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"Häufigster Fehler ist falsche Selbsteinschätzung"

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Wandern und Bergsteigen - "Häufigster Fehler ist falsche Selbsteinschätzung"

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Sommerzeit ist Wanderzeit. Damit häufen sich auch tödliche Unglücke. Laut Alpenverein ist oft Selbstüberschätzung der Wanderer das Problem: die "Das schaff‘ ich schon"-Mentalität.

Junges Paar beim Wandern im Hochgebirge
Nicht ungefährlich: Eine "Das schaff‘ ich schon"-Mentalität beim Wandern im Hochgebirge
Quelle: mev

"Wanderer stürzt in den Walliser Alpen zu Tode." Oder: "Vermisster Wanderer tödlich verunglückt." Schlagzeilen wie diese sind in den Sommermonaten Alltag. Der Traum vom unbeschwerten Tag in den Bergen, vom Naturgenießen und vom Abschalten wird so für Wanderer und deren Angehörige zum Albtraum.

Gute Vorbereitung und Planung notwendig

Viele erwarten eine ähnliche Infrastruktur wie im Tal: leicht zu gehende Wege, Sicherungen an gefährlichen Stellen, Hütten mit Hotelcharakter. Tatsächlich sind die Berge aber völlig anders, sie sind eine Art von Wildnis.
Thomas Bucher, Deutscher Alpenverein

Dabei könnte es so einfach sein. "Der häufigste Fehler unter Wanderern ist wohl die falsche Selbsteinschätzung und die daraus resultierende falsche Tourenplanung", sagt Simon Schöpf vom Österreichischen Alpenverein. "Vor allem bei Einsteigern gibt es oft eine 'Das schaff' ich schon"-Mentalität, die bei fehlendem Training allerdings fatal sein kann", warnt Schöpf. Die Situation könne "schnell brenzlig werden", wenn etwa ein unerfahrener Wanderer sich "in ein ausgesetztes und steiles Gelände begibt, dabei noch zu spät startet und in ein Sommergewitter gerät".

Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein findet, dass viele Menschen falsche Vorstellungen von den Bergen hätten. "Viele erwarten eine ähnliche Infrastruktur wie im Tal: leicht zu gehende Wege, Sicherungen an gefährlichen Stellen, Hütten mit Hotelcharakter. Tatsächlich sind die Berge aber völlig anders, sie sind eine Art von Wildnis", sagt Bucher. "Darauf muss man sich einstellen. Genau wegen dieser Andersartigkeit sind die Berge so attraktiv."

Probleme mit der Gehtechnik

Gute Vorbereitung und Planung sind - wie so oft im Leben - auch beim Wandern unerlässlich. Wegzeiten müssten richtig berechnet werden. Dabei darf man sich nicht überschätzen: "Hier kann man sich bei Wanderungen gut am Dreifarbensystem der Wanderwege orientieren: Blau sind einfache Wege, rot mittelschwere, schwarz schwere Wege", sagt Schöpf. Und sein deutscher Kollege Bucher ergänzt: "Bergsport erfordert Geduld. Wer damit anfängt, sollte erst leichte und kurze Touren machen und dann Schritt für Schritt längere und schwierigere. Nur so sammelt man die Erfahrung, die für größere Unternehmungen nötig ist."

Wer im Flachen problemlos kilometerweit spazieren kann, kann noch lange nicht sicher am Berg gehen.
Simon Schöpf, Österreichischer Alpenverein

Blaue Wege könnten auch von weniger erfahrenen Wanderern gemeistert werden, "vorausgesetzt die körperliche Fitness passt für die Länge des Weges", sagt Schöpf. Allerdings komme es nicht nur auf die Länge und Höhenmeter des Weges an. Manchmal scheitere der Wandertag auch an der richtigen Gehtechnik: "Wer im Flachen problemlos kilometerweit spazieren kann, kann noch lange nicht sicher am Berg gehen", sagt der Vertreter des Österreichischen Alpenvereins.

Besser in der Gruppe wandern

Internet und Smartphone können beim Planen der Bergroute eine wichtige Stütze sein. Aber "keine App der Welt wird zuverlässig vor sehr lokalen Gefahren warnen können", gibt Schöpf zu bedenken. "Wichtig ist immer eine fundierte Einschätzung der aktuellen Situation vor Ort." Zumal das Wetter in den Bergen sehr schnell umschlagen kann.

Bereits kleine Zwischenfälle können zu ernsten Notlagen führen, wenn man alleine unterwegs ist.
Simon Schöpf, Österreichischer Alpenverein

Oft seien Wanderungen in der Gruppe sicherer. "Bereits kleine Zwischenfälle können zu ernsten Notlagen führen, wenn man alleine unterwegs ist. Im Notfall ist dann niemand, der Hilfe rufen kann. Deshalb ist es besser, in kleinen und flexiblen Gruppen unterwegs zu sein", sagt Schöpf. Passe man die Tourenplanung an Wetter und Fitness an, sei alleine zu wandern aber "tendenziell ungefährlich".

Die meisten Unfälle bei normalen Anstiegen

Doch es gibt auch Fälle, wonach man alleine sicherer unterwegs ist. "Zum Beispiel, wenn ein fitter Bergläufer einen hohen Berg an einem Tag macht, wo am Nachmittag Gewitter angesagt sind. Der ist nämlich schon längst wieder im Tal, während eine größere Gruppe vielleicht ins Gewitter gerät", sagt Bucher. "An diesem Beispiel sieht man: Risikomanagement am Berg ist kompliziert, es kommt immer auf die einzelnen Umstände an."

Laut dem Deutschen Alpenverein passieren die meisten Unfälle nicht an besonders gefährlichen Passagen, "sondern an den hochfrequentierten normalen Anstiegen zu besonders prominenten Bergen", sagt Bucher. Als Beispiel nennt er den Höllentalaufstieg zur Zugspitze, die Watzmann-Überschreitung in den Berchtesgadener Alpen oder den Heilbronner Weg im Allgäu. Warum das so ist? Buchers Einschätzung: "Dort sind viele Leute unterwegs. Insbesondere auch viele, die sich falsch eingeschätzt haben."

Dem Autor auf Twitter folgen: @raphael_rauch

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