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Vor der Bundestagswahl - Facebook bereitet sich auf Fake-News-Attacken vor

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Gerüchte, Falschmeldungen, Propaganda: Facebook bereitet sich auf eine Welle möglicher Fake News unmittelbar vor der Bundestagwahl vor. Man wolle gezielt gegen gefälschte Accounts vorgehen, die Fake News verbreiten, heißt es. Und auch die politischen Parteien haben bereits aufgerüstet.

Tobias Nehren weiß, dass er den Kampf eigentlich nicht gewinnen kann. Dass er gegen die Gerüchte im Internet nicht antwittern kann. Nehren ist Onlinechef der SPD und versucht im Moment, gegen Falschmeldungen nach dem G20-Gipfel vorzugehen. Etwa gegen das Gerücht, der Sohn von Justizminister Heiko Maas sei nach den Krawallen in Hamburg in Polizeigewahrsam gewesen. Solche Falschmeldungen etwa bei Facebook melden Nehren und sein Team dem Unternehmen. "Facebook löscht nach Prüfung einzelne falsche Posts, aber nicht die Quelle, die Falschnachrichten verbreitet", sagt er.

Dominik Rzepka
Dominik Rzepka ist Redakteur im ZDF-Hauptstadtstudio Quelle: Koch/ZDF

Das sei zwar nachvollziehbar. Und doch mache es den Kampf gegen Falschnachrichten nicht einfacher, sagt Nehren. Den aber will Facebook nach eigenen Angaben vor der Bundestagswahl ausweiten. Insbesondere dadurch, dass das Unternehmen aktiv gegen Accounts vorgeht, die netzwerkartig Falschmeldungen verbreiten. "Dank technischer Fortschritte können wir besser gegen manuell erstellte Fake Profile vorgehen und nutzen neue Analysetechniken, um weitere Formen von Missbrauch zu erkennen und zu unterbinden", sagt ein Facebook-Sprecher heute.de.

Facebook bestätigt Austausch mit deutschen Sicherheitsbehörden

Im Klartext: Facebook setzt Analysesoftware ein, die erkennt, wenn die gleichen Inhalte mehrfach gepostet werden. Wenn also ein und derselbe Nutzer zwanzig verschiedene Facebook-Profile anlegt, die alle dieselbe Falschmeldung posten - und ihr so zu mehr Aufmerksamkeit und Weiterverbreitung verhilft. Facebook spricht hier von "gefälschten Profilen" - und die sind laut Regeln des Netzwerks verboten. Heißt übersetzt: Solche Accounts würde das Unternehmen entfernen. Im Rahmen der Frankreich-Wahl habe man bereits gegen 30.000 gefälschte Accounts vorgehen können.

Längst steht Facebook aus diesem Grund auch mit Behörden in Deutschland in Kontakt. Vor kurzem erst hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) Nachhilfeworkshops für Bundestagsabgeordnete und Kandidaten für die Bundestagwahl abgehalten. "In Berlin hatten wir drei Leute von Facebook mit dabei", sagt BSI-Sprecher Matthias Gärtner heute.de. Einige Abgeordnete wüssten schlicht nicht, wie sie gefälschte Facebook-Profile melden können. In diesem Rahmen habe sich das BSI als Scharnier zu Facebook angeboten. "Die Abgeordneten können sich also ans BSI wenden, wir checken das dann und übermitteln das an Facebook", so Gärtner.

Parteien rüsten auf: 3.000 "Netzfeuerwehrleute" bei den Grünen

Und auch die im Bundestag vertretenen Parteien sind angesichts möglicher Falschmeldungen kurz vor der Bundestagswahl alarmiert. "Wir haben einen direkten Kontakt zum Facebook-Politik-Team", sagt Hendrik Thalheim, Sprecher der Linkspartei. Gegen sogenannte Fake News wolle wolle man sich aktiv wehren. "Wir haben eine WhatsApp-Gruppe mit den wichtigsten Social-Media-Multiplikatoren", sagt er."Dieser Kreis wird gegebenefalls gegen uns betreffende falsche Behauptungen vorgehen. Auch rechtliche Mittel behalte sich die Linkspartei vor - ein Mittel, das auch Die Grünen im Extremfall anwenden würden.

Deren Wahlkampfmanager, Robert Heinrich, berichtet von einer "grünen Netzfeuerwehr". Knapp 3.000 grüne Aktivisten würden zur Bundestagswahl das Netz beobachten. "Sie schwärmen aus, wenn es darum geht, zum Beispiel gefälschte Politiker-Zitate zu entlarven", sagt er. "Diese Feuerwehr hilft uns binnen Stunden, wo Facebook oder der Staatsanwalt Tage bräuchten." Und auch bei der CDU hat man für den Fall möglicher Falschmeldungswellen vorgesorgt. "Wir bereiten uns so weit wie möglich vor. Bei Bedarf nehmen wir Kontakt zu Facebook auf", sagt eine Sprecherin.

Hackerangriff auf den Bundestag: Kommt da noch was?

Dass Facebook, BSI und die politischen Parteien das Thema Falschnachrichten im Bundestagswahlkampf ernst nehmen, hängt auch mit einem Angriff auf die Computer des Deutschen Bundestags 2015 zusammen. Experten beobachten mit Sorge, dass Informationen aus diesem Angriff bisher nicht an die Öffentlichkeit gelangt seien. Gut möglich, dass kompromottierende Informationen kurz vor der Wahl veröffentlicht werden könnten - und das bisher inaktive Profile in den sozialen Medien dann aktiv werden und die Meldungen tausendfach weiterverbreiten könnten.

Genau dagegen kündigt Facebook nun also verstärkt Gegenmaßnahmen an - allerdings, und daran lässt das Unternehmen keinen Zweifel, ohne die eigentlichen Inhalte der Meldungen zu bewerten. Ob der Sohn von Heiko Maas bei den G20-Protesten also wirklich festgenommen wurde oder nicht, ist Facebook egal. Viel Arbeit also für SPD-Onlinechef Tobias Nehren oder den grünen Wahlkampfleiter Robert Heinrich. Aber er hat ja immerhin noch 3.000 grüne Netzfeuerwehrleute an seiner Seite.

Dem Autor auf Twitter folgen: @dominikrzepka

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