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Expertin über IS-Nachwuchs - "Radikalisierte Kinder brauchen Hilfe"

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Die Gefahr durch IS-Angehörige sei "eine große Herausforderung", sagt Ethnologin Susanne Schröter im ZDF heute journal. Doch radikalisierte Kinder bräuchten vor allem eines: Hilfe.

Das „letztendliche Ziel“ des IS sei die innere Zerrüttung der Gesellschaften mit der Hoffnung, dass man die Muslime auf die eigene Seite ziehen kann, sagt Susanne Schröter vom Frankfurter Forschungszentrum Globaler Islam.

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ZDF: Ist ein Rechtsstaat machtlos gegenüber zum Beispiel Frauen und Kindern, deren Gefährlichkeit vor allen Dingen in dem liegt, was sie im Kopf haben?

Susanne Schröter: Machtlos würde ich nicht sagen. Aber das ist natürlich deutlich schwieriger als mit Männern, die in der Öffentlichkeit agieren, mit Männern, die gewalttätig sind eventuell, oder die offen missionieren. Diese Frauen, die sind im Verborgenen, die sind im Privaten und entziehen sich sozusagen dem öffentlichen Blick.

ZDF: Nun sind die Frauen, die wir gerade im Filmbericht gesehen haben, vor allem deren Kinder, zuallererst mal Menschen, die hilfsbedürftig wirken. Wie unterscheidet man diejenigen, die Hilfe brauchen und verdienen, von denen, die eine Gefahr sind?

Schröter: Zunächst sind alle Kinder erstmal hilfsbedürftig. Wenn Kinder radikalisiert und instrumentalisiert werden, auch dann brauchen sie natürlich Hilfe. Nur muss man eben schauen, ob man die geeigneten Fachkräfte hat, ob man die geeigneten Maßnahmen auch findet. Weil ein Kind, das traumatisiert ist, das Gewalttaten gesehen hat, das möglicherweise sogar beteiligt war an Gewalttaten, das braucht natürlich eine ganz besondere Maßnahme. Das braucht besondere Fürsorge.

ZDF: Nun ist Zeit natürlich ein ganz wichtiger Faktor. Die deutsche Gesellschaft brauchte solche Fachkräfte bisher nicht. Woher sollen sie plötzlich vom Himmel fallen?

Schröter: Das ist richtig, es gibt eine gewisse Überforderung. Und wir haben auch nicht so viele Psychologen und Psychologinnen, die gut geeignet wären. Aber es gibt natürlich Erfahrungen mit Kindersoldaten in anderen Ländern. Und da sind zum Teil sehr gute Ergebnisse erzielt worden bei der Therapierung dieser Kinder und davon kann man lernen.

ZDF: Also wäre es kein Hilfsmittel zu sagen: "Das ist uns zu gefährlich - wer mal im IS-Gebiet war, kommt hier nicht wieder rein"?

Schröter: Nein, auf keinen Fall. Es ist natürlich eine schwierige Lage, es ist eine große Herausforderung. Aber es ist keinesfalls so, dass die Welt das erste Mal mit radikalisierten und schwersttraumatisierten Kindern zu tun hätte.

ZDF: Nun hat der IS ja eindrucksvoll bewiesen, dass er in der Lage ist Angst und Schrecken zu verbreiten. Ist das Selbstzweck oder steht dahinter auch Kalkül und Methode?

Schröter: Der IS wollte mit seinen öffentlichen Auftritten vor allen Dingen im Internet unterschiedliches bewirken. Zum einen natürlich rekrutieren, Anhänger mobilisieren. Zeigen, dass er stark ist. Aber er wollte auch Leute abschrecken. Er wollte zeigen: "Schaut mal, was wir alles können. Legt euch nicht mit uns an." Und gerade die ganzen Warnungen davor, dass man ja auch in Europa, in westlichen Ländern zuschlagen könne, die waren eigentlich so gedacht, dass man besser die Finger davon lässt. Das ist natürlich nicht aufgegangen glücklicherweise, dieses Kalkül.

Das Interview führte Claus Kleber.

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