Visegrad: Ungarn hoffen auf Veränderung

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Serie Europeans' Corner - Visegrad: Ungarn hoffen auf Veränderung

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Mit der Europeans' Corner sind wir in Visegrad. Die ungarische Stadt ist Namensgeber für ein Bündnis aus vier Oststaaten Europas, die 2004 der EU beigetreten sind.

Ungarn, Polen, Tschechien und die Slowakei bilden die Visegrad-Gruppe. Schon 1335 trafen sich in der ungarischen Stadt ungarische, böhmische und polnische Könige zu wirtschaftlichen Verhandlungen. Über 600 Jahre später dann formten in der gleichen Stadt die "Gründerstaaten" der Visegrad-Gruppe ein loses Bündnis - um gemeinsame wirtschaftliche und politische Interessen zu koordinieren und auch nach außen ein größeres, politisches Gewicht darstellen zu können, auch innerhalb der EU. 

Während in Ungarn 2003 noch ein Großteil der Bevölkerung für den EU-Beitritt stimmte, stehen ihr heute viele kritisch gegenüber. Die Regierung Ungarns ist strikt gegen Vorschläge der EU, was die Verteilung von Geflüchteten angeht, und baute Zäune an den Grenzen zu Serbien und Kroatien. Regierungschef Viktor Orban will nicht, dass Ungarn ein "Einwanderungsland" wird.

Geteilte Meinungen in Bezug auf Regierung

Abigél Balàzsi
Abigél Balàzsi
Quelle: ZDF

Auf unserem Europaschemel im Gespräch mit jungen Ungarn sind die Meinungen darüber sehr geteilt: "Wir wollen verschiedene Kulturen hier, wir wollen verschiedene Perspektiven, wir wollen Veränderung hier!", sagt Abigél Balàzsi. István Nyíri sagt dagegen: "Ich glaube, dass einzige, was die ungarische Regierung gut macht, ist ihre Einwanderungspolitik. Ich möchte nicht, dass Ungarn so wird wie Paris - oder ein Großteil von Deutschland. Wenn hier viele Geflüchtete wären, würde ich mich nicht sicher fühlen. Ich würde mich bedroht fühlen."

István Nyiri
István Nyiri
Quelle: ZDF

Die Befürchtungen István Nyíris werden verstärkt von Plakat-Kampagnen der ungarischen Regierung Ungarn. Dort warnen sie vor Migranten. "Ich bin mit dem Bus vom Flughafen gekommen und alles, was man sieht, sind diese Plakatwände, auf denen 'Flüchtlinge sollen draußen bleiben' geschrieben steht", so Rèka Mohos. "Und ich bin damit gar nicht einverstanden. Ich glaube auch nicht, dass die meisten jungen Leute hier damit einverstanden sind."

Réka Mohos
Réka Mohos
Quelle: ZDF

Nicht alle trauen sich, ihren Namen zu nennen

Insgesamt sprechen auf unserer Europeans' Corner viele junge Leute begeistert über die EU. Das, was sie stört, ist eher die Distanz ihrer Regierung zu dem Staatenbündnis. In den letzten Jahren hatte Ungarn nicht nur einige EU-Hetzkampagnen durchgeführt, sondern auch den Rechtsstaat umgebaut, so dass die Medien- und Pressefreiheit mittlerweile deutlich eingeschränkt ist. Das bemängeln viele junge Ungarn, mit denen wir sprechen. Es führt letztlich auch dazu, dass einige sich nicht trauen, uns ihren vollen Namen zu nennen. Sie fürchten Nachteile bei der Vergabe von Studienplätzen oder Jobs.

Deshalb geben sie uns Spitz- oder Vornamen, um ihre Kritik an Ungarn zu äußern. So wie Eszter: "Wenn ich mit anderen Europäern rede und sage, dass ich Ungarin bin, glauben sie, dass ich komplett mit dem einverstanden bin, was die Politiker hier sagen. Das stimmt überhaupt nicht! 99 Prozent dessen, was sie sagen, passt mir nicht. Und dann ist es mir manchmal peinlich, Ungarin zu sein. "

Eszter
Eszter
Quelle: ZDF

Mit der Rolle Ungarns innerhalb der Europäischen Union sind viele junge Ungarn hier, mit denen wir sprechen, nicht zufrieden. Wenn sie wählen gehen, hoffen sie auf Veränderung.

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