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Anschlag auf Skripal - Experten sollen Licht in Giftskandal bringen

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Auch zwei Wochen nach dem Giftanschlag kämpfen Sergej Skripal und seine Tochter Yulia um ihr Leben. Nun sollen Experten das verwendete Nervengift untersuchen. Aber das kann dauern.

Soldaten tragen Schutzanzüge während der Ermittlungen zur Vergiftung des Ex-Doppelagent Skripal und dessen Tochter
Soldaten mit Schutzanzügen bei Ermittlungen zum Giftanschlag auf Skripal
Quelle: dpa

Im Konflikt zwischen Großbritannien und Russland wegen des Giftanschlags auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal sollen unabhängige Experten das eingesetzte Nervengift untersuchen. Vertreter der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) in Den Haag werden dafür an diesem Montag in Großbritannien erwartet. Die OPCW wird die Proben des gefundenen Gifts Nowitschok nach Angaben des britischen Außenministeriums in internationalen Labors überprüfen lassen. Dies soll mindestens zwei Wochen dauern.

Sergej und Yulia Skripal noch in kritischem Zustand

Skripal und seine Tochter Yulia befinden sich auch zwei Wochen nach dem Giftanschlag in einem kritischen Zustand. Sie waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank im englischen Salisbury gefunden worden. London beschuldigte den russischen Präsidenten Wladimir Putin als Drahtzieher. Der Streit entwickelte sich zu einer schweren diplomatischen Krise zwischen beiden Ländern samt Sanktionen. So ordneten sowohl Großbritannien als auch Russland unter anderem die Ausweisung von 23 Diplomaten des jeweils anderen Landes an.

Unmittelbar nach seiner Wiederwahl bekräftige Russlands Präsident Wladimir Putin am Sonntagabend in Moskau, sein Land habe nichts mit dem Anschlag auf Skripal und dessen Tochter zu tun. "Russland hat dieses Mittel nicht, wir haben alle unsere chemischen Waffen unter Kontrolle internationaler Beobachter vernichtet", sagte Putin bei seiner Siegesrede. Er habe aus den Medien von dem Fall erfahren. "Als erstes habe ich gedacht: Wenn das ein militärischer Kampfstoff war, dann wären die Leute auf der Stelle tot gewesen." Russland kurz vor der Präsidentenwahl und der Fußball-WM diesen Sommer zu verdächtigen, sei Unsinn, meinte Putin.

Scotland Yard: Untersuchungen könnten Monate dauern

London aber betont, es habe Beweise für die Produktion und Lagerung des verbotenen Nervengifts Nowitschok in den vergangenen zehn Jahren in Russland. Die Reaktionen Moskaus auf den Fall sprechen für sich, wie Außenminister Boris Johnson der BBC sagte. Am Freitag hatte Johnson Putin persönlich für den Anschlag verantwortlich gemacht. Die Entscheidung sei "höchstwahrscheinlich" von Putin selbst getroffen worden, sagte er in London.

Nach Angaben von Scotland Yard könnten die Untersuchungen im Fall Skripal noch Monate dauern. Etwa 250 Spezialisten der Anti-Terror-Polizei seien mit dem Fall beschäftigt. Skripal soll den britischen Auslandsgeheimdienst MI6 über russische Agenten in Europa informiert haben. 2004 flog der ehemalige Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU auf und wurde festgenommen. Er wurde zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Im Rahmen eines Gefangenenaustauschs kam er 2010 nach Großbritannien.

Für Unruhe in Großbritannien sorgt weiterhin auch der Mord am Kreml-Kritiker und Geschäftsmann Nikolai Gluschkow. Es sei aber weiter kein Zusammenhang zwischen dem Tod Gluschkows und dem Anschlag auf Skripal erkennbar.

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