"Datenschutz widerspricht dem Geschäftsmodell"

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Experte über Facebook - "Datenschutz widerspricht dem Geschäftsmodell"

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Die Zahlen aktiver Facebook-Nutzer gehen zurück - die Macht des sozialen Netzwerks sei aber nicht zu unterschätzen, sagt Cybersicherheits-Experte Scott Shackelford.

Kartellamt untersagt Facebook Datensammlung auf fremden Websites.
Facebook hat sich zu einer Datenvermarktungsfirma entwickelt, die laut Scott Shackelford soziale Verantwortung zeigen sollte.
Quelle: Dominic Lipinski/PA Wire/dpa

heute.de: In den USA gibt es 214 Millionen aktive Facebook-Nutzer - Tendenz allerdings abnehmend. Andere Plattformen sind inzwischen erfolgreicher. Wird Facebook überschätzt?

Scott Shackelford: Nein, ich glaube eher, dass wir Facebook noch immer unterschätzen. Es ist längst nicht mehr einfach nur eine Social-Media-Plattform, sondern ein ganzes Ökosystem. Facebook ist 15 Jahre nach seiner Gründung erfolgreicher und einflussreicher als man es sich 2004 in seinen kühnsten Träumen hätte vorstellen können.

heute.de: Aus der ursprünglichen Idee, Menschen zu verbinden, Kommunikation und gegenseitiges Verständnis zu fördern, ist inzwischen eine globale Datenvermarktungsfirma geworden. Ein soeben veröffentlichter britischer Parlamentsbericht wirft Facebook vor, sich wie digitale Gangster zu verhalten.

Shackelford: Datenschutz widerspricht dem Geschäftsmodell von Facebook. Ziel ist es, so viele Daten wie möglich zu sammeln und zu vermarkten. Das haben Nutzer und Regulierungsbehörden lange Zeit ignoriert oder verschlafen.

heute.de: In Deutschland will das Bundeskartellamt die Sammlung von Nutzerdaten durch Facebook künftig drastisch einschränken. Ziehen solche Drohungen?

Shackelford: Dass verschiedene Regierungen in Europa versuchen, Datenschutzrichtlinien durchzusetzen ist gut, aber es wird sich zeigen, wie erfolgreich sie damit sind. Als es vor einem Jahr darum ging, die europäische Datenschutzrichtlinie umzusetzen, hat Facebook-Chef Zuckerberg zwar zugestimmt. Kurz darauf hat Facebook allerdings die Verantwortung über 1,5 Milliarden Nutzer vom Hauptquartier in Irland in die USA verlagert - weil dort die Datenschutzgesetze weniger streng sind.

heute.de: Wie könnte Facebook mit dem Thema Datenschutz verantwortungsvoller umgehen?

Shackelford: Facebook - und andere Tech-Unternehmen wie Google und Twitter - sollten ihre Marktmacht nutzen und globale Vorreiter für Datenschutz und Onlinesicherheit werden. Sie könnten sich an einer Resolution der UN orientieren, die vor einigen Jahren im Zuge der Enthüllungen von Edward Snowden verabschiedet wurde. Darin erklären die Vereinten Nationen das Recht auf Datenschutz zum Menschenrecht.

heute.de: Das klingt gut, aber welches Interesse hat Facebook daran, Vorreiter für mehr Datenschutz und Cybersicherheit zu sein?

Shackelford: Damit könnte Facebook das Vertrauen der Nutzer zurückgewinnen und soziale Verantwortung zeigen. Ein erster Schritt könnte sein, dass Facebook seine Datenschutz- und Cybersecurity-Praktiken veröffentlicht. Und Nutzern einfache Möglichkeiten anbietet, mehr Kontrolle über ihre Daten zu behalten.

heute.de: Hat das Modell Facebook 15 Jahre nach seiner Gründung noch eine Zukunft?

Shackelford: Ja, ich denke, Facebook ist auch in Zukunft ein wichtiger Player. Der globale Fußabdruck von Facebook wird sich auf absehbare Zeit nicht verkleinern. Facebook wächst weiter - nicht so sehr in Europa und Nordamerika, aber in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Es ist wichtig, dass Facebook seine Verantwortung wahrnimmt und beispielsweise sicherstellt, dass die Plattform nicht missbraucht wird für Volksverhetzung, Rassismus, Unterdrückung von Minderheiten. Aber es ist auch wichtig, dass wir User neu darüber nachdenken, wie wir Facebook nutzen und was wir Facebook anvertrauen.

Das Interview führte Maya Dähne.

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