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#FreeInterrail: EU in Bewegung - 13.400 Kilometer gegen den Brüssel-Blues

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Geschenkt: eine Reise zum 18. Geburtstag. Vier Wochen lang durch ganz Europa. Das haben sich zwei Berliner von der EU gewünscht. Und die lässt sich nicht lumpen.

Zwölf Länder in fünf Wochen: Zwei Interrailer aus Berlin wollen Menschen begegnen und Europa auf den Zahn fühlen - ob im Pierogi-Kochkurs in Warschau oder an der Friedensmauer in Belfast.

Beitragslänge:
30 min
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12.000 Interrail-Tickets hat die EU lockergemacht, im Wert von jeweils 258 Euro. Die werden verlost - unter denen, die gerade volljährig werden und sich dafür bewerben. Im letzten Jahr waren das 100.000 junge Europäer. Ein Riesenerfolg für Vincent-Immanuel Herr und Martin Speer, die #FreeInterrail in Brüssel angestoßen haben. "Dass wir jetzt über ein Projekt reden, was möglicherweise einen Umfang von 700 Millionen Euro hat, wie es die EU-Kommission vorschlägt, ist etwas, mit dem wir vor fünf Jahren nicht gerechnet hätten", sagt Martin Speer (32). "Aber das zeigt doch, dass man Europa verändern kann."

Einmal quer durch die EU

Jetzt, vor der Europawahl, sind die beiden auch selbst wieder unterwegs. 13 Länder in sechs Wochen. Sie wollen Gleichgesinnte treffen und Ideen für das Europa von morgen sammeln. Denn allerorten wächst die Europa-Skepsis, und Nationalisten sind im Aufwind. Ist die europäische Idee gefährdet? "Wir brauchen frische, junge Ideen, weil uns der Laden gerade sonst um die Ohren fliegen wird", sagt der 30-jährige Herr.

"Wir haben auf Facebook einen Aufruf gemacht: 'Wir gehen auf die Reise, und so sieht die Route aus… Kennt ihr noch Leute oder Organisationen unterwegs?' Und jetzt haben wir zum Beispiel Kontakt zu einem jungen Mann. Ich schreibe ihm gerade auf Facebook und frage, ob er morgen Nachmittag spontan Zeit hat." 13.400 Kilometer - ihre Route führt quer durch den Kontinent.

Erste Station ist Warschau. Sie treffen Agnieszka Wiśniewska. Die Journalistin ist Teil einer regierungskritischen Bewegung, die sich für Demokratie und die EU stark macht. Deren Rückhalt schwindet in Polen. "Die ganze Zeit hieß es, dass wir eine junge Demokratie sind, dass wir härter arbeiten müssen und dafür in Zukunft die Früchte ernten werden. Aber das funktioniert nicht", sagt sie. "Es wird die größte Herausforderung für das nächste EU-Parlament sein, denn noch nie hat es so viele Menschen gegeben, denen die EU egal ist, die skeptisch sind."

Zwölf Länder in fünf Wochen: Die Berliner Martin Speer und Vincent-Immanuel Herr planen ihre Interrail-Route im Zug unterwegs.
Zwölf Länder in fünf Wochen: Die Berliner Martin Speer und Vincent-Immanuel Herr planen ihre Interrail-Route im Zug unterwegs.
Quelle: Frédérique Veith

Gegen Blues und Brexit

Gespräche, Fotos, Filme und Erfahrungen gehen sofort online. Martin Speer und Vincent-Immanuel Herr sehen sich als eine Art Europa-Botschafter. "Wir leben in einer Zeit von Europablues, Brexit, aufkommendem Nationalismus und Brüssel-Bashing. Wir wollen mit der Reise auch zeigen: Hey, es gibt auch ein anderes Gesicht von Europa - eines, das nach vorne schaut."

Im nordirischen Newry treffen sie Georgia Gallagher und Ellen McElroy. Die beiden Freundinnen gehörten zu den glücklichen Gewinnerinnen der Interrailtickets, die die EU im letzten Jahr verlost hat. Ihre Reise führte sie durch Deutschland, Tschechien, Ungarn und Slowenien. "Es ist fantastisch, wie einfach man mit dem Zug in andere Länder fahren kann. Ganz frei herumreisen, einfach ein- und aussteigen." Genau das könnte in ihrer Heimat bald schwierig werden, sollte wegen des Brexits eine neue Grenze gebaut werden - zwischen der Republik Irland und Nordirland, das zum Vereinigten Königreich gehört. Zwischen Ellen, der Irin, und Georgia, der Britin. "Wir haben uns diese Frage nie gestellt: Bist Du Irin und ich Britin? Das hat sich ganz schön verändert", sagt Georgia. "Das fragt man nicht mehr. Das ist Vergangenheit. Ein Mensch ist ein Mensch."

Seit dem Brexitreferendum ist die Zustimmung zur EU unter jungen Menschen in ganz Europa gestiegen. Damit dieser Trend sich fortsetzt, wollen Herr und Speer weiter dafür kämpfen, dass die Interrailtickets künftig nicht mehr verlost, sondern jedem Europäer als Geschenk zum 18. Geburtstag automatisch zugeschickt werden. Denn das ist ihre Message: Wer reist und Fremde besser kennenlernt, hat mehr Respekt und weniger Vorurteile.

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