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Prozess gegen Ex-Pfleger - Högel wegen 85 weiterer Patientenmorde verurteilt

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Lebenslang, besondere Schwere der Schuld und Berufsverbot: Ex-Pfleger Niels Högel wurde wegen weiterer 85 Patientenmorde verurteilt. Es ist seine zweite lebenslange Haftstrafe.

Das Landgericht Oldenburg hat den Ex-Pfleger Niels Högel wegen Mordes an 85 Klinikpatienten zu lebenslanger Haft verurteilt. Hinzu kommt ein lebenslanges Berufsverbot.

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Im Prozess um die beispiellose Mordserie des früheren Krankenpflegers Niels Högel ist der 42-Jährige am Donnerstag wegen 85 weiterer Morde an Klinikpatienten zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Landgericht Oldenburg stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausschließt. Zudem wurde Högel mit einem lebenslangen Berufsverbot belegt (AZ: 5Ks 1/18).

Högel bereits zu lebenslanger Haft verurteilt

Laut Anklageschrift soll Högel zwischen 2000 und 2005 insgesamt 100 Patienten vergiftet haben: in Oldenburg 36 und in Delmenhorst 64. Er soll ihnen Medikamente verabreicht haben, die zum Herzstillstand führten, um sie anschließend reanimieren zu können und vor Kollegen als kompetenter Retter zu glänzen. Im Laufe des Prozesses räumte er 43 Morde ein. Vor drei Wochen hatte die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft in 97 Fällen gefordert. In drei Fällen sei der Angeklagte mangels ausreichender Beweise freizusprechen.

Die Verteidigung plädierte in 55 Fällen auf Mord. In 14 Fällen sah sie den Tatbestand eines versuchten Mordes erfüllt. In 31 Fällen lautete die Forderung dagegen Freispruch. Högel war schon 2015 unter anderem wegen zweifachen Mordes an Patienten zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Richter: Högels Schuld "unfassbar"

Der Vorsitzende Richter Sebastian Bührmann sagte in seiner Urteilsbegründung, bei den Taten Högels handele es sich "um etwas, was jegliche Grenzen sprengt und jeglichen Rahmen überschreitet". Högels Schuld sei "unfassbar". "Herr Högel, Ihre Taten sind unbegreiflich - es ist so viel, dass der menschliche Verstand kapituliert vor der schieren Anzahl der Taten", sagte Bührmann.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz fordert weitere Konsequenzen, unter anderem eine Kultur des Hinschauens in Krankenhäusern, erklärte Vorstand Eugen Brysch der "Neuen Osnabrücker Zeitung" vom Donnerstag. Brysch drängte zudem auf eine lückenlose, standardisierte Kontrolle der Medikamentenabgabe. Auch müsse eine amtsärztliche, qualifizierte Leichenschau verbindlich vorgeschrieben werden.

"Ich kam mir vor wie ein Buchhalter des Todes", sagte Bührmann. "Tatsache ist: Manchmal reicht die schlimmste Fantasie nicht aus, um die Wahrheit zu beschreiben." Es sei nicht gelungen, alle Antworten zu finden. "Ein Teil des Nebels, der über diesem Verfahren liegt, können wir nicht lichten. Das erfüllt uns selber auch mit einer gewissen Trauer."

Högel entschuldigte sich für Taten

Ein Gutachter hatte dem Ex-Pfleger Schuldfähigkeit attestiert, zugleich aber auffällige Persönlichkeitsstörungen festgestellt. Högel zeige Anzeichen von Störungen, diese seien aber nicht so ausgeprägt wie bei psychisch Kranken. Högel fehle es an Scham, Schuldbewusstsein, Reue und Empathie, hatte der psychiatrische Gutachter Henning Saß Ende April gesagt.

Am Mittwoch hatte Högel sich in seinem letzten Wort bei den Angehörigen seiner Opfer entschuldigt. Er sprach dabei von Reue und Scham. Es sei ihm während des Prozesses klar geworden, wie viel unendliches Leid er mit seinen "schrecklichen Taten" verursacht habe.

Patientenmörder Niels Högel - eine Chronologie

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