Sie sind hier:

Evangelischer Kirchentag - Dortmund wird langsam grün

Datum:

Heute startet der Kirchentag in Dortmund. 100.000 Leute werden erwartet. Was haben die Dortmunder schon davon mitbekommen? Ein Streifzug durch die Stadt vor Veranstaltungsbeginn.

Dortmund: "Was für ein Vertrauen", das Motto des Evangelischen Kirchentages 2019, ist auf den sogenannten "Fliegenden Bildern" an der Dachkrone des Dortmunder U zu lesen
"Was für ein Vertrauen": Das Motto des Evangelischen Kirchentages 2019 auf den "Fliegenden Bildern" an der Dachkrone des Dortmunder U
Quelle: dpa

Wer aus dem Haupteingang des Dortmunder Bahnhofs kommt, sieht zuerst das DFB-Fußballmuseum. Ein großer, moderner, grauer Klotz. Es wirkt fast zu modern an diesem Platz, aber es ist eine gute Werbefläche. Hoch überm Eingang läuft gerade grüne Schrift über den eingebauten Bildschirm: "Was für ein Vertrauen", steht da. Auch eine Posterwand ist aufgestellt: "Dortmund. Freu dich drauf!" Wer das Kleingedruckte liest, weiß, dass das Werbung für den Evangelischen Kirchentag ist, der an diesem langen Wochenende in Dortmund stattfindet. Aber wie reagieren die Dortmunder auf so ein Event?

100.000 Gäste werden erwartet, 4.000 Helfer sind im Einsatz

"Noch haben uns nicht viele angesprochen", erzählt Manuel Hövelmann. Er richtet auf dem Vorplatz des Fußballmuseums gerade das Servicehaus für die Kirchentagsbesucher ein. Hier kriegen sie Tickets, Stadtpläne oder Souvenirs: Kerzen, Schals und Bibeln als Schlüsselanhänger. Alles in Kirchentagsgrün.

Trotz Massenandrang beim Kirchentag - die Anzahl der Kirchenmitglieder schrumpft. Wir haben eine Pfarrerin begleitet, die versucht, die Menschen für die Kirche zu begeistern.

Beitragslänge:
4 min
Datum:

Das Grün steht Dortmund gut, findet Manuel Hövelmann. Er ist hauptamtlicher Helfer beim Teilnehmendenservice. Die gläserne Service-Hütte, deren Türen er gerade putzt, soll die erste Anlaufstelle für die Kirchentagsbesucher sein. Hier arbeiten vor allem Helfer, die sich in der Stadt auskennen. "Wir haben sie zum Kirchentag gebrieft und sie bringen ihr Wissen über die Stadt ein", erklärt Abteilungsleiterin Claudia Hill. Sie hat in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht: "Der Kirchentag ist ein erklärungswürdiges Produkt". Nicht jeder versteht es sofort, aber die Leute seien in der Regel immer neugierig.

Neben dem Glashaus steht ein Fahrrad mit grüner Transportbox. Von denen werden mehrere in der Stadt rumfahren, um die Helfer zu erreichen. 4.000 Helfer sind für den Kirchentag im Einsatz und mindestens noch mal so viele unterstützen die Besucher zum Beispiel in den Unterkünften.

Eine Messehalle ist für die Besucher des Evangelischen Kirchentages mit unzähligen Papphockern bestuhlt
Ein großes Thema beim 37. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Dortmund wird auch der Klimaschutz sein.
Quelle: dpa

Ein "Pavillon der guten Nachrichten"

Einen Platz weiter hält Isik Lokman sein Smartphone hoch und macht ein Foto. Alle, die hier vorbeigehen, werden kurz langsamer, denn hier wird gerade ein riesiges Holzgerüst aufgebaut. Es ist zu einer halben Kugel gebogen. Das wird das Zeltdach des "Pavillon der guten Nachrichten".  In diesem Pavillon sollen während des Kirchentags gute Nachrichten gesammelt und verbreitet werden.

Ute Engel aus Fulda ist begeistert, es endlich in live zu sehen. Sie war an den Planungen beteiligt. Jetzt steht sie, einen Stadtplan in der Hand, vor dem fertigen Gerüst und guckt durch die runde Sonnenbrille sehr froh auf das Ergebnis. Ute Engel ist evangelische Pfarrerin und Referentin im Generalvikariat. Was sie über die Dortmunder denkt: "Ich denke, sie sind nicht super fromm, aber schon aufgeweckt."

