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Datenskandal und Strafzölle - Facebook und Trump belasten die Aktienmärkte

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Im Zuge des Datenskandals um Facebook ziehen Anleger die Reißleine - der Kurs des Unternehmens stürzt ab. Trumps Wirtschaftspolitik belastet die Börsen zusätzlich.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg kündigte Konsequenzen an.
Facebook-Chef Mark Zuckerberg kündigte Konsequenzen an.
Quelle: Marcio Jose Sanchez/AP/dpa

Es ist nicht übertrieben, von einem Ausverkauf zu sprechen, wenn man in diesen Tagen den Verlauf des Börsenkurses von Facebook beobachtet. Um fast 15 Prozent sind die Aktien des Unternehmens in dieser Woche an der Technologiebörse Nasdaq in den Keller gerauscht. Die wohl größte Krise des Konzerns dürfte so manches Loch in die Bilanz von Anlegern und Investoren reißen: In Folge des Skandals ist der Börsenwert des Unternehmens aus dem kalifornischen Cupertino um fast 80 Milliarden Euro geschrumpft. Zum Vergleich: Der teuerste Börsenkonzern Deutschlands, SAP, bringt einen Börsenwert von umgerechnet gut 120 Milliarden Dollar auf die Waage.

Und ein Ende der Talfahrt ist nach dieser desaströsen Woche noch nicht abzusehen. Denn Konzernchef Mark Zuckerberg hat sich – mit einiger Verspätung – zwar für die Vorgänge des Datenskandals rund um Cambridge Analytica entschuldigt. Wesentliche Fragen allerdings blieben offen, sodass das Vertrauen erst einmal dahin sein dürfte. Anleger in San Francisco verklagen den Konzern, weil er "falsche und irrtümliche Aussagen" zur Firmenpolitik gemacht habe. In den vergangenen Tagen war bekannt geworden, dass Daten von 50 Millionen Facebook-Mitgliedern von Cambridge Analytica mutmaßlich auf unlautere Weise eingesetzt wurden, um US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf zu helfen und den Einzug ins Weiße Haus zu erleichtern.

Facebook reißt Technologie-Aktien runter

Der Datenskandal hat das Potential, den aufstrebenden Technologiekonzernen mächtig in die Parade zu fahren. Denn auch andere Technologieaktien sind in der Folge des Facebook-Skandals in dieser Woche unter die Räder geraten: Der Index der Technologiebörse Nasdaq hat mit 6,5 Prozent noch mehr Federn lassen müssen als die Leitindices Amerikas, der Dow Jones oder auch der S&P-Index.

Während Facebook in dieser Woche die Negativ-Schlagzeilen beherrschte, haben Anleger aber auch allgemein den Rücktritt aus dem Aktienmarkt angetreten. Ob und wie Facebook die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten beeinflusst hat, wird wahrscheinlich nie eindeutig geklärt werden. Fest steht aber, dass der Mann im Weißen Haus mit seinen Strafzöllen einmal mehr für Panik und Schrecken an den Aktienmärkten gesorgt hat.

Gnadenfrist für die EU – härteres Vorgehen gegen China

Dabei konnte Europa zwar ein wenig aufatmen, als das Weiße Haus verlautbaren ließ, die Europäische Union vorerst von den Strafzöllen auszunehmen. Europa hat also in letzter Minute noch eine Gnadenfrist seitens der Trump-Regierung eingeräumt bekommen. Allerdings hat der US-Präsident quasi im gleichen Atemzug die Gangart insbesondere gegenüber China verschärft.

Trump will chinesische Waren im Volumen von 60 Milliarden Dollar mit höheren Zöllen belegen. Das Thema eines Handelskrieges zwischen den zwei mächtigsten Wirtschaftsnationen der Welt ist also alles andere als vom Tisch. Das könnte auch Folgen für die europäischen Volkswirtschaften haben und insbesondere der deutschen Exportwirtschaft schaden. "Die Welt ist heute so vernetzt und die Globalisierung so weit fortgeschritten, dass ein Schaden, den man an einer Ecke der Welt anrichtet auch Auswirkungen hat an einer anderen", sagt Martin Lück, Chefvolkswirt Deutschland beim US-Vermögensverwalter Blackrock. "Selbst wenn die Europäische Union jetzt ausgenommen wird von den US-Zöllen – die EU hat einen erheblichen Handelsanteil mit China. Das würde ganz besonders uns hier in Deutschland betreffen".

"Wir alle sind ein bisschen China" – Unruhige Zeiten an den Börsen

So sagte denn auch der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Martin Wansleben: "Wir alle sind auch ein bisschen China". Mit Blick auf die Finanzmärkte kann man sagen, dass diese Befürchtung allgemein bei Investoren sehr verbreitet ist. Jedenfalls gehen Beobachter davon aus, dass es auch in naher Zukunft noch unruhige Zeiten an den Börsen geben dürfte. Zumal auch Gegenwind von der amerikanischen Notenbank kommt, die in dieser Woche die Zinsen weiter angehoben hat und mindestens zwei weitere solcher Schritte in diesem Jahr plant. Die Geldschwemme dürfte jenseits des Atlantiks also langsam zurückgehen, was die Aktienmärkte zusätzlich belastet.

Unter dem Strich heißt das: Es liegt eine schwarze Woche hinter den internationalen Aktienmärkten. Auch der DAX hat deutlich Federn lassen müssen. Mit einem Minus von gut vier Prozent rutschte der Leitindex am Deutschen Aktienmarkt in dieser turbulenten Handelswoche am Freitag unter die Marke von 12.000 Punkten – und damit auf den tiefsten Stand dieses Jahres.

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