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Serie Europeans' Corner - In Schengen will man keine neuen Grenzen

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Mit unserer Europa-Ecke sind wir im luxemburgischen Schengen. Dort, wo die Grenzenlosigkeit innerhalb Europas ihren Anfang nahm. Was bedeutet das Abkommen für die Schengener?

Ein Podium für Menschen in Europa, die etwas zu sagen haben: Das bietet die Europeans' Corner. Heute berichtet Greta Buschhaus aus Schengen.

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1 min
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Die Gemeinde Schengen steht symbolisch für den Inhalt ihres gleichnamigen Abkommens: Mitten im Dreiländereck gelegen trennt nur eine Brücke die luxemburgische Stadt von Deutschland und Frankreich. Getankt wird in Luxemburg, in den Supermarkt geht man in Deutschland und in Frankreich ins Restaurant. So gibt es in Schengen nur einen Supermarkt, in der gegenüberliegenden deutschen Gemeinde Perl gleich sieben. Grenzen können sich die Bürger Schengens gar nicht mehr vorstellen, erzählen sie uns auf unserer Europeans Corner. "Ein Leben mit Grenzen kann ich mir heutzutage gar nicht mehr vorstellen. Ich hoffe einfach, dass es so bleibt!", sagt Sofia Pereira.

Von allen Abkommen und Verträgen der Europäischen Union ist das Schengener Abkommen wohl das greifbarste - und eines, das die EU-Zugehörigkeit maßgeblich gestärkt hat. Die Europäer unternehmen jedes Jahr rund 1,25 Milliarden Reisen innerhalb des Schengen-Raums. Während unserer Europeans' Corner-Reise über den Kontinent wird die Grenzenlosigkeit innerhalb der EU immer wieder als größter Vorteil Europas genannt. Die jungen Europäer schwärmen von dem Luxus, in ganz Europa problemlos studieren und Freunde haben zu können, die man ohne große Hürden besuchen kann.

Stolz auf europäische Identität

Sophia Pereira
Sofia Pereira
Quelle: ZDF

Jeder, der sich auf unsere Europeans' Corner setzt, erzählt uns seine persönliche Europa-Geschichte. Marco Goetz, der in der Touristeninfo in Schengen arbeitet, hat eine italienische Frau geheiratet, die er in München kennengelernt hat. Für ihn gelebtes Schengen. Sofia Pereira ist Luxemburgerin mit portugiesischen Wurzeln und hat in Belgien studiert. Sie ist sich selbst Beweis genug: "Mehr europäisch geht nicht."

Die Luxemburger sind stolz auf ihre europäische Identität - und dass ein so wichtiger Meilenstein in ihrer winzigen Grenzstadt Schengen beschlossen wurde. 1985 haben dort fünf EU-Mitgliedstaaten - Deutschland, Frankreich und die Beneluxstaaten Niederlande, Belgien und Luxemburg - beschlossen, die Kontrollen an ihren Binnengrenzen abzuschaffen. Der Start von etwas ganz Großem: Mittlerweile sind 26 Länder teil des Schengen-Raums, darunter auch Nicht-EU-Länder wie Norwegen oder die Schweiz.

Schengener wollen ihre Freiheit behalten

Loris Meyer
Loris Meyer
Quelle: ZDF

Allerdings gibt es auch EU-Mitgliedstaaten, die sich dem Schengen-Raum nicht angeschlossen haben. Genau das kritisiert der junge luxemburgische Politiker Loris Meyer (Jonk Demokraten): "Wir haben eine Diskrepanz zwischen dem, was wir als Europäische Union verstehen, und dem, was Schengen ist. Schengen besteht eigentlich aus Ländern, die sich zusammengesetzt haben und entschieden haben, sich zu vertrauen und einen Binnenmarkt von freier Bewegung unterzeichnet haben. Und dieses Vertrauen sind einige Mitgliedstaaten nicht bereit, den anderen zuzugestehen."

Auf der Europeans' Corner lehnen viele Schengener eine Reform mit dem Ziel, den Schengenraum zu verkleinern, ab. Ihnen geht es um Wahrung der Freiheit, die sie haben. Der Platz vor dem Europäischen Museum in Schengen ist dafür oft Schauplatz politischer Aktionen. "Don’t touch my Schengen", heißt beispielsweise eine dieser Aktionen - gemeinsam veranstaltet von den Jungen Liberalen Deutschlands und Luxemburgs. Im Gespräch mit Loris Meyer, Mitveranstalter und Europakandiat der Jonk Demokraten Luxemburgs, wird klar: Für ihn funktioniert die Freizügigkeit innerhalb des Schengen-Raums nur dann, wenn es sichere Außengrenzen gibt: "Die Außengrenzen sind, glaube ich, heute eine Voraussetzung, damit wir Schengen wieder als Motto von der Integration haben können."

Europeans' Corner - Aktion Schengen
Aktion der Jungen Liberalen Deutschlands und Luxemburgs
Quelle: ZDF

Außengrenzen wichtig

Eine Meinung, die viele hier teilen. Auch Sofia Pereira empfindet die Außengrenzen als notwendig für Europa: "Ich würde sagen, dass diese Leichtigkeit, hier über die Grenzen zu gehen, dadurch besteht, dass es auch diese Außengrenzen gibt." Schengen soll so bleiben, wie es ist. Da sind sich die Luxemburger, mit denen wir sprechen, einig. Wenn etwas verändert werden sollte, dann ist es wohl eher das Dubliner Abkommen zur innereuropäischen Verteilung von Asylsuchenden oder die Sicherungen der Außengrenzen. Die Freizügigkeit innerhalb Europas aber wollen sie hier mit aller Kraft wahren.

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