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EZB-Studie simuliert Sonderzölle - Handelskrieg würde USA mehr schaden als China

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Die EZB simuliert in einer Studie die Effekte von Strafzöllen und Gegenzöllen. Das Ergebnis: Wer einen Handelskrieg anzettelt, dem geht es danach schlechter als vorher.

Containerschiff im Hafen
Quelle: ap

Durch einen globalen Handelskrieg würden laut Experten vor allem die USA an Wachstum einbüßen. China träfe ein solch ausgiebiger Konflikt dagegen nicht so stark, ermittelten Ökonomen der Europäischen Zentralbank in einer Studie, die ein solches Szenario simuliert.

Aktienmarkt würde leiden

Insgesamt könnte eine Eskalation der Handelsstreitigkeiten signifikante negative Auswirkungen auf das weltweite Wirtschaftswachstum haben, teilten die Wissenschaftler mit. Durch einen generellen Vertrauensverlust könnten demnach auch Aktien- und Anleihenmärkte indirekt davon betroffen sein.

US-Präsident Donald Trump hat Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte und eine Reihe von Hightech-Produkten aus China verhängt. Sein erklärtes Ziel ist, US-Unternehmen und -Arbeiter vor Handel zu schützen, den er als ungerecht betrachtet, und mit den Zöllen Druck auszuüben, um neue Handelsvereinbarungen zu erzielen. Die Autoren der EZB-Studie schrieben, dass diese anfänglichen Maßnahmen Trumps wohl nur einen marginalen Effekt auf die Weltwirtschaft hätten, da die betroffenen Waren nur einen kleinen Teil des Welthandels ausmachten.

Szenario am Computer simuliert

Die Ökonomen entwickelten anhand von Computermodellen ein Szenario, in dem die USA Zölle in Höhe von zehn Prozent auf alle Importe verhängen und alle Handelspartner entsprechend reagieren. All das ist vollends hypothetisch, und trotzdem sind die Ergebnisse eindeutig: Die USA würden im ersten Jahr zwei Prozentpunkte Wachstum einbüßen, der globale Handel ginge um drei Prozent zurück.

Die Ökonomen kamen zu dem Schluss, dass es einem Land, das einen Handelskrieg anzettelt, danach schlechter geht als zuvor. "Eine Volkswirtschaft, die einen Zoll verhängt, der zu Vergeltung bei anderen Ländern führt, ist eindeutig schlechter gestellt", schrieben Allan Gloe Dizioli und Björn van Roye. "Ihre Lebensstandards fallen und Jobs gehen verloren."

Zölle mit mehr negativen als positiven Effekten

Höhere Zölle haben positive und negative Auswirkungen auf das Land, das sie verhängt: Konsumenten haben höhere Kosten, da die Preise von Importgütern die Zölle berücksichtigen. Wenn Verbraucher auf im Inland produzierte Güter ausweichen, stärken sie allerdings die Wirtschaft ihres Heimatlandes. In dem Modell überwiegen die negativen Effekte die positiven, da die Exporte der US-Unternehmen sinken.

Die chinesische Wirtschaft profitiert den Untersuchungsergebnissen zufolge zunächst, weil sie bislang in die USA exportierte Güter an andere Länder verkaufen kann. Zudem dauert es eine Weile, bis US-Unternehmen im Inland Ersatzlieferanten für bislang in China hergestellte Vorprodukte finden und bis US-Konsumenten ihre Kaufgewohnheiten ändern. Nach einiger Zeit reduzierten sich die positiven Effekte für China, heißt es in der Untersuchung.

Die Studie berücksichtigte nicht die am Montag verhängten Zölle der USA von zehn Prozent auf Importe aus China mit einem Volumen von 200 Milliarden Dollar (170 Milliarden Euro). Auch chinesische Zölle auf 60 Milliarden Dollar an Einfuhren aus den USA blieben unberücksichtigt.

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