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Europawahl in Großbritannien - Schlimmer geht immer

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Nigel Farage, das Schreckgespenst der britischen Politik, kehrt mit Wucht zurück. Und hat noch mehr Probleme in Sachen Brexit im Gepäck. Ein Kommentar von ZDF-Korrespondent Stamm.

Autorenbild Andreas Stamm - Brexit - Nigel Farage
Andreas Stamm sieht keine Heilung in Sicht für die Wunden, die das Brexit-Referendum gerissen hat.
Quelle: ZDF/AP

Die Brexit-Partei ist der Wahlsieger. Ein Drittel derer, die an die Urne gegangen sind sagen "Ja" zum Brexit. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ohne Abkommen mit der EU. Sofort.

Die Partei existiert erst seit ein paar Wochen, dahinter steht Alt-EU-Feind Nigel Farage, der den Briten schon das Brexit-Referendum 2016 maßgeblich eingebrockt hat. Also, klarer Sieg, raus am 31. Oktober. Aber nein, das Anti-Brexit-Lager gewinnt ebenfalls ordentlich, wenn auch zersplittert in mehrere Parteien. Gleichstand gleich Stillstand, schon wieder.

To deal or not to deal?

Farage hat die regierenden Konservativen in dieser Wahl vernichtet und keiner, der nun als Nachfolger für Theresa May ernstgenommen werden will, kommt daran vorbei: Muskeln spielen lassen, aufplustern. Frei nach dem Motto: Wir verlassen die EU am 31. Oktober, mit oder ohne Abkommen. Punkt. Basta.

Allerdings hat die parlamentarische Mehrheit einen No-Deal-Brexit mehrmals ausgeschlossen. Und die Drohung, dem Neuen an die Spitze per Misstrauensvotum die kürzeste Amtszeit der Geschichte zu bescheren, könnte wirken.

Kein Brexit trotz Brexit-Partei? Typisch Brexit!

Dann also Neuwahlen, irgendwas muss ja passieren. Das darf eigentlich kein Konservativer nach diesem Desaster wagen. Denn die Brexit-Partei könnte die Konservativen nochmal vernichten und zur Regierungspartei außer Dienst machen. Und sie könnte Jeremy Corbyn, den Albtraum schweißgebadeter Konservativer, zum Premier machen.

Die Wischi-Waschi-Brexit-Partei Labour, die zweite große Volkspartei, die nicht weiß was sie will, mag bei Neuwahlen vielleicht keine absolute Mehrheit erringen oder alleine regieren können. Aber vielleicht ginge es in einer Koalition mit den schottischen Nationalisten. Doch um welchen Preis? Ein zweites Unabhängigkeitsreferendum, ein mögliches Ende des Vereinigten Königreichs? Oder lieber mit den Liberal-Demokraten? Hier müsste man sich allerdings wahrscheinlich auf die Zustimmung zu einem zweiten Brexit-Referendum einlassen. Also zurück auf Los, Ausgang ungewiss?

Die Hölle auf Erden, kein Mythos mehr

Dann vielleicht kein Brexit, noch mehr "Betrug, Verrat und Lügen"-Rufe. Das Land noch tiefer gespalten, noch mehr Farage, und keine Heilung in Sicht für die Wunden, die das Referendum gerissen hat.

Donald Tusk, der scheidende EU-Ratspräsident, hat mal lakonisch gefragt, ob es nicht einen speziellen Patz in der Hölle gebe: Für die, die den Brexit vorangetrieben haben, ohne auch nur einen Funken Plan zu haben, wie er aussehen soll. Die Frage scheint beantwortet: Ja, den gibt es, die politische Hölle auf Erden, Brexit-Britannien. Aus der es kein Entrinnen zu geben scheint.

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