recycling-Fachmann Henning Wilts vermutet ein wirtschaftliches Motiv: "China hat eine sehr klare Strategie, bei keinem Rohstoff zu abhängig zu werden von Importen aus dem Ausland."  Die Chinesen wollen also ihr eigenes Recycling-System aufbauen. Doch wohin mit all dem Müll, den China nicht mehr will?

Malaysia wird zum Müllschlucker der Welt

Die neuen Zielländer sind Vietnam, Indonesien und Malaysia. Malaysia ist so zum wichtigsten Importeur für Plastikmüll aufgestiegen. Gerade auch chinesische Recyclingfirmen stampfen dort reihenweise Anlagen aus dem Boden. Man möchte sich ungern Geschäft entgehen lassen. Doch insbesondere Malaysia wehrt sich gegen das Image der globalen Müllkippe: Container voller unsortierter Abfälle werden in Zukunft postwendend in die Herkunftsländer zurückgeschickt.

Archiv: Containerladungen mit Müll in Malaysia am 29.05.2019
Malaysia ist zum wichtigsten Importeur für Plastikmüll aufgestiegen.
Quelle: picture alliance / Xinhua News Agency

Langsam wird klar: Unser Müllproblem kann nicht im Ausland gelöst werden. So haben sich die Vertragspartner des sogenannten Basler Übereinkommens, insgesamt 187 Staaten, auf eine Verschärfung der Plastikmüll-Exporte geeinigt. Demnach muss jetzt der Import von kontaminierten, gemischten oder nicht recyclingfähigen Kunststoffabfällen von den Empfängerländern vorab genehmigt werden.

Ab 2030 neue EU-Plastikstrategie

Dieser ab 2021 geltende Beschluss könnte den weltweiten Handel mit Müll grundlegend ändern. Ebenso wie die neue EU-Plastikstrategie: Ab 2030 sollen alle Kunststoffverpackungen auf dem EU-Markt recyclingfähig sein, der Verbrauch von Einwegkunststoffen soll reduziert und die absichtliche Verwendung von Mikroplastik beschränkt werden.

Mit Blick auf eine funktionierende Kreislaufwirtschaft merkt Henning Wilts jedoch an, dass andere Länder gegenüber Deutschland "mittlerweile fünf, sechs, sieben Jahre Vorsprung haben".

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