Sie sind hier:

Explodierende Mieten - Situation am Wohnungsmarkt immer dramatischer

Datum:

Bezahlbarer Wohnraum in Städten ist schon länger Mangelware. Doch auch in kleineren Kommunen steigen die Mieten immer weiter. Trotz Mietpreisbremse. Eine neue Studie sieht auch nicht mehr nur preisgünstige Wohnungen in Gefahr, mittlerweile wird es auch für Haushalte mit mittleren Einkommen knapp.

Die Mietpreise in Deutschland steigen immer schneller. Die Mietpreisbremse sollte genau das eigentlich verhindern. Doch laut Städte- und Gemeindebund sei die Bremse zu bürokratisch und somit nahezu wirkungslos.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Familie Dreyer aus Düsseldorf muss auf engstem Raum klarkommen. 74 Quadratmeter für vier Personen - ein halbes Zimmer für den Sohn, die andere Hälfte für die Tochter. "Wir würden gern in eine größere Wohnung ziehen", sagt Hans-Peter Dreyer, "aber wir finden keine". Das Angebot für bezahlbaren Wohnraum in Düsseldorf sei leer gefegt. Seit fast vier Jahren sucht die Familie in Düsseldorf schon nach einer größeren Wohnung. Einer bezahlbaren. Aber sie finden keine. Hans-Peter Dreyer verdient als Hausmeister 1.600 Euro netto, seine Frau geht zusätzlich etwas putzen. Knapp über acht Euro Miete pro Quadratmeter zahlen sie für die 74 Quadratmeter. "Bis neun Euro pro Quadratmeter würden wir gehen, das ist dann aber absolute Schmerzgrenze", erklärt Dreyer, "mehr ist bei meinem Gehalt einfach nicht drin."

Geringverdiener gehen leer aus

Auf dem Weg von seiner Arbeit nach Hause fährt Hans-Peter Dreyer an vielen Baustellen vorbei. Doch hier entstehen nur Wohnungen für Gutbetuchte. Geringverdiener wie er gehen leer aus. "Die haben gesagt, hier entstehen auch Sozialwohnungen. Doch die rufen Quadratmeterpreise von fast 9,50 Euro auf. Da frage ich mich, welcher Normalverdiener wie ich kann sich so was überhaupt noch leisten?"

Was Mietpreise angeht, gehört Düsseldorf zu den Spitzenreitern in Deutschland. 9,50 Euro beträgt hier der Quadratmeterpreis für eine Mietwohnung. Gemessen an der Situation in anderen deutschen Großstädten erscheint das sogar noch moderat. Den bundesdeutschen Spitzenplatz hält München mit rund 14,50 Euro pro Quadratmeter. Und nicht nur die Ballungsräume sind betroffen. Der Wohnungsmangel ist nach Berechnungen des Prognos-Instituts in rund einem Drittel aller Kommunen und Kreise angekommen. Mieter müssen immer tiefer in die Tasche greifen. Und das Problem trifft nicht mehr nur die einkommensschwachen Gruppen. Während Wohnungen im preisgünstigen Segment nach wie vor Mangelware sind, verschärft sich die Situation für Mieter und Wohnungssuchende zunehmend auch im mittleren Preissegment.

Mieten steigen trotz Mietpreisbremse

Eigentlich sollte die von Schwarz-Rot eingeführte Mietpreisbremse diese Entwicklung stoppen. Aktuell gilt sie in 313 Städten. Dort darf die Neumiete höchstens zehn Prozent über dem ortsüblichen Mietspiegel liegen, allerdings gibt es viele Ausnahmen, etwa für Neubauten. Bundesweit seien die Mieten mit plus 6,3 Prozent trotz Preisbremse gestiegen, klagt der Deutsche Mieterbund. Hier halten sie die Mietpreisbremse für gescheitert. "Die 2015 eingeführte Mietpreisbremse war gut gemeint, funktioniert aber nicht", beklagt Lukas Siebenkotten, Direktor des Deutschen Mieterbunds (DMB), "offensichtlich hält sich ein Großteil der Vermieter nicht an die gesetzlichen Regelungen. Mieter können die komplizierten und intransparenten gesetzlichen Vorschriften mit vielen Ausnahmetatbeständen kaum nutzen."

