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Ex-Außenminister warnt vor Isolierung - Gabriel: Türkei könnte nach Atombombe greifen

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Soll man der wirtschaftlich angeschlagenen Türkei unter die Arme greifen? Ja, findet Ex-Außenminister Gabriel. Er fürchtet, dass eine isolierte Türkei sich atomar bewaffnen könnte.

Sigmar Gabriel am 3.7.2018 in Berlin
Sigmar Gabriel wirft den USA vor, die Türkei "über die Klippe" schieben zu wollen. Quelle: dpa

Die Türkei-Krise birgt nach Einschätzung des früheren Außenministers Sigmar Gabriel gravierende sicherheitspolitische Risiken für Deutschland und Europa. "Wir müssen im eigenen Interesse alles tun, um die Türkei im Westen zu halten", sagte der SPD-Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Sonst drohe langfristig sogar die atomare Bewaffnung einer politisch isolierten Türkei.

Gabriel: Europa bezahlt den Preis, wenn Türkei ins Wanken gerät

Deutschland und Europa müssten das klare Signal geben, dass sie nicht mitmachen bei der von US-Präsident Donald Trump betriebenen wirtschaftlichen Destabilisierung der Türkei. "Die USA tun jetzt etwas, was man nach meiner Meinung unter NATO-Partnern nicht tun darf: Sie wenden Sanktionen an und versuchen, ein ohnehin wirtschaftlich angeschlagenes Land über die Klippe zu schieben." Während die USA "weit weg" seien, bezahle aber "Europa den Preis, wenn die Türkei ins Wanken gerät", warnte Gabriel. Als Folge drohten auch Europa "wirtschaftliche Turbulenzen und ein Anstieg des Zuwanderungs- und Flüchtlingsdrucks aus der Türkei".

Zudem nehme die Gefahr einer Abspaltung der Türkei von der NATO zu. Ein Zeichen "für das Abdriften Ankaras in eine ungewisse Richtung" seien bereits die milliardenschweren neuen Investitionszusagen aus Katar. Auch der Kauf russischer Raketenabwehrsysteme durch die Türkei sei "ein Alarmzeichen". Gabriel warnte, "nationalistische Kräfte" in der Türkei könnten "wie in Iran und Nordkorea nach der Atombombe greifen, um sich unangreifbar zu machen".

Die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles hatte zuvor deutsche Hilfe für die Türkei ins Gespräch gebracht. "Es kann die Situation entstehen, in der Deutschland der Türkei helfen muss - unabhängig von den politischen Auseinandersetzungen mit Präsident (Recep Tayyip) Erdogan", sagte sie den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Die Türkei ist ein NATO-Partner, der uns nicht egal sein kann. Es ist in unser aller Interesse, dass die Türkei wirtschaftlich stabil bleibt und die Währungsturbulenzen eingedämmt werden."

CDU-Außenpolitiker Hardt: Türkei-Hilfen nur bei Kurswechsel

Finanzielle Hilfen für die wirtschaftlich angeschlagene Türkei kommen aus Sicht des CDU-Außenpolitikers Jürgen Hardt aber nur bei einem Kurswechsel der Regierung in Ankara in Frage. "Die Ursache für die Wirtschafts- und Währungskrise in der Türkei sind die fahrlässigen Äußerungen von Präsident Erdogan mit Blick auf die Unabhängigkeit der Zentralbank und die Rechtsstaatlichkeit", sagte Hardt der "Rheinischen Post".

Sollte Staatspräsident Erdogan diese Haltung nicht grundsätzlich ändern, wären Wirtschaftshilfen vergeudetes Geld. "Wenn die türkische Regierung allerdings umschwenken würde, könnte man über Hilfen nachdenken", sagte der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion. "Wir haben ein Interesse an einer starken Türkei - aus politischen und ökonomischen Gründen." Der Schlüssel zur Lösung der Probleme liege in den Händen Erdogans, sagte Hardt auch der "Passauer Neuen Presse".

FDP-Außenpolitiker Lambsdorff: Nahles-Vorstoß "naiv"

"Die selbst verschuldete Krise der Türkei ist viel zu groß, als dass Deutschland allein sie beenden könnte", gab der FDP-Außenpolitiker Alexander Graf Lambsdorff zu bedenken. "Die Bundesregierung sollte Ankara stattdessen überzeugen, ein Hilfsprogramm des Internationalen Währungsfonds zu akzeptieren", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". In der "Welt" nannte er den Nahles-Vorstoß "naiv und deplatziert".

Mit Wirtschaftshilfen stabilisiere man nicht das globale Finanzsystem, sondern nur das System Erdogan. "Das kann angesichts der Lage der deutschen Gefangenen (in der Türkei) nicht das Ziel sein."

Grünen-Außenpolitiker Nouripour: Hilfe nur unter Bedingungen

Der Grünen-Außenpolitiker Omid Nouripour hält Hilfen unter bestimmten Bedingungen für möglich: "Und die Bedingung muss die Rückkehr der Türkei zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit sein. Es geht nicht mit einer Türkei, die mit Siebenmeilenstiefeln in Richtung Diktatur läuft", sagte er der "Welt".

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt argumentierte in der "Augsburger Allgemeinen" ähnlich: "Die Türkei wird da nur wieder rauskommen, wenn die türkische Regierung ihren autoritären und immer unberechenbareren Kurs revidiert." Wer wie Erdogan politische Gegner und Journalisten ins Gefängnis sperren lasse und nichts auf Meinungsfreiheit und Menschenrechte gebe, "der verhindert selbst, dass Vertrauen in die Wirtschaft zurückkommt und eine politische Annäherung möglich ist".

Die türkische Lira steht stark unter Druck und hat in den vergangenen Monaten stetig an Wert verloren. Zusätzlich angeheizt wird die Krise durch den Streit mit den USA unter anderem um die Inhaftierung des US-Pastors Andrew Brunson. Die US-Regierung hat deswegen Strafzölle gegen türkische Produkte verhängt.

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