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"Freunde zuerst" - Facebook startet News Feed in Deutschland

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"Freunde und Familie zuerst": 30 Millionen deutsche Facebook-Nutzer bekommen gerade diese Nachricht angezeigt. Der neue News Feed startet - mit weitreichenden Konsequenzen.

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Facebook startet News Feed in Deutschland Quelle: reuters

Es ist eine kleine Meldung, die Millionen deutsche Facebook-Nutzer gerade angezeigt bekommen: "Dank Feedback von unseren Nutzern wissen wir, dass Beiträge von Freunden und der Familie im News Feed für sie am wichtigsten sind", schreibt Facebook seinen Nutzern. Und weiter: "Daher haben wir einige Updates vorgenommen, damit du mehr Beiträge von ihnen siehst." Einige Updates? Das klingt harmlos. Keine große Sache. Doch in Wahrheit steht dahinter ein immens großer Einschnitt.

Mehr Bilder von Freunden, weniger Nachrichten

Es geht darum, welche Beiträge Facebook-Nutzer zuerst angezeigt bekommen. Längst sehen sie Fotos oder Statusmeldungen nicht mehr chronologisch. Oft genug sehen sie als erstes das Mittagessen ihrer Freundin vom Vortag. Die Eilmeldung von ZDFheute, gerade erst vor zehn Minuten gepostet, wird erst wesentlich weiter unten angezeigt - wenn überhaupt. Facebook bestimmt damit inzwischen, wie wir die Welt sehen, sagt der Journalist Richard Gutjahr. "Was dort nicht stattfindet, das hat auch in der Welt nie stattgefunden", sagt er über die Macht, die Facebook über seine Nutzer hat.

Das Update von Facebook fördert genau diese Entwicklung: Mehr Bilder von engen Freunden, dafür werden Nachrichten von klassischen Nachrichtenseiten seltener angezeigt. Angekündigt war es bereits, jetzt folgt die Umsetzung. Das Ziel: mehr Interaktionen. Bilder von Freunden dürften Nutzer öfter mit "Gefällt mir" markieren als Nachrichten von Nachrichtenseiten. Und genau darum geht es dem Unternehmen. Denn mit jedem "Gefällt mir" macht sich ein Nutzer für Facebook transparenter. Mit jedem "Like" verrät er ein bisschen mehr von sich. So kennt Facebook seine Nutzer besser und kann ihnen zielgruppengerechter Werbung verkaufen.

Politik überlegt, Facebook zu Transparenz zu zwingen

Das Geschäftsmodell ist umstritten. "Facebook enteignet seine Nutzer", kritisiert etwa Oskar Lafontaine (Die Linke). Private Angaben würden zu Geld gemacht. Lafontaine fordert eine öffentlich-rechtliche Alternative zu dem sozialen Netzwerk und mehr Regulierung großer Unternehmen wie Facebook. Denn wie genau Facebook den neuen News Feed in Deutschland verändert, dazu macht das Unternehmen nur vage Angaben. Muss Facebook seinen neuen News Feed und den Mechanismus dahinter, Experten sprechen von einem Algorithmus, transparent machen?

Neben Lafontaine hatte sich auch Justizminister Heiko Maas (SPD) dafür stark gemacht. "Menschen dürfen nicht von Technik beherrscht werden", hatte er im Jahr 2017 gesagt und ein Transparenzgebot für Algorithmen gefordert. Konsens ist das aber nicht. "Ich finde, ein Algorithmus ist Betriebsgeheimnis", sagt Lencke Steiner, Mitglied im FDP-Bundesvorstand und ehemalige Jurorin der TV-Sendung "Die Höhle der Löwen", dem ZDF heute journal. Coca Cola müsse sein Rezept ja auch nicht öffentlich machen. Außerdem werde niemand gezwungen, Mitglied bei Facebook zu sein. "Wenn es mir dort nicht passt, kann ich mich abmelden", sagt sie.

Facebook beendet umstrittenes News-Experiment

Negativ für Facebook ist offenbar eine andere Veränderung am eigenen News Feed angekommen. In sechs Ländern wie Bolivien, Serbien oder Sri Lanka hatte Facebook eine Zweiteilung des News Feed getestet. Nutzer bekamen einmal vor allem Fotos von Freunden und Bekannten angezeigt. Zum anderen zeigte ihnen das Unternehmen Nachrichten oder Sportinformationen, etwa von klassischen Medienunternehmen - losgelöst davon. Doch das ist in den entsprechenden Ländern offenbar nicht gut angekommen. "Die Menschen sagten uns, dass sie unzufriedener mit den Posts sind, die sie sehen", schreibt Adam Mosseri, der zuständige Facebook-Manager.

Zwei separate Anzeigen hätten nicht dazu geführt, dass sich Nutzer stärker mit Freunden und Familienangehörigen vernetzten. Dieses Experiment hat zwar nichts mit dem neuen News Feed in Deutschland zu tun. Doch es zeigt, wie wichtig dem Unternehmen Änderungen am News Feed sind. Welche Auswirkungen die Änderungen für Nutzer in Deutschland haben - dazu gibt Facebook trotz mehrfacher Nachfrage übrigens keine Auskunft. Keine Interviews vor der Kamera. Facebook-Nutzer müssen sich mit den recht vagen Angaben begnügen, die das Unternehmen seinen Nutzern anzeigt - auf Facebook.

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