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European Safe Bonds - Geld aus dem "Sektbrunnen"

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Banken in der Eurozone halten meist eine Menge Staatsanleihen ihrer jeweiligen Länder. Das gilt als Sicherheitsrisiko. Die EU will dagegen vorgehen. Wie funktioniert ihr Konzept?

Gemeinschaftshaftung durch die Hintertür oder innovatives Konzept für die Eurozone? Markus Brunnermeier im Interview.

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Für 2,6 Billionen Euro hat die Europäische Zentralbank (EZB) in den letzten drei Jahren Staats- und Unternehmensanleihen gekauft - gerne solche, die als Ladenhüter gelten. Wenn die EZB aus dem Anleihenkauf aussteigt, muss eine Alternative her. Die EU-Kommission verkauft sie als ganz große Hoffnung: European Safe Bonds - kurz ESBies (alternativ auch Sovereign bond-backed securities - SBBS - genannt). Mit diesem Finanzprodukt sollen Anlagerisiken besser gestreut werden können. Was zu mehr Stabilität bei den Banken und im Finanzsystem führen soll.

Im Interview mit dem ZDF erklärt Professor Markus Brunnermeier, der mit einer internationalen Arbeitsgruppe die ESBies entwickelt hat, wie das Konzept funktioniert. Eine Schuldenagentur bündelt Staatsanleihen verschiedener Euroländer in einem Fonds. "Die verschiedenen Staatsanleihen werden bis zu einem maximalen Anteil von 60 Prozent zum Marktpreis von diesem Fonds aufgekauft. Die deutschen Staatspapiere werden zu einem höheren Preis aufgekauft als Papiere anderer Staaten. Dann wird der gebündelte Fonds in einem Senior Bond, den European Safe Bond (ESBies), und in einen Junior Bond tranchiert", erklärt Brunnermeier.

Das kann man sich laut Brunnermeier am besten "wie einen Sektbrunnen vorstellen". Werden Gewinne ausgeschüttet, wird als erstes das oberste Glas, die European Senior Bonds, aufgefüllt. Erst wenn dieses voll ist und überläuft, schwappen die Gelder auch in die zweite Lage, die European Junior Bonds. Käme es zu Ausfällen – etwa durch einen Staatsbankrott – verspielt sich das innerhalb des Fonds. Im Zweifel fließen dann einfach keine Gelder mehr in die untere Sektglasreihe, wie Brunnermeier im Video erklärt.

Gemeinschaftshaftung durch die Hintertür

Doch genau da sehen Kritiker im Krisenfall ein Riesenproblem. Was ist, wenn die Ausfälle bei den risikoreicheren Staatsanleihen so groß sind, dass sogar die vermeintlich sichere erste Sektglasreihe davon betroffen ist? Der Wirtschaftsexperte Hans-Werner Sinn sagt, in diesem Fall haften alle Anleger gemeinsam. "Das sind Eurobonds durch die Hintertür. Und sonst gar nichts."

Ein weiteres Problem: Wer genau sind die Anleger? In die sichere Tranche, die European Senior Bonds, sollen vor allem Banken investieren. An den European Junior Bonds haftet zwar ein größeres Risiko, dafür sind die Gewinnchancen hier auch größer. Das soll sie für Hedgefonds und andere Privatanleger interessant machen. Aber: Wie hoch müssen die Renditen ausfallen, um die Junior Bonds trotz aller Risiken schmackhaft zu machen? Und wer übernimmt die Anteile, wenn sich keine Käufer am Markt finden?

Es sind noch viele Fragen offen. Ob sich die Staaten der Eurozone auf ihrem Treffen parallel zum EU-Gipfel auf eine Lösung einigen können, wird sich zeigen.

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