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Europäischer Trauerakt - Merkel und Clinton reden bei Kohl-Trauerakt

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Der europäische Trauerakt für Helmut Kohl ist ein Novum - und stellt die Angehörigen des Altkanzlers vor neue Herausforderungen. Zwar steht nun die Rednerliste: Neben dem früheren US-Präsidenten Bill Clinton spricht auch Bundeskanzlerin Angela Merkel. Doch der Familienstreit eskaliert weiter.

Vielerorts wird um den verstorben Altbundeskanzler Helmut Kohl getrauert. Dieser war gestern im Alter von 87 Jahren in Ludwigshafen gestorben. Wann und wo ein Staatsakt für den „Kanzler der Einheit“ stattfinden soll, ist noch ungewiss.

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Abgesehen von Merkel (CDU) und Clinton werden auch führende Vertreter Europas die Verdienste des verstorbenen Altkanzlers bei der Gedenkfeier im Europaparlament am 1. Juli würdigen. So würden EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani, EU-Ratspräsident Donald Tusk, EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron sprechen, teilte das Bundesinnenministerium in Berlin mit.

Hausverbot für Kohls Sohn

Während die Planungen für den Trauerakt damit voranschreiten, spitzte sich der Streit zwischen Kohls älterem Sohn, Walter, und der Witwe des Altkanzlers weiter zu. Begleitet von zwei Enkelkindern versuchte Walter Kohl vergeblich, in das Haus seines Vaters in Ludwigshafen zu gelangen. Er sagte, er sei von der Polizei auf ein Hausverbot hingewiesen worden. Am Freitag war der Sohn am Sterbebett seines Vaters gewesen. Von dessen Tod hatte er nach eigenen Angaben aus dem Radio erfahren. Kohl war am Freitag im Alter von 87 Jahren nach langer Krankheit in seinem Haus gestorben.

Der Anwalt von Maike Kohl-Richter, Stephan Holthoff-Pförtner, warf Walter Kohl vor, einen Eklat zu inszenieren. Der langjährige Anwalt und Vertraute Kohls sagte in Berlin, er habe am Dienstag das Gespräch mit dem Kohl-Sohn gesucht, um die Abläufe der Trauerfeierlichkeiten zu bereden und zu klären, wie sich die Söhne und Enkel von Helmut Kohl verabschieden könnten. Ziel sei es gewesen, die Teilnahme der Söhne und ihrer Familien an allen Trauerzeremonien zu besprechen.

Kohl-Richter wollte offenbar Merkel-Rede verhindern

Holthoff-Pförtner dementierte einen Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel", wonach Merkel nach dem Willen von Kohl-Richter auf dem Trauerakt ursprünglich nicht habe sprechen sollen. "Es gab zu keinem Zeitpunkt in der Familie Helmut Kohls Bedenken gegen eine Rede der Bundeskanzlerin beim Trauerakt in Straßburg", sagte der Anwalt. Der "Spiegel" schreibt, Kohl-Richter habe die Idee präsentiert, dass ausschließlich ausländische Gäste sprechen sollten, darunter der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban, einer der erbittertsten Gegner von Merkels Flüchtlingspolitik. Erst als Vertraute vor einem Eklat gewarnt hätten, sei sie von diesen Überlegungen abgerückt.

Der Anwalt wies auch die Darstellung der "Bild"-Zeitung vom Dienstag zurück, die Witwe habe konkrete Vorstellungen für Gästeliste und Ablauf gehabt, die die Organisation eines offiziellen deutschen Staatsaktes für Kohl schwierig gemacht hätten.

Schifffahrt nach Speyer noch unklar

Regierungssprecher Steffen Seibert wollte sich zu Berichten über schwierige Abstimmungsgespräche zu den Trauerzeremonien nicht äußern. Auch Informationen, nach denen Kohl-Richter eine Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier habe verhindern wollen, wollte er nicht kommentieren. Seibert sagte: "Allen Beteiligten ist vollkommen klar, welch singulär große Rolle Helmut Kohl bei zwei entscheidenden politischen Aufgaben der vergangenen Jahrzehnte gespielt hat" - der europäischen Einigung und der deutschen Einheit.

Der Trauerakt im Europäischen Parlament in Straßburg wird nach Angaben des Innenministeriums am 1. Juli um 11 Uhr beginnen und etwa zwei Stunden dauern. Kohls Sarg werde dabei mit einer Europafahne bedeckt sein. Anschließend werde dieser per Hubschrauber nach Deutschland gebracht. Nach der Landung in der Nähe von Ludwigshafen werde der Sarg nach Speyer übergeführt, wo im Dom am späten Nachmittag eine Totenmesse geplant sei. Aus gut unterrichteten Kreisen ist bekannt, dass für diese Teilstrecke angedacht ist, den Sarg mit Kohl per Schiff zum Dom zu bringen. Unklar ist noch, ob dies organisatorisch machbar ist.

Das Ministerium teilte weiter mit, im Anschluss an die Totenmesse werde es vor dem Dom ein "militärisches Abschiedszeremoniell mit Ehrenformation" geben. Danach werde Kohl beigesetzt. Kohl wird seine letzte Ruhestätte auf einem Friedhof in Speyer finden und nicht im Familiengrab der Kohls in Ludwigshafen.

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