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Fairphone 3 - Handys: Es geht auch nachhaltiger

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Handys zählen nicht gerade zu den nachhaltigen Fair-Trade-Produkten. Der Hersteller Fairphone arbeitet daran, das zu ändern - und stellt sein mittlerweile drittes Modell vor.

Fairphone-Chefin Eva Gouwens präsentiert das neue Handy des Unternehmens in Berlin
Das neue Modell: Fairphone-Chefin Eva Gouwens bei der Präsentation in Berlin
Quelle: dpa

Nachhaltig, fair, reparierbar, lange nutzbar - nicht gerade das, was man mit Handys in Verbindung bringt. Für die niederländische Initiative Fairphone ist das hingegen erklärtes Ziel. Der kleine Hersteller hat jetzt in Berlin die dritte Generation seines Smartphones vorgestellt, das Fairphone 3. Es beweise, "dass Fairness und ein schonender Umgang mit Ressourcen mit Komfort und technischen Möglichkeiten vereinbar sind", sagte Firmenchefin Eva Gouwens.

Ein Handy enthält mehr als 50 verschiedene Materialien, darunter viele seltene Erden, die aus den unterschiedlichsten Teilen der Welt stammen. Fairphone hat sich vorgenommen, möglichst "konfliktfreie Mineralien" zur Herstellung zu nutzen, die unter menschenwürdigen Bedingungen produziert werden.

Bei der Gold-Gewinnung beispielsweise arbeitet das Unternehmen mit einer Kooperative in Uganda zusammen, bei der die Minenarbeiter unter faireren Bedingungen arbeiten und mehr verdienen als in konventionellen Minen. "Fairphone war der erste Elektronikhersteller weltweit, der Fairtrade-Gold in seine Lieferkette integrierte", betont Firmengründer Bas van Abel. Zu den verwendeten Materialien für das Fairphone 3 gehören nach Angaben des Unternehmens auch verantwortungsvoll und konfliktfrei gehandeltes Zinn und Wolfram, recyceltes Kupfer und Kunststoff.

Nachhaltig gewonnene Rohstoffe

Weiterhin soll der modulare Aufbau der Geräte Reparaturen vereinfachen. Viele Hardware-Teile wie der Bildschirm, die Kameras und der Akku können nachgekauft und eigenhändig ausgetauscht werden. Die Transparenz über Kosten und Lieferketten sowie die Reparierbarkeit sei "positiv zu bewerten", urteilt Philipp Sommer von der Deutschen Umwelthilfe über das Handy.

Aktuell ist die Smartphone-Industrie auf einem katastrophalen Stand, was Nachhaltigkeit betrifft. Auch weil die Geräte tendenziell immer kurzlebiger werden und schwerer zu reparieren sind.
Philipp Sommer, Deutsche Umwelthilfe

"Aktuell ist die Smartphone-Industrie auf einem katastrophalen Stand, was Nachhaltigkeit betrifft", so Sommer. "Auch weil die Geräte tendenziell immer kurzlebiger werden und schwerer zu reparieren sind." Neben der Gewinnung der Rohstoffe müsse auch der Lebenszyklus der Geräte nachhaltig gestaltet sein, fordert er.

Handys haben nur kurze Lebensdauer beim Kunden

Besonders die großen Unternehmen hätten da Nachholbedarf, rügt Sommer: "Weder Samsung noch Apple stellen Original-Ersatzteile für Endkunden und unabhängige Werkstätten problemlos zur Verfügung. Bei Apple ist die Hardware absichtlich aufwendig verbaut und auch weil das Unternehmen keine Original-Ersatzteile problemlos zur Verfügung stellt, wird die Reparatur oft teuer." Deshalb sieht er das beliebte iPhone lediglich im mittleren Bereich bezüglich seiner Nachhaltigkeit.

Dass Telefone so schwer reparierbar sind, liege eher am Design, erläutert Analystin Carolina Milanesi vom US-Marktforscher Creative Strategies. Miniaturisierung und vor allem Staub- und Wasserdichtigkeit ließen sich anders nur schwer erreichen. Ein modulares Design, bei dem man defekte Bauteile leichter austauschen könnte, bieten bislang nur wenige Hersteller wie Fairphone oder Shiftphones. Der leichte Teiletausch bedingt allerdings eine Konstruktion, die sich sehr schlecht anpassen lasse - sowohl bei Bauteilen als auch bei der Materialwahl, so Milanesi.

Umwelthilfe-Experte Sommer fügt noch einen weiteren Punkt an: Geräte wie die von Apple hätten zwar eine hohe Qualität und einen relativ hohen Wiederverkaufswert, aber neben der aufwendigen Reparatur schneide das Unternehmen auch bei den Software-Updates schlechter ab. So gebe es für ältere Modelle keine Updates mehr, wodurch viele Standard-Apps nicht mehr funktionieren. Ein Grund für viele Nutzer, sich ein neues Handy zu kaufen. Fairphone verspricht, die Software fünf Jahre lang mit Updates zu versorgen.

Marktanteil gering

Fairphone kann mit dem Marktanteil der großen Smartphone-Hersteller nur schwer mithalten: Von den ersten beiden Geräte-Generationen seit 2013 setzten die Niederländer 175.000 Stück ab. Zum Vergleich: Allein im Jahr 2018 wurden weltweit rund 1,7 Milliarden Smartphones verkauft. Um den großen Gewinn gehe es aber auch nicht, sagt Fairphone-Sprecher Fabian Hühne. Als Sozialunternehmen wolle man sich für Veränderungen in der Elektronikindustrie einsetzen und dafür, "dass die Initiativen, die es anstößt, auch von anderen Unternehmen übernommen werden".

Philipp Sommer von der Umwelthilfe ist skeptischer: "Das Fairphone 3 zeigt zwar, dass Verbesserungen möglich sind, aber solange so wenige Menschen bei Smartphones auf Nachhaltigkeit achten, wird das auch von den großen Unternehmen als Nischenmarkt und nicht als richtungsweisend wahrgenommen." Er rät grundsätzlich: Kunden sollten darauf achten, nach Möglichkeit ein gebrauchtes Gerät zu kaufen, das Smartphone bei Schäden zu reparieren und es so lange wie möglich nutzen. Und wenn es doch ein Neues sein soll, dann sollte man beim Kauf auf hohe Qualität, langen Support und gute Reparierbarkeit achten.

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