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Fake-News-Debatte - Trumps Spiel mit den Medien

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Im Jahr eins der Regierung Trump ist das Vertrauen der Amerikaner in die Medien dramatisch gesunken. Fake News und Trump-Tweets setzen den Journalisten zu.

Donald Trump am 16.01.2018 in Washington
Donald Trump am 16.01.2018 in Washington Quelle: ap

"I don’t believe the liberal media" - "Ich glaube den liberalen Medien nicht", steht auf dem Aufkleber an der Stoßstange des Pick-up-Trucks. Der Besitzer des Wagens wohnt in einem schmucken Einfamilienhaus in einem Vorort von New York. Seine Nachbarn ein paar Häuser weiter abonnieren zwar die "New York Times", finden aber, dass darin immer weniger berichtet und immer mehr kommentiert wird. "Manchmal weiß man wirklich nicht mehr, was wahr ist und was falsch."

Fake News, ein Riesenproblem

Ein Jahr nach dem Amtsantritt von Donald Trump stecken die US-Medien in einer Glaubwürdigkeitskrise. Laut einer Studie des renommierten PEW Research Center haben gerade mal 20 Prozent der Amerikaner "großes Vertrauen" in die nationalen Medien. Nachrichten von Twitter, Facebook und Co. halten nur fünf Prozent für vertrauenswürdig. Zwei von drei Befragten meinen, dass gefälschte Informationen ein Riesenproblem sind und zunehmend Verwirrung stiften.

Aber es sind nicht nur die Leser, Fernsehzuschauer und Internetnutzer, die verwirrt sind, auch Redaktionen und Reporter fühlen sich verunsichert. "Viele Journalisten fragen sich, wie sie in Zeiten von Fake News und Präsidenten-Tweets neutral und fair berichten sollen. Sie zweifeln an ihrer traditionellen Rolle als unparteiische Beobachter", meint Rodney Benson, Professor für Kommunikation an der New York University. "Soll man beide Seiten zu Wort kommen lassen, auch wenn die Argumente der einen Seite ganz offensichtlich alternative Fakten oder schlicht Lügen sind?"

Medien in der Zwickmühle

Qualitätszeitungen wie die "New York Times" versuchen zwar weiterhin, ausgewogen zu berichten, aber sie stecken oft in der Zwickmühle, sagt Benson. "Vor einigen Wochen veröffentlichte die "Times" eine Reportage über einen ultrarechten Aktivisten - und wurde dafür von ihrer liberalen Leserschaft scharf kritisiert; der Bericht "normalisiere" den rechten Extremismus. Gleichzeitig wird die "NY Times" allabendlich vom ultrakonservativen Sender Fox News an den Pranger gestellt für ihre Trump-kritische Berichterstattung.

Die Medienlandschaft in den USA ist im Jahr eins der Regierung Trump genauso stark polarisiert wie die Öffentlichkeit. Wer Fox News sieht und Breitbart News liest, lebt in einer anderen Welt als ein CNN-Zuschauer, der die "Washington Post" abonniert. Die Fakten und Nachrichten des einen sind die Fake News des anderen. Und ein überzeugter Trump-Wähler lässt sich weder von der "Washington Post" noch von der "New York Times" bekehren.

Journalisten spielen Trumps Spiel

Das sollte auch gar nicht das Ziel sein, findet Medienprofessor Benson. Wichtiger als die Jagd nach neuen Lesern sei die ernsthafte Auseinandersetzung mit Trumps Politik. "Die Mehrheit der Journalisten spielt Trumps Spiel. Sie berichten über jeden seiner Tweets und jede seiner unglaublichen Äußerungen, in der Hoffnung, dass die Leute irgendwann aufwachen und sehen, was für ein Depp er ist." Diese Strategie hat bisher allerdings nicht funktioniert.

Trumps Tweets sind vor allem eines: ein geschicktes Ablenkungsmanöver. Jüngstes Beispiel: Kurz vor Jahresende hat die Regierung in Washington wichtige Weichen in der Umweltpolitik gestellt - weitgehend unbeachtet von der Hauptstadtpresse, die sich über Trumps Weihnachts-Tweets aufregte.

Amtsenthebung nicht Job der Medien

"Die Medien dürfen nicht ständig nach der Pfeife des Präsidenten tanzen, sie müssen ihre eigenen Akzente setzen und über die wirklich wichtigen Themen Umwelt, Einwanderung, Steuer und Gesundheitsreform berichten", fordert Professor Benson. "Dazu brauchen sie einen langen Atem, aber ich bin mir sicher, dass sich der Erfolg bei den Wahlergebnissen im November zeigen wird." Können die liberalen Medien den Kampf gegen den Präsidenten also doch noch gewinnen?

"Die Aufgabe der Medien ist es nicht, den Präsidenten aus dem Amt zu heben. Wenn wir zurückblicken auf den Watergate- Skandal, waren es damals auch nicht allein die Medien, die die Nixon-Regierung in die Knie gezwungen haben. Es waren der Kongress und einige Republikaner, die den Präsidenten am Ende nicht mehr unterstützt haben." Genau diese politische Verantwortung fehlt derzeit allerdings.

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