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Klimawandel - Wirbelstürme: Nicht häufiger, sondern schlimmer

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Heftiger war noch kein gemessener Wirbelsturm: Hurrikan "Irma" zieht mit einer zerstörerischen Wucht durch die Karibik, die ihresgleichen sucht. Eine Folge des Klimawandels? Experten sagen: Es ist nicht die Häufigkeit solcher Stürme, die zunimmt, es ist ihre Intensität.

"Wir können nicht sagen, ob es immer mehr Hurrikans geben wird. Aber es wird immer stärkere geben", so Prof. Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

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Die Insel Barbuda - nur noch "ein Haufen Schutt" und kaum noch bewohnbar. Alles stehe unter Wasser, klagt Regierungschef Gaston Browne, nachdem Hurrikan "Irma" über sein Karibik-Eiland hinwegfegte. Im Sender BBC machte Browne den Klimawandel dafür verantwortlich. "Wir leben mit den Konsequenzen."

Tatsächlich hatte erst vor wenigen Tagen Tropensturm "Harvey" eine Schneise der Verwüstung durch die US-Staaten Texas und Louisiana gezogen. "Irma" ist noch heftiger. Mehr noch: Es ist der stärkste je gemessene Wirbelsturm. Er brachte es auf eine Ausdehnung von der Größe Frankreichs und Spitzen-Windgeschwindigkeiten von 290 Kilometern pro Stunde.

Der Verweis auf den Klimawandel, den Regierungschef Browne in mahnende Worte kleidet, drängt sich da schon auf. Und was ist dran? Experten sagen: Es ist nicht die Häufigkeit solcher Stürme, die zunimmt, es ist ihre Intensität.

"Die Stürme werden stärker"

"Ich kann Ihnen versichern, dass die Wissenschaft genügend Belege dafür hat, dass es mit dem Klimawandel zu tun hat, dass die Stürme stärker werden", sagt Joachim Schellnhuber, Leiter des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Und: Es sei erst der Beginn einer "dramatischen Entwicklung". Ereignisse dieser Art würden "neue Normalität werden", wenn die internationale Gemeinschaft das Pariser Klimaschutzabkommen nicht umsetze, warnt der Forscher.

Computermodelle zur Klimasimulation zeigen eine verstärkte Intensität von Hurrikans, Zyklonen und Taifunen. Dies betrifft die Windgeschwindigkeiten und die Regenfälle. "Heftigere Wirbelstürme sind eine der erwarteten Konsequenzen des Klimawandels", sagt Valérie Masson-Delmotte, Mitglied der internationalen Expertengruppe zum Klimawandel (Giec). Wirbelstürme erlangen ihre Kraft durch die von den Ozeanen freigesetzte Energie. Mit der Erwärmung der Meere und der zunehmenden Feuchtigkeit in der Atmosphäre würden sie daher immer heftiger, so die Forscherin.

Magere Datenlage vor dem Satelliten-Zeitalter

Ob es künftig auch öfter zu Wirbelstürmen kommt, das lässt sich indes schwerer vorhersagen. Die Modelle sagen das nicht zwingend aus. Denn schon der Blick in die Vergangenheit ist knifflig: Weil es vor 1970 keine Satellitenbilder für alle Weltregionen gab, kann auch keine Aussage darüber getroffen werden, wie sich die Wirbelstürme über das 20. Jahrhundert hinweg entwickelt haben.

Vor Beginn der vollständigen Satellitenüberwachung kam es mitunter vor, dass selbst besonders heftige Hurrikans nicht wahrgenommen wurden, wenn sie nicht auf Land trafen. Wegen der schwachen Datenlage ist eine wissenschaftliche Auswertung der Stürme schwierig.

Jahrzehntelange Zyklen

Im Nordatlantik wird seit rund 20 Jahren eine Zunahme von Hurrikans registriert. Zwischen 1970 und 1995 war allerdings das Gegenteil der Fall, rechnet Franck Roux von der Universität Paul-Sabatier im französischen Toulouse vor.

Tatsächlich sind sich die Forscher einig, dass die Aktivität von Wirbelstürmen in dieser Region Zeitzyklen von mehreren Jahrzehnten folgt. Sie können deshalb noch nicht sicher sagen, ob die gegenwärtige Zunahme der Stürme einem natürlichen Zyklus oder dem Klimawandel geschuldet ist. Im nordwestlichen Pazifik etwa war im Zeitraum von 1998 bis 2010 sogar ein leichter Rückgang an Wirbelstürmen zu verzeichnen.

Unter dem Strich lässt sich eine Zunahme bisher also nicht feststellen. Und auch nicht, "dass der Klimawandel dazu geführt hat, dass Hurrikans im Atlantik häufiger auftreten", erläutert Andreas Friedrich, der Tornadobeauftragte des Deutschen Wetterdienstes. Die Wirbelstürme hingen mit der Wassertemperatur zusammen, die in diesem Jahr höher sei als sonst, so der Experte. Im vergangenen Jahr habe es aufgrund des Klimaphänomens "El Niño" weniger Hurrikans gegeben.

"Klimawandel verschärft Auswirkungen"

Zumindest zeigen Studien nach Angaben des Wetterdienstes Méteo France, dass das Gebiet, in denen die Stürme ihre maximale Intensität erreichen, sich in den vergangenen 35 Jahren auf der Nord- wie auf der Südhalbkugel in Richtung der Pole bewegt hat. Dies könnte auf die Ausdehnung der Tropen, also des Gebiets beiderseits des Äquators, zurückzuführen sein, wo ein heißes und feuchtes Klima vorherrscht.

Anders Levermann vom Potsdam-Institut fasst zusammen: "Der Klimawandel lässt diese Stürme nicht entstehen, aber er verschärft ihre Auswirkungen." Damit hat aktuell auch Gaston Browne zu kämpfen, der Regierungschef der Karibik-Insel Barbuda. Für ihn ist klar: Politiker, die den Klimawandel leugneten, seien unverantwortlich.

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