Christliches Fest in Stadt mit vielen Muslimen

Isik Lokman, der sein Smartphone mit dem Foto vom Pavillongerüst wieder in die Tasche steckt, ist Muslim. Viele Menschen in Dortmund sind muslimisch – vor allem auf der anderen Seite des Bahnhofs, in der Dortmunder Nordstadt. Genau in diesem Stadtteil wird das Kinder- und Jugendprogramm des Kirchentags stattfinden.

Isik Lokman findet so ein großes christliches Fest in Dortmund "schön, aber es ist wichtig, dass keiner dabei ausgeschlossen wird und unsere Feste genauso angenommen werden." Im Programm des Kirchentags spielen solche Dialoge in diesem Jahr eine große Rolle. An prominenten Gästen werden neben Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier zum Beispiel Josef Schuster vom Zentralrat der Juden und Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime in Dortmund erwartet.

Kirchenwald und Paradiesgarten

Es duftet nach Tannennadeln und frischem Moos. In der Kirche St. Petri mitten in der Dortmunder Fußgängerzone wurde ein Wald installiert. Er füllt die Hälfte des Kirchenschiffs. Der frische Duft zieht in die Nase und die Ohren werden gefüllt vom Klang der Orgel, an der Charles Kazaku gerade übt.

In der Kirche St. Petri mitten in der Dortmunder Fußgängerzone wurde ein Wald installiert.
In der Kirche St. Petri mitten in der Dortmunder Fußgängerzone wurde ein Wald installiert.
Quelle: Marie Eickhoff

Er ist Musiklehrer und extra zum Kirchentag aus Simbabwe angereist. Sowas wie hier, hat er noch nie erlebt. Die Akustik hat sich in der Kirche durch die Bäume völlig verändert. Diese Kirche ist eine besonderer Ruheplatz, während direkt vor der Tür der Foodtruck von "Wurst Willi" steht, der an dieser Stelle in der Innenstadt immer Currywurst und Pommes verkauft.

Bierchen – das gehört zum Feierabend in Dortmund dazu. Vor einem Brunnen am Hansaplatz sitzen gerade drei Kumpels auf einer Mauer und baumeln mit den Füßen. Vom Kirchentag haben sie noch nicht viel mitgekriegt, obwohl sie aus der Region kommen. Sie vermuten, dass dadurch bestimmt auch viele junge Leute nach Dortmund kommen.

EKD-Ratspräsident Bedford-Strohm meint, es sei bedeutend, dass junge Menschen „Kirche als ihre Heimat entdecken“. Viele junge Menschen werden zum Kirchentag kommen, die evangelische Kirche müsse sich für Themen einsetzen, die junge Menschen bewegen.

Beitragslänge:
5 min
Datum:

Paradiesgarten neben Imbissbude

Vor der Reinoldikirche wurde ein "Paradiesgarten" aufgebaut. Niklas Linke steht mit seinen Kollegen davor. Sie arbeiten im Gartenbau für die Stadt Dortmund. "Wir haben alle Urlaubssperre", berichten sie, weil alle Mitarbeiter der Stadt während des Kirchentags im Einsatz sind. Sie haben die Grünflächen in der Stadt in den letzten Tagen auf Schuss gebracht.

"Das ist schon schön, aber könnte immer so sein", findet Niklas Linke. Von seinen Freunden haben einige was vom Kirchentag mitbekommen, "aber ich glaube nicht, dass jemand hingeht. Alleine weil das Wort 'Kirche' drinsteckt." Neben dem "Garten Eden" der Reinoldikirche ist ein Asiaimbiss. Kirchentag? "Nee, habe ich kein Interesse dran", sagt der Mann, der dort gerade Hühnchen mit Reis und Erdnusssoße isst, und isst weiter.

"Komm, setz dich!" Es sieht aus, als wolle Pino Napolitano das sagen, als er mit der flachen Hand auf den Platz neben sich klopft. Er sitzt auf einer knallgrünen Gartenbank, im Rücken Brunnengeplätscher, vor ihm eine von Dortmunds größten Innenstadt-Fußballkneipen. 230 von diesen grünen Bänken wurden zum Kirchentag in der Stadt verteilt. Pino Napolitano hat davon noch nichts gehört. Er kommt aus der Nähe von Neapel, aber er findet die Kontraste in Dortmund super. Im Italienischen beschreiben Kontraste die Vielfältigkeit der Stadt. Ein großes christliches Fest in der Stadt, sieht er als Gewinn. "Wenn sich Religionen und Kulturen treffen, hilft das sehr dabei, dass sich eine Stadt entwickelt."

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um Ihnen ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier können Sie mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, können Sie jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigen Sie Ihr Ausweisdokument.

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.