Sie sind hier:

Unruhe nach neuem Test - Experte hält Raketenprogramm für ungefährlich

Datum:

Nordkorea feiert den erfolgreichen Test einer neuen Rakete - nun könne man "jedes Ziel in den USA" erreichen. Ein renommierter Experte hält das für substanzlose Propaganda.

Nordkorea hat eine neue Interkontinentalrakete getestet. Angaben des nordkoreanischen Regimes zufolge, könne die Rakete die gesamte USA erreichen.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Hwasong-15 heißt der Held aus Nordkorea. Die neue Rakete ist in der Nacht erfolgreich getestet worden. Nordkorea feiert das als historisches Ereignis, das "historische Ziel, die atomare Streitmacht Nordkoreas zu vervollständigen", sei nun erreicht.

Nordkorea fehlt die Kraft für ein Raketenprogramm

Der Münchner Ballistikexperte Professor Robert Schmucker hält das für bloße Propaganda. Schmucker ist renommierter Raketenforscher am Lehrstuhl für Raumfahrttechnik der TU München. Er sagt gegenüber heute.de, Hwasung-15 sei "wahrscheinlich eher eine Hwasong-14", also eine Rakete von älterer Bauart. "Wenn es eine neue Rakete sein sollte, wäre das unglaubwürdig". Grundsätzlich hält Schmucker Nordkorea gar nicht für potent genug, neue Raketen zu entwickeln: "Es wäre die fünfte neue Rakete, die Nordkorea dieses Jahr entwickelt haben will. Und das bei einem Land, das nichts hat. Das ist unrealistisch", sagt er.

53 Minuten soll Hwasong-15 unterwegs gewesen sein, und das bis zu 4.475 Kilometer hoch und 950 Kilometer weit. Diese Angaben hält Schmucker für realistisch, "das kann durchaus stimmen". Über die militärische Produktionsfähigkeit des Landes sage das aber nichts aus, glaubt Schmucker: "Diese Rakete hat kein Entwicklungsprogramm hinter sich". Mit anderen Worten: Nordkorea fehlt die Kraft, um wirklich gefährlich Raketen zu entwickeln.

"Nordkoreas Soldaten sind Opfer"

Dass es um das nordkoreanische Militär grundsätzlich nicht gut bestellt sein dürfte, eine Armee, die sich immerhin rühmt, "viertgrößte Armee der Welt" zu sein, bestätigt auch Rüdiger Frank von der Universität Wien. Er gehört zu den wenigen Nordkorea-Experten weltweit, die auch im Land gelebt haben. Frank sieht genug Anzeichen, dass "Nordkoreas Soldaten vor allem Opfer sind, die zehn Jahre ihres Lebens unter härtesten Bedingungen verbringen müssen". Auch von Lebensmittelhilfen aus dem Westen beispielsweise seien Soldaten ausgeschlossen gewesen.

All das lässt den Schluss zu, dass Nordkorea schlicht die Ressourcen fehlen, um Forschung, Entwicklung und Produktion seiner "Hwasong-Raketen" voranzutreiben. Dennoch hatte Nordkoreas Machthaber gleich nach dem Raketentest der vergangenen Nacht verkündet, sein Land könne nun auch die USA mit Raketen erreichen. Seine strategischen Waffen seien entwickelt worden, um sich gegen die Erpressungspolitik und atomare Bedrohung durch "US-Imperialisten" zu verteidigen.

Keine ernstzunehmende Interkontinentalrakete

Ballistik-Experte Schmucker hält das praktisch gar nicht für durchführbar - und das aus mehreren Gründen. Wenn eine Rakete mit einem Sprengkopf über eine längere Strecke fliegen soll, besteht sie aus mehreren übereinander angeordneten Raketen, um die nötige Reichweite zu erlangen. Nach und nach werden die unteren Raketen abgestoßen, bis der eigentliche Sprengkopf das Ziel von selbst erreichen kann. Die einzelnen Raketen fallen derweil praktisch nacheinander vom Himmel - und darin sieht Professor Robert Schmucker ein politisches Problem für Nordkorea: "Wenn Nordkorea Raketen Richtung USA schicken will, dann müssen die Raketen russisches oder chinesisches Territorium überfliegen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass beispielsweise Russland es gut findet, wenn Raketenmüll auf seinem Territorium landet".

Zudem sieht er noch einen grundsätzlichen Aspekt: "Diese Rakete wiegt 35 Tonnen. Damit ist sie viel zu klein für eine ernstzunehmende Interkontinentalrakete mit einem ernsthaften Nutzwert".

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.