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Dollar-Äußerungen aus Washington - EZB-Direktor warnt vor "Währungskrieg"

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Der US-Finanzminister findet einen schwachen Dollar gut, der US-Präsident nicht - wie auch immer: Auf dem Davoser Wirtschaftstreffen wird vor einem "Währungskrieg" gewarnt.

Logo des Weltwirtschaftsforums (WEF) am 24.01.2018 in Davos (Schweiz)
Weltwirtschaftsforums in Davos Quelle: reuters

Die großen Industriestaaten sollten nach den Worten von EZB-Direktor Benoit Coeure ihre Währungen nicht dazu einsetzen, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen. "Das letzte, was die Welt heute braucht, ist ein Währungskrieg", sagte Coeure am Freitag in einer Diskussionsrunde auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Was immer mit dem Dollar passiere, bleibe sehr wichtig.

Hintergrund der Äußerungen: US-Finanzminister Steve Mnuchin hatte sich jüngst positiv über einen schwachen Dollar geäußert und damit einen Kursrutsch der US-Währung ausgelöst. Ein schwächerer Dollar sei "gut, weil dies mit Handel und Chancen zu tun hat". Mnuchin bezog sich darauf, dass bei einem sinkenden Dollarkurs die US-Produkte auf dem Weltmarkt billiger werden, was den US-Unternehmen im Wettbewerb mit Konkurrenten aus anderen Ländern hilft.

Widersprüchliche Äußerungen aus Washington

US-Präsident Donald Trump gab danach hingegen einen starken Dollar als Ziel aus. "Der Dollar wird stärker und stärker werden und letzten Endes will ich einen starken Dollar sehen", sagte Trump dem Sender CNBC. Vorherige Äußerungen von US-Finanzminister Steven Mnuchin seien aus dem Kontext gerissen worden. Trumps Aussagen hatten dem Dollar umgekehrt wieder Auftrieb gegeben. Ein Regierungsvertreter sagte am Freitag in Davos zu den unterschiedlichen Äußerungen, Trump und Mnuchin lägen auf einer Linie.

Nach wie vor bleibt der Dollar aber auf dem schwächsten Niveau seit mehr als drei Jahren - ein Euro ist derzeit über 1,24 Dollar wert. Seit Trumps Amtsantritt vor gut einem Jahr hat die amerikanische Währung im Verhältnis zum Euro rund ein Fünftel ihres Wertes verloren und ist auch zu anderen wichtigen Währungen deutlich geschwächt. Als Grund dafür nennen Experten Zweifel an der Wirtschaftspolitik Trumps, insbesondere an dem protektionistischen Kurs in der Handelspolitik.

Beim Wirtschaftsforum ist erstmals seit 18 Jahren ein US-Präsident zu Gast. ZDF-Korrespondent Reinhard Schlieker berichtet vor Ort in Davos.

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Besorgnis in Davos

Mnuchins Äußerungen waren als mögliche Abkehr von der traditionellen US-Regierungspraxis gedeutet, die eigene Währung nicht schlechtzureden. Die Worte des US-Finanzministers stießen auch in Davos auf Kritik europäischer Finanzpolitiker. Italiens Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan hatte erklärt, es sei besonders besorgniserregend, wenn die USA den Kurs des Dollar zu sehr herunterredeten. Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire forderte, Währungen sollten die wirkliche Stärke einer Volkswirtschaft widerspiegeln. Dies sei die Position der sieben führenden Industrienationen und er hoffe, dies gelte auch weiterhin, sagte Le Maire mit Blick auf die Dollarschwäche.

Trump will am Freitag in einer Rede in Davos seinen unter dem Motto "Amerika zuerst" stehenden Kurs verteidigen. Seine Regierung hatte in dieser Woche hohe Zölle auf Solarmodule und Waschmaschinen verhängt, was sich gegen Importeure aus China und Südkorea richtete, sowie auch auf spanische Oliven. Neben Mnuchins Äußerungen zum Dollar sorgten auch die neuen Zölle für Unruhe in Davos. Das Forum ist traditionell eine Bastion der Befürworter des freien Welthandels.

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