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Serie Europeans' Corner - Römer wünschen sich mehr EU-Gefühl

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Mit der Europa-Ecke sind wir in Rom, wo 1957 der Grundstein für die spätere Europäische Union gelegt wurde. Wie ist dort die Meinung zur EU und die gewaltigen Fortschritte seitdem?

Rom ist ein Schicksalsort der EU: Hier wurde nach der kriegerischen ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts erstmals ein Friedensbündnis aus europäischen Staaten geschlossen - die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Dabei waren Frankreich, die Benelux-Staaten Niederlande, Belgien und Luxemburg, Deutschland und Italien.

Italien gehört zu den Gründungsländern der heutigen Europäischen Union - darauf beziehen sich viele junge Italiener, um Kritik an der heutigen Situation Italiens innerhalb der EU zu üben: "Leider fühlen sich die meisten Leute hier, insbesondere die Älteren, nicht wirklich europäisch", sagt Martina Barone. "Sie fühlen, dass die EU sehr weit weg und anders ist als wir, und das finde ich sehr traurig. Wir haben die Europäische Union mitbegründet und dass sich die Leute jetzt in Italien so fühlen, finde ich wirklich traurig."

Unglücklich mit der italienischen Regierung

Die große Kritik, die wir immer wieder zu hören bekommen: Kaum jemand ist glücklich mit der italienischen Regierung. Nach Schwierigkeiten der Regierungsbildung wird Italien aus einem Bündnis der populistischen Parteien "Cinque Stelle" und "Lega" regiert - eine Regierung, die bei vielen jungen Römern zu Politikverdrossenheit führt. Sie fühlen sich nicht repräsentiert von der Regierung und vertrauen tun sie ihr erst Recht nicht.

Die Arbeitslosigkeit unter jungen Italienern ist sehr groß - auch Luca Gabriele hat keinen Job. Dafür macht er nicht die Sparauflagen der EU verantwortlich, sondern alleine die italienische Regierung. "Seit einer Weile verfolge ich das politische Leben hier nicht mehr. Ich bin einfach nicht mehr interessiert, da ich mich überhaupt nicht repräsentiert fühle. Es ist so, als ob ich in die eine Richtung gehe - und Italien in die entgegengesetzte."

Rom - Europeans Corner: Luca Gabriele
Luca Gabriele
Quelle: ZDF

Auch Martina sieht in der Europäischen Union eher eine Chance, das Problem der Arbeitslosigkeit zu lösen: "Die EU gibt uns Möglichkeiten, die uns Italien nicht geben könnte. Und das wollen sie uns wegnehmen, das macht mich so sauer!" Ambra Franceschetti sieht die Lösung ebenfalls eher innerhalb der EU: "Dank der Europäischen Union ist es möglich, einfach in ein anderes Land zu gehen und dort zu arbeiten - das ist wirklich toll!"

Rom - Europeans Corner: Ambra Franceschetti
Ambra Franceschetti
Quelle: ZDF

"Das Problem sind nicht die Immigranten"

Darüber sind die meisten jungen Leute verärgert: Sie haben das Gefühl, dass Italien ihnen die enge Beziehung zur Europäischen Union nimmt. Viele fühlen sich hier nicht als Teil der Gemeinschaft, weil sie sich "im Stiefel" so weit weg von dem Staatenbund fühlen. "Wir sind nicht wirklich Teil der EU!", so Luca. "Ich glaube, Italien hat mal versucht ihr zu folgen. Aber mittlerweile sind wir völlig abgehängt von ihnen. In Italien muss sich diesbezüglich die Denkweise ändern."

Auch in Sachen Migrationspolitik sind sie nicht glücklich mit ihrer Regierung, einige klagen gar über eine "rassistische Regierung". Für Luca liegt das Problem eher bei der Haltung der Italiener als bei den ankommenden Migranten: "Das Problem sind nicht die Immigranten, das Problem sind die Leute hier. Sie sind nicht vorbereitet, nicht tolerant, nicht bereit zu integrieren!"

Veränderung und mehr EU-Gefühl gewünscht

Insgesamt sind die jungen Italiener unglücklich über den Weg, den ihr Land gegangen ist: vom Gründungsmitglied der Europäischen Union - und sogar Vorreiter in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft - zu einem, wie sie fühlen, beinahe isolierten Land. Sie wünschen sich Veränderung und mehr EU-Gefühl. Wenn sich das nicht ändert, drohen einige junge Italiener sogar damit, ihr Land zu verlassen.

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