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Anschläge erschüttern Inselstaat - "Sri Lanka hatte gerade wieder Hoffnung gefasst"

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Acht Bomben erschüttern am Ostersonntag Sri Lanka. Sie detonieren in Hotels, Kirchen, einer Wohngegend - und erinnern nach Jahren des Bürgerkriegs ein ganzes Land an dunkle Zeiten.

Die Verwandte eines Opfers trauert nach den Anschlägen in Sri Lanka.
Die Verwandte eines Opfers trauert nach den Anschlägen in Sri Lanka.
Quelle: Reuters

Bei einer verheerenden Anschlagsserie auf christliche Kirchen und Hotels sind am Ostersonntag in Sri Lanka nach Polizeiangaben mindestens 215 Menschen getötet worden. Bei den koordinierten Explosionen wurden außerdem mehr als 500 Menschen verletzt, wie Sprecher von sieben örtlichen Krankenhäusern der Nachrichtenagentur dpa sagten. Nach Angaben der Tourismusbehörde sind unter den Toten 32 Ausländer aus acht Staaten. Dazu gehörten Bürger Indiens, der USA, Großbritanniens, Portugals, Chinas, der Niederlande, Belgiens und der Türkei.

Insgesamt gab es am Sonntag mindestens acht Detonationen, darunter drei in Kirchen und drei weitere in Luxushotels. Die Explosionen in den Kirchen und Luxushotels fanden fast zeitgleich statt. Zunächst bekannte sich niemand zu den Angriffen, die weltweit auf Entsetzen stießen.

Die Regierung Sri Lankas hüllt sich in Schweigen zu näheren Details zu den Verdächtigen. Aber gerade das sorge für mehr Unsicherheit in der Bevölkerung, so ZDF-Korrespondent Normen Odenthal. Aber auch Gerüchte könnten mehr Unruhe auslösen.

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13 Verdächtige festgenommen

Nach Angaben der Polizei sind mittlerweile 13 Verdächtige festgenommen worden. Über ihre Hintergründe ist nichts bekannt, aber "alle sollen Staatsbürger Sri Lankas sein", berichtet ZDF-Korrespondent Normen Odenthal. Außerdem sollen die Behörden vor einigen Tagen Warnungen vor einem möglichen radikalislamischen Anschlag erhalten haben. Bislang hätten solche Gruppierungen keine nennenswerte Rolle in Sri Lanka gespielt, sagt Odenthal. Premierminister Ranil Wickremesinghe habe die Hinweise aber bestätigt. Er wolle jetzt untersuchen lassen, warum ihnen nicht nachgegangen worden sei.

"Sri Lanka hatte nach langen Jahren des Bürgerkriegs wieder Hoffnung gefasst", berichtet Odenthal. Der Bürgerkrieg war 2009 zu Ende gegangen - nach 26 Jahren. Schätzungen gehen davon aus, dass an die 100.000 Menschen ihn nicht überlebt haben. "Wie ein Déjà-Vu" beschreibt deshalb auch Gerhard Tauscher die Anschlagsserie. Sie sei ein Rückfall in finstere Zeiten, sagt Tauscher, der in der Hauptstadt Colombo für den Einsatz der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung zuständig ist. "Da ist ganz viel Porzellan zerschlagen."

Tauscher ist am Morgen selbst zu einem katholischen Gottesdienst in der Nachbarschaft gefahren. "Ich habe mich noch ein wenig gewundert, dass ein Polizeifahrzeug, ein Polizist mit Maschinengewehr bewaffnet vor der Kirche stand - etwas ungewöhnlich", sagt er in einer Videonachricht ans ZDF. "Ungefähr nach einer halben Stunde hat mich meine Frau angerufen und berichtet, dass es auf eine Kirche im nördlichen Bereich von Colombo einen Anschlag gegeben hat." Die Explosionen machten ihn "extrem betroffen", sagt Tauscher. "Meine Frau ist aus Sri Lanka. Die Kinder wachsen dreisprachig auf", außerdem in zwei Religionen: christlich und buddhistisch. "Ich bin nicht nur arbeitsmäßig hier in Sri Lanka als Einsatzleiter für das Internationale Rote Kreuz, sondern bin natürlich persönlich auch betroffen."

Während in Colombo Bomben detonierten, war Gerhard Tauscher selbst beim Gottesdienst nahe der Hauptstadt. Der Einsatzleiter für das Internationale Rote Kreuz ist betroffen – beruflich wie privat.

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Anschläge an acht Orten

Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene machte Extremisten für die "terroristische Attacke" verantwortlich. Er verhängte eine landesweite Ausgangssperre, die bis zum frühen Montagmorgen gelten sollte. Zudem sperrte die Regierung nach seinen Angaben vorübergehend den Zugang zu sozialen Medien. Die Schulen sollten für zwei Tage geschlossen bleiben, die Universitäten zunächst unbefristet.

