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Nachhaltige Produktion - Kann ein Smartphone fair sein?

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Nach Fairtrade-Kaffee und -Kleidung gibt es Anbieter, die sogar Smartphones fair produzieren wollen. Von der Suche nach dem guten Gewissen in afrikanischen Minen.

Ein mit zertifizierten Rohstoffen hergestelltes Fairphone (Archivbild).
Ein mit zertifizierten Rohstoffen hergestelltes Fairphone (Archivbild). Quelle: imago

Nachhaltig produzieren und trotzdem Geld verdienen - wie geht das? Immer mehr Unternehmen versuchen dem Konsumentenwunsch nach fairen Produkten nachzukommen. Aber sie stoßen oft an Grenzen, denn die globale Marktwirtschaft bietet wenig Spielraum.

"Wir entschieden uns, Teil des Systems zu werden, um es von innen zu verändern", erzählt "Fairphone"-Managerin Laura Gerritsen. "Kaum jemand kümmert sich darum, woher die 54 Mineralien in einem Smartphone kommen und wie sie ausgebuddelt werden". Gerritsen, die für den kleinen holländischen Hersteller "Fairphone" arbeitet, möchte eine faire Produktionskette für ihr Produkt aufbauen.

In Uganda besucht sie deshalb eine Goldmine. Dort haben sich die Arbeiter in einer Genossenschaft zusammengetan, graben nicht mehr wild. Früher gab es viele Unfälle, Wände stürzten ein, heute sind die Schächte mit Holz verkleidet, die Arbeit ist sicherer, die Löhne fair. Die Arbeiter erhalten 95 Prozent des Weltmarktpreises für Gold, üblich sind nur dreißig Prozent. Diese Mine ist ein guter Partner für ihr Unternehmen.

Mit Reparierbarkeit punkten

Was kaum jemand weiß: In jedem Smartphone ist ein kleine Menge Gold verbaut. Weltweit summiert sich das auf 180 Tonnen des edlen Metalls. Mehr als 50 Materialien werden in Handys verwendet, darunter auch Wolfram, Zinn und Tantal. Für diese Rohstoffe ist es Fairphone mittlerweile ebenfalls gelungen, eine faire Produktionskette aufzubauen.

Trotz des nachhaltigen Anspruchs hat es das Unternehmen schwer auf dem Markt, denn es muss mit den ganz großen Playern wie Samsung oder Apple mithalten - und die haben ganz andere technische Entwicklungsmöglichkeiten. Fairphone muss damit leben, dass es immer modernere Smartphones zu kaufen geben wird. Deshalb will man neben der nachhaltigen Lieferkette auch mit der Reparierbarkeit beim Kunden punkten. Aber auch das ist nicht einfach umzusetzen: Für das erste Gerät des Unternehmens, das Fairphone 1, sind mittlerweile die Ersatzteile ausgegangen, für die Zulieferer ist Fairphone nur ein kleiner Kunde unter vielen.

Der Preis des guten Gewissens

"Man kann die Vision haben von weniger Konsum und längerer Verwendung der Produkte. Aber das Problem ist, dass man das in einem System machen muss, das auf die alte Weise funktioniert", meint Fairphone-Gründer Bas van Abel. Er will eine Bewegung für faire Elektronik-Produkte anstoßen und zu einer Wirtschaft beitragen, die auf sozialen und ethischen Werten basiert.

Kaufen mit gutem Gewissen - das kann schon mal bedeuten: ein wenig teurer oder auch technisch nicht auf dem allerneuesten Stand. Dafür aber fair und nachhaltig.

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