Es muss dringend gebaut werden - und zwar bezahlbare Wohnungen. Experten schätzen die Lage auf dem Wohnungsmarkt ähnlich angespannt ein wie Mitte der 90er Jahre. Damals war die Nachfrage nach günstigem Wohnraum aufgrund der Zuwanderung in Folge der Wiedervereinigung und des Balkankrieges stark gestiegen. Laut Deutschem Mieterbund liegt der jährliche Neubedarf bei rund 400.000 Wohnungen. Damit seien allein in den letzten Jahren 275.000 Wohnungen zu wenig gebaut worden. "Mittlerweile fehlen eine Million Wohnungen in Deutschland, vor allem in Großstädten, Ballungsgebieten und Universitätsstädten", sagt Siebenkotten.

Tatsächlich ist die Große Koalition nicht untätig geblieben

Die Bauaktivität hat kräftig angezogen, der Gesetzgeber hat reagiert. Bundeszuschüsse für sozialen Wohnungsbau haben sich seit 2015 fast verdreifacht. Von 2017 auf 2018 auf beachtliche 1,5 Milliarden Euro. "Und trotzdem ist die Baubilanz noch meilenweit entfernt vom tatsächlichen Neubedarf für Sozialmietwohnungen", sagt Rainer Braum vom Forschungs-Institut Empirica. "Die Investitionsbedingungen sind zwar gut, doch als Hemmnis wirken sich zunehmend die hohen Baulandkosten sowie die kurzfristige Verfügbarkeit von Bauland aus. Außerdem fehlen vielerorts Stadtplaner", so sein Fazit.

"Aufgrund der demographischen Prognosen zur Bevölkerungsentwicklung haben viele Kommunen innerhalb der letzten zehn Jahre die Stadtplanung vernachlässigt. Die Flüchtlingskrisen konnte damals keiner voraus sehen. Dazu kommt, dass eine regelrechte Landflucht eingesetzt hat. Immer mehr Menschen zieht es in die Städte. Alles zusammen erklärt die zugespitzte Lage auf dem Wohnungsmarkt", so Braun.

Oft sind es die Bürger selbst, die Bauprojekte erschweren

Wie schwierig es für eine Kommune ist, Neubaugebiete auszuweisen, zeigt das Beispiel der Stadt Freiburg. Der Bedarf an neuen Wohnungen ist unbestritten, der Rat will in Freiburg-Dietenbach auf einer Freifläche rund 5.500 neue Wohneinheiten bauen. Doch das Bauvorhaben wird von vielen Protesten aus der Bürgerschaft begleitet.

Ein weiteres Problem: Das geplante Neubaugebiet gehört nicht der Stadt. Mit rund 400 Grundstückseigentümern muss jetzt ein Konsens erzielt werden. Mit der sogenannten städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme hätte Freiburg die Möglichkeit, die Grundstücke zum Gutachterwert von 15 Euro pro Quadratmeter zu kaufen. Rein rechtlich wäre es für die Stadt sogar möglich, die Grundstücks-Eigentümer zu enteignen. Zum Wohle der Gemeinschaft. "Aber das ist politisch kaum durchsetzbar und auch nicht gewollt", räumt Freiburgs grüner Oberbürgermeister Dieter Salomon ein, "deshalb nehmen wir jetzt die städtische Sparkasse als Kooperationspartner hinzu. Sie bietet den Eigentümern jetzt rund 65 Euro pro Quadratmeter an." Freiburgs Oberbürgermeister ist zuversichtlich, dass am Ende alle Eigentümer dem Kompromiss zustimmen werden. So oder so, die Realisierung wird Jahre dauern - und schon jetzt ist klar, dass das Neubauprojekt Dietenbach nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist.

Bezahlbarer Wohnraum wird in jedem Fall eines der ganz großen Wahlkampfthemen für die kommende Bundestagswahl im Herbst.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.