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Nacktheit auf Facebook - Rubens und die Sittenwächter

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Damals wie heute sorgt die nackte Haut aus dem Pinsel des Malers Rubens für Probleme mit Zensoren: Wo einst die Kirche noch Lendenschürze verordnete, blockiert Facebook heute ganz.

Nackte Haut wird bei Facebook konsequent gelöscht, sogar wenn es um Kunstwerke geht. Dagegen wehrte sich jetzt erstmals ein Museum aus Antwerpen.

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Seit vier Jahrhunderten kennt die Welt die üppigen Nackten des flämischen Meisters Peter Paul Rubens. Sie haben bei Generationen von Menschen gleichermaßen Bewunderung und moralische Empörung ausgelöst, und die Moral- und Sittenwächter seiner Zeit setzten durch, dass bei Adam und Eva die Blößen mit dem berühmt gewordenen Feigenblatt bedeckt werden mussten.

Doch das ist dem Internetgiganten Facebook im 21. Jahrhundert nicht mehr genug. Er blendet in automatisierter Zensur Rubensbilder aus, mit dem belgische Museen für einen Besuch Flanderns werben wollen. Und die haben damit ein Problem: "Es ist wirklich peinlich für Visitflanders, dass wir nicht eines unserer größten Werke der Welt zeigen können", sagt die Sprecherin des Tourismusbüros, Tama d'Haen. "Deshalb hatten wir die Idee mit einem Video."

Strenge Facebook-Regeln für anstößige Inhalte

In diesem ironischen Film lotst das Aufsichtspersonal im Rubens-Museum Besucher von Gemälden mit Nackten weg zu Darstellungen mit bekleideten Personen. Ein Aufseher breitet sogar seine Arme vor "Adam und Eva" aus, um es zu verdecken. "20 Prozent unserer den flämischen Meistern gewidmeten (Facebook) Posts können unserem Publikum, unserem kulturellen Publikum weltweit, nicht gezeigt werden", klagt d'Haen. Unterstützung bekommt Visitflanders von einem Dutzend belgischer Kulturbeauftragter, die Facebook-Chef Mark Zuckerberg schrieben: "Die von unserem Künstler gemalten entblößten Brüste und Hintern werden von Ihnen als unangemessen betrachtet. Wir haben zur Kenntnis genommen, dass Facebook stetig Kunstwerke unseres geliebten Peter Paul Rubens ablehnt."

Facebook sagt, man sei sich des Problems bewusst. Aber eine Aufhebung der Blockade für Rubensgemälde als Kunst wäre im Falle einer Werbekampagne, wie Visitflanders sie führt, nicht genug. Denn die Facebook-Regeln bezüglich anstößiger Inhalte bei Werbung sind noch strenger gefasst. "Adult Content" ist unzulässig, und der ist definiert als "Nacktheit, Darstellung von Menschen in expliziten oder zweideutigen Stellungen oder Aktivitäten, die offen erregend und sexuell provozierend sind". Weiter einschränkend heißt es, auch "angedeutete Nacktheit, selbst künstlerischer und bildender Natur" gehörten zu den Inhalten, die automatisch abgelehnt würden. Und da sind Rubens und die anderen alten Meister sozusagen auf frischer Tat ertappt.

Facebook will das Problem diskutieren

D'Haen sagt, sie wünsche sich, dass Facebook zwischen Nacktheit allgemein und pornografischen Darstellungen unterscheidet. Heutige Museumsbesucher hätten sich noch nie über die Rubensbilder mit nackten Menschen beschwert. Facebook habe zugesagt, das Problem im Detail zu erörtern. Facebook teilte in einer E-Mail an die Nachrichtenagentur AP mit, dass die Kunstproblematik Teil einer seit längerem laufenden Überprüfung sei. "Wir wollen sicherstellen, dass Museen und andere Institutionen einige ihrer berühmtesten Gemälde teilen können."

Rubens wäre die Zensur des 21. Jahrhunderts nicht ganz fremd. Die katholische Kirche setzte durch, dass er seinen Venus-Darstellungen Lendenschürze verpasste, obwohl er künstlerisch nackte Haut bevorzugt hätte. Er war nicht der einzige berühmte Maler, der sich der Kirche beugen musste, sagt der Direktor des italienischen Kulturinstituts in Brüssel, Paolo Grossi. "Jeder kennt die Geschichte von "Il Braghettone", dem berühmten Daniele da Volterra, der gebeten wurde, Lendenschürze über Michelangelos Nackte im "Jüngsten Gericht" (in der Sixtinischen Kapelle) zu malen." "Il Braghettone" ist ein Spottname: "der Hosenmaler".

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