Nur etwa sieben Prozent der Bevölkerung Sri Lankas sind Christen. Die Mehrheit sind Buddhisten. Bei den Kirchen, die Ziel der Anschläge wurden, handelte es sich um die St.-Antonius-Kirche in der Hauptstadt Colombo, die St.-Sebastians-Kirche im rund 30 Kilometer von der Hauptstadt entfernten Negombo sowie die Zionskirche in Batticaloa, rund 250 Kilometer östlich von Colombo. In den Kirchen fanden gerade Ostergottesdienste statt. Dort gab es die meisten Opfer. Nach Polizeiangaben wurde die Attacke auf die Kirche in Negombo vermutlich von einem Selbstmordattentäter ausgeführt.

Außerdem gab es Explosionen in den Fünf-Sterne-Hotels Shangri-La, Cinnamon Grand und Kingsbury in Colombo. Dort sollen auch Ausländer verletzt worden sein. Später wurde eine siebte Explosion in einem kleinen Hotel in einem Vorort Colombos mit zwei Toten gemeldet. Eine achte Explosion ereignete sich am Nachmittag in einer Wohngegend in Dematagoda, einem anderen Vorort der Hauptstadt. Dort starben nach Angaben der Polizei auch zwei Kinder. Zudem wurden drei Polizisten von einer einstürzenden Wand erschlagen.

Auswärtiges Amt aktualisiert Reisehinweise

Staatspräsident Maithripala Sirisena, der auch Verteidigungsminister ist, sagte, die Streitkräfte und die Polizei gingen der "Verschwörung" auf den Grund. Die Oberbefehlshaber der Streitkräfte trafen mehrere Minister zu einer Krisensitzung. Premierminister Wickremesinghe sagte, die Anschläge "zielten klar darauf ab, das Land zu destabilisieren".

Der südasiatische Inselstaat mit seinen tropischen Stränden ist ein beliebtes Touristenziel, auch für Deutsche und andere Europäer. Dort hat es seit Jahren keinen größeren Anschlag gegeben. Jedes Jahr reisen Zehntausende Deutsche in das frühere Ceylon. Der Inselstaat von der Größe Bayerns hat gut 20 Millionen Einwohner. Er bietet neben tropischen Stränden unter anderem mehrere UNESCO-Welterbestätten, sechs Kultur- und zwei Naturdenkmäler.

Das Auswärtige Amt aktualisierte kurz nach den Attacken seine Reisehinweise. "Reisende werden gebeten, die Anschlagsorte weiträumig zu meiden, die lokalen Medien zu verfolgen, engen Kontakt zu Reiseveranstaltern und Fluggesellschaften zu halten und Anweisungen von Sicherheitskräften Folge zu leisten", schrieb das Ministerium. Das Auswärtige Amt richtete zudem einen Krisenstab ein. Besorgte Angehörige können sich unter 030-50000 melden. "Sollten Sie auf der Insel im Osterurlaub sein, melden Sie sich bitte bei Ihren Verwandten und Freunden", twitterte das Krisenreaktionszentrum. Die Telefon- und Internetverbindungen im Land seien überlastet. "Wenn Sie Ihre Angehörigen vor Ort erreichen wollen, versuchen Sie es mit einer SMS."

Explosionen auf Sri Lanka: St. Sebastian's Church
Hier explodierte eine der Bomben: die St. Sebastian's Church in Negombo.
Quelle: AP

Weltweites Entsetzen über Anschlagsserie

Papst Franziskus gedachte vor Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz in Rom der Opfer: "Ich möchte der christlichen Gemeinschaft, die getroffen wurde, als sie im Gebet versammelt war, und allen Opfern so grausamer Gewalt meine innige Nähe ausdrücken." UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich "schockiert über die terroristischen Attacken auf Kirchen und Hotels an Ostersonntag, einem heiligen Tag für Christen überall auf der Welt". Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kondolierte dem Präsidenten Sri Lankas und schrieb: "Fassungslos und voller Entsetzen verfolge ich die schrecklichen Nachrichten über die feigen Terroranschläge in
Sri Lanka, bei denen so viele unschuldige Menschen den Tod fanden und viele mehr verletzt wurden."

Kanzlerin Angela Merkel schrieb in einem Kondolenztelegramm: "Es ist schockierend, dass Menschen, die sich versammelt hatten, um gemeinsam das Osterfest zu begehen, ein bewusstes Ziel dieser hinterhältigen Angriffe waren." Sie fügte hinzu: "Religiöser Hass und Intoleranz, die sich heute auf so schreckliche Weise manifestiert haben, dürfen nicht siegen."

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini betonte: "Solche Gewaltakte an diesem heiligen Tag sind Gewaltakte gegen jeden Glauben und jede Konfession." US-Präsident Donald Trump schrieb: "Wir stehen bereit, um zu helfen." Russlands Wladimir Putin nannte die Bluttaten "grausam und zynisch". Indiens Premier Narendra Modi schrieb: "In unserer Region gibt es keinen Platz für solche Barbarei."

Jedes Attentat, jeder Anschlag ist etwas Fürchterliches - aber dieser ist besonders brutal. Die Welt - und nicht nur die der Christen - ist erschüttert.

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