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Neues Abstammungsrecht - Volle Rechte für Mama, Mama, Kind?

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Zu wem gehört ein Kind? Rechtlich eine schwere Frage angesichts von Samenspendern, Leihmüttern, Regenbogen- und Patchworkfamilien. Eine Expertengruppe des Justizministeriums fordert eine Familienrechts-Reform. Vorschlag: Lesbische Paare sollen eine Mit-Mutterschaft bekommen.

Juristen sind geteilter Meinung, ob die „Ehe für alle“ mit dem Grundgesetz vereinbar sei und vor dem Bundesverfassungsgericht bestehen würde. Doch wer könnte klagen und gäbe es dafür notwendige Mehrheiten?

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Vater-Mutter-Kind als einzig denkbarer Familienfall, das war einmal. Das deutsche Familienrecht stammt jedoch aus der Vater-Mutter-Kind-Ära. Und es legt heute noch immer fest, mit wem das Kind sein Leben verbringt, von wem es Unterhalt bekommt oder wen es beerbt. Weil dieses Recht aber der bunten Welt von Elternschaftsmodellen längst nicht mehr gerecht wird, schlägt die Expertenkommission, die das Bundesjustizministerium beauftragt hat, jetzt einen völlig neuen Weg vor. Ihre Idee: Die genetische Abstammung soll zwar nach wie vor der wichtigste, aber nicht mehr der einzige Anknüpfungspunkt sein, es solle künftig eine "rechtliche Eltern-Kind-Zuordnung" geben. Und damit die Mit-Mutter.

Damit Aarons Mama II mit zum Arzt kann

Dorthe Ferber
Dorthe Ferber leitet das ZDF-Landesstudio in Düsseldorf. Quelle: zdf

Mit-Mutter, ein seltsam klingendes Wort, das jedoch Lebenswirklichkeit spiegelt. In Deutschland sind geschätzt 3.000 Kinder in gleichgeschlechtliche, meist lesbische Lebensgemeinschaften, hineingeboren worden. Es sind Kinder wie Aaron: ein Wunschkind mit seinen zwei Müttern Irina und Sabine. Irina hat Aaron mit einer Samenspende zur Welt gebracht. Nur sie hat das Sorgerecht, ihre Frau Sabine kann Aaron noch nicht mal zum Arzt begleiten. Die Experten wollen das mit der Mit-Mutter ändern: Miteinander verpartnerte, oder künftig verheiratete, Frauen würden nach ihren Vorschlägen automatisch gemeinsame Mütter der Kinder. Bislang muss die Partnerin das Kind erst adoptieren.

Der Status der Mit-Mutterschaft folgt dem Gedanken, dass Wunscheltern, die dank Reproduktionsmedizin ein Kind bekommen, ebenso Verantwortung für das Kind übernehmen sollen wie natürliche Eltern. Aber auch künftig wollen die Experten nur zwei rechtliche Elternteile zulassen. Und das können dann eben auch Mutter und Mit-Mutter sein. Zugleich wollen sie das Recht des Kindes auf Kenntnis der eigenen Abstammung stärken: Kinder, die aus Samenspenden hervorgegangen sind, haben Anspruch darauf ihren biologischen Vater zu kennen.

In diesem Fall hat der Gesetzgeber schon reagiert. Ab voraussichtlich Mitte 2018 soll es ein zentrales Samenspenderegister geben, wo Über-16-Jährige ihre Herkunft erfragen können. Der Samenspender ist dabei übrigens von allen rechtlichen Ansprüchen des Sorge-, Unterhalts- und Erbrechts freigestellt.

Leihmütterschaft bleibt ungelöst

Nur um die Regelung der rechtlich besonders heiklen Fälle von Leihmutterschaft und Eizellspende haben sich die Experten gedrückt, beides ist in Deutschland verboten. Zugleich gibt es aber hierzulande Kinder, die auf diesem Wege zur Welt gekommen sind. Gerade schwule Paare nutzen gerne das Angebot ausländischer Leihmütter. Die Anerkennung der Elternschaft dürfte in diesem Fall aber weiter Probleme bereiten.

Davon abgesehen wird sich wohl bald im Familienrecht einiges tun: "Meine Mit-Mutter hat noch nicht unterschrieben" klingt vielleicht irgendwann ganz normal.

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