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"Gelbwesten" in Europa - Selbe Weste, verschiedene Ziele

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Von Frankreich schwappte die Bewegung der "Gelbwesten" nach Belgien, in die Niederlande und auch nach Deutschland. Doch die Motivation ist nicht immer dieselbe. Ein Überblick.

Archiv: Teilnehmer einer Demonstration der Gelbwesten am 15.12.2018 in München
Bezahlbare Mieten forderten Demonstranten in gelben Westen im Dezember in München.
Quelle: dpa

Frankreich

Von Frankreich ging alles aus. Seit Wochen demonstrieren teilweise Hunderttausende Franzosen in gelben Westen gegen die Sozial- und Reformpolitik von Präsident Emmanuel Macron. Auslöser war die Erhöhung der Kraftstoffpreise im Land. Vor allem in der Hauptstadt Paris kam es teilweise zu schweren Ausschreitungen, Tausende - Demonstranten wie Polizisten - wurden verletzt, mehr als 1.700 Menschen festgenommen. Auch nachdem Macron milliardenschwere Zugeständnisse gemacht hatte, gab es immer wieder Demonstrationen. Diesen Samstag gingen allein in Paris mehr als 10.000 Menschen in einem "großen Marsch für die Verletzten" auf die Straße. Ihr Protest richtete sich vor allem gegen Polizeigewalt.

Archiv: Ausschreitungen bei einer Demonstration der Gelbwesten am 02.02.2019 in Paris
Bei einem Protest gegen Polizeigewalt in Paris kam es wieder zu Ausschreitungen.
Quelle: dpa

Belgien

Als die Bewegung Ende November Fahrt aufnahm, schwappte sie auch ins Nachbarland Belgien über. Neben einer Autobahnblockade, die sich auch gegen die Erhöhung der Spritpreise richtete, verlagerten sich die Proteste dort auch ins Europaviertel nach Brüssel und richteten sich gegen die Politik der Europäischen Union. Bei den Protesten in Belgien kam ein Teilnehmer einer Demonstration ums Leben.

Niederlande

Gegen die Politik der Europäischen Union richten sich auch die "Gelbwesten"-Proteste in den Niederlanden. Dort haben an diesem Samstag wieder rund 800 Demonstranten in Maastricht einen Austritt aus der EU gefordert und gegen Ministerpräsident Mark Rutte protestiert. Im Länderdreieck zwischen Belgien, Deutschland und den Niederlanden finden seit Anfang Dezember jeden Samstag regelmäßig Proteste statt.

Nach Angaben der niederländischen Nachrichtenagentur ANP haben die Organisatoren Maastricht für ihren als international deklarierten "Gelbwesten"-Marsch ausgewählt, weil dort 1992 der Vertrag zur Schaffung einer europäischen Wirtschafts- und Währungsunion unterzeichnet worden war - die Grundlage für die spätere Einführung des Euro.

Deutschland

Auch hierzulande gehen inzwischen Menschen in gelben Westen auf die Straße – mit unterschiedlichen Anliegen. Doch wer sind die Demonstranten und was fordern sie?

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In Deutschland ist die Bewegung nicht einheitlich und hat unterschiedliche Erwartungen an die Politik. Seit Anfang Januar organisiert der Porsche-Mitarbeiter Ioannis Sakkaros Demonstrationen gegen Diesel-Fahrverbote in Stuttgart. Zunächst kamen 250 Menschen, vergangenen Samstag schon 1.200. Der 26-Jährige rechnet für die nächsten Kundgebungen mit massivem Zulauf und mit dem Anwachsen einer überregionalen Protestbewegung auf deutschen Straßen. Auch in anderen deutschen Städten wie Erfurt und München seien Demos bereits in Planung, sagte Sakkaros der Deutschen Presse-Agentur. Gegen eine Vereinnahmung von Parteien wehrt er sich, er will seinen Protest als Bürgerbewegung verstehen.

Um bezahlbare Mieten ging es indes bei einem "Gelbwesten"-Protest in München.

AfD-nahe Demonstranten benutzen ebenfalls gelbe Westen, um beispielsweise in Berlin gegen die Politik der Bundesregierung und deren Flüchtlingspolitik zu demonstrieren. Wöchentlich findet hier eine "Gelbwesten"-Demonstration mit dem Motto "Merkel muss weg" vor dem Kanzleramt statt. Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland blickt wohlwollend auf die Bewegung und unterstützt ihre inhaltlichen Positionen.

Auch die Linke um Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch lobten die von Frankreich ausgehende "Gelbwesten-Bewegung". Für ihre Sammlungsbewegung "Aufstehen" zeigte sich die Co-Vorsitzende der Partei in gelber Weste und solidarisierte sich mit den Demonstranten.

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