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Europäische Cloud-Pläne - Datenwolken aus dem Wirtschaftsministerium

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Wirtschaftsminister Peter Altmaier will eine europäische Cloud-Lösung. Doch IT-Experten und Wirtschaftsfachleute halten nicht viel von seinen Plänen.

Peter Altmeier - 2018
Peter Altmeier - 2018
Quelle: ap

Behörden und Unternehmen speichern ihre Akten, Geschäftsunterlagen oder die Korrespondenz immer häufiger in einer Cloud. Da sorgen vernetzte Server an unterschiedlichen Standorten dafür, dass auf die Daten von jedem Ort aus zugegriffen werden kann und die Daten in Backups so gesichert sind, dass nichts verloren gehen kann.

Regierung will es wolkig

"Die Bundesregierung hat Cloud-Computing als einen ausgesprochen wichtigen Bereich identifiziert", merkt eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums an. Denn nur so könne eine verlässliche Datensouveranität und Datenverfügbarkeit langfristig gewährleistet werden.

Weil aber unter anderem das Speichern behördlicher Daten bei amerikanischen Cloud-Anbietern für öffentliche Diskussionen sorgte, will die Bundesregierung einen europäischen Cloud-Service aufsetzen. Insbesondere die Videoaufnahmen von den Bodycams der Bundespolizisten erregten den Unmut von Bürgern und Datenschützern.

Den größten Bedarf an nationalen Cloud-Lösungen hat die öffentliche Hand.
Bernhard Rohleder, BV Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.

Die sollten nämlich auf Servern des amerikanischen Cloud-Anbieters Amazon gespeichert werden. Dagegen protestierten sogar Vertreter von Industrieverbänden. Und die finden auch die von Wirtschaftsminister Peter Altmaier entwickelten Cloud-Pläne bisher wenig gelungen.

"Den größten Bedarf an nationalen Cloud-Lösungen hat die öffentliche Hand", stellt zum Beispiel Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V., fest.

Bundes-Cloud oder Euro-Cloud

In solchen Fällen liegt es doch nahe, einen deutschen Anbieter mit seinen hohen Sicherheitsstandards auszusuchen.
Saskia Esken, Bundestagsabgeordnete der SPD

Die federführend im Wirtschaftsministerium entwickelten Cloud-Pläne sehen vor, eine eigene Organisation für die Umsetzung einer eigenen Cloud zu gründen. Das finden die deutschen Cloud-Anbieter nicht nachvollziehbar. Und sie finden sogar Unterstützung in der SPD, die die Cloud-Pläne von Altmaier in der Großen Koalition aber insgesamt mittragen will.

"In solchen Fällen liegt es doch nahe, einen deutschen Anbieter mit seinen hohen Sicherheitsstandards auszusuchen", meint zum Beispiel Saskia Esken, Bundestagsabgeordnete der SPD. Altmaier argumentiert aber gerade, dass es bei der europäischen Cloud-Lösung nicht um eine Bundes-Cloud gehen soll, sondern um eine Datenlösung für die Wirtschaft.

Erst am 28. Oktober 2019 will der Wirtschaftsminister auf dem Digitalgipfel der Bundesregierung in Dortmund konkretere Pläne für das Cloud-Projekt aus seinem Hause vorstellen. Immerhin ist schon jetzt klar, dass Altmaier auf das sogenannte "Hyperscale-Konzept" setzt.

Dabei werden sehr einfache und kleine Server über preiswerte Netzwerke mit lediglich mittlerer Geschwindigkeit zusammengeschaltet. Dieses Konzept erlaubt eine ziemlich hohe Server-Dichte pro Standort mit wenig Aufwand für die Kühlung und somit geringen Energiekosten und sehr mäßigem Platzbedarf.

Nur Amazon nachahmen reicht nicht

Das amerikanische Handelsunternehmen Amazon ist mit solch einem Hyperscale-Konzept bereits im Jahr 2006 an den Markt gegangen und konnte sich damit zu einem der weltweit bedeutendsten Anbieter von Cloud-Services entwickeln. Google, IBM und Microsoft stehen international in hartem Wettbewerb zu Amazon, setzen aber teilweise auf unterschiedliche Cloud-Architekturen.

Die nach Altmaiers sehr allgemeiner Vorstellung des Plans für eine europäische Cloud aus dem Ministerium bekannt gewordenen Details zum "Gaia" genannten Cloud-Projekt lassen insgesamt eher auf eine nationale Cloud als auf eine europäische schließen. Die Cloud-Struktur soll zwar für europäische Partner offen sein.

Doch was bisher über die erste Ausbaustufe bekannt geworden ist, deutet stark auf eine Erweiterung der Bundes-Cloud hin, weniger stark auf ein paneuropäisches Projekt. Auch da haben Sicherheitsexperten allerdings Bedenken.

Sicherheitsbedenken bleiben

Man muss zum Beispiel sehr genau wissen, welche Hardware-Komponenten in solch einer Cloud-Struktur verbaut werden und welche Funktion sie haben
Hartmut Pohl, Informatik-Professor

"Man muss zum Beispiel sehr genau wissen, welche Hardware-Komponenten in solch einer Cloud-Struktur verbaut werden und welche Funktion sie haben", erläutert der Informatik-Professor Hartmut Pohl. Auch eine europäische oder sogar zunächst nationale Cloud-Lösung ist an der Stelle auf Komponenten aus China und den USA angewiesen.

Das Problem ist mittlerweile auch im Wirtschaftsministerium angekommen. Die Hacker-Attacken in den vergangenen Jahren auf die Clouds des Anbieters Amazon zeigen, wie schnell in der Datenwolke Gespeichertes leichte Beute von Online-Kriminellen werden kann. Bis zum Digitalgipfel der Bundesregierung soll deshalb auch ein entsprechendes Sicherheitskonzept erarbeitet werden. Dass die Bundesregierung das allerdings in gut drei Wochen vorlegen kann, wird von einigen Sicherheitsexperten bezweifelt.

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