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#ZDFcheck17: Fake News im Wahlkampf - Subtile Einmischung statt Holzhammer-Methode

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Vor der Bundestagswahl waren alle in Habachtstellung: Sicherheitsexperten und Politiker warnten vor Fake News, diverse Medienunternehmen setzten Faktencheck-Task-Forces ein. Die Angst vor der Beeinflussung der Wahl durch Falschmeldungen war groß. War sie berechtigt?

Fake News: laut Duden ein umgangssprachlicher Ausdruck für in manipulativer Absicht verbreitete Falschmeldungen in den Medien und im Internet, besonders in Social-Media-Plattformen. Die Angst davor ist aus den USA nach Europa geschwappt. Während der Präsidentschaftswahlen Ende 2016 gab es eine Vielzahl von Falschmeldungen. Einige hatten einen wahren Kern, andere waren völlig abstrus. So wurde etwa die Geschichte verbreitet, die demokratische Kandidatin Hillary Clinton betreibe ein Pädophilennetzwerk.

Wo gab es Falschaussagen?

Allerdings sind von deutschen Sicherheitsbehörden keine Hinweise auf gezielte Desinformationskampagnen im Netz vor der Bundestagswahl gefunden worden. Trotzdem konnte man immer wieder während des Wahlkampfes sehen, dass es durchaus verfälschte Aussagen gab – nicht nur in den sozialen Medien, sondern auch in den verschiedenen Wahlsendungen. Die Spannbreite reichte da von Statistiken, die im Sinne der jeweiligen Partei freizügig interpretiert wurden, über verkürzte oder falsch eingeordneten Zitate, bis hin zum Einsatz von Photoshop, um etwa Wahlplakate zu bearbeiten. Die meisten Vorkommnisse waren aber leicht oder subtil abgeänderte Äußerungen und geplant manipulative.

Beispiele aus unserer Redaktion: Besonders häufig kam es im Zusammenhang mit Migration und Kriminalität zu Diskussionen. Besonders die Spitzenkandidatin der AfD, Alice Weidel, wollte häufig mit Statistiken ihre Thesen untermauern. So sagte sie im ZDF-Morgenmagazin, dass nicht einmal 0,5 Prozent der Asylbewerber nach deutschem Asylgesetz überhaupt asylberechtigt sind. Die Angabe 0,5 Prozent stimmt – allerdings nur, wenn man sich auf die Asylbewerber bezieht, die nach Artikel 16a des Grundgesetzes anerkannt sind und die 34,2 Prozent verschweigt, die denselben Status nach der Genfer Flüchtlingskonvention innehaben.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) warf den Grünen bei einer TV-Sendung vor, sie würden eine Untergrenze für die Flüchtlingsaufnahme in ihrem Wahlprogramm fordern. Auch hier: Das Wort Untergrenze ist tatsächlich im Programm zu finden, aber es steht als Synonym für Mindeststandards und nicht für eine Anzahl von Flüchtlingen. Dies ist die klassische Methode, Aussagen nicht korrekt und ohne einordnenden Zusammenhang zu "zitieren".

In den sozialen Netzwerken waren etliche gefälschte Plakate zu finden. Sie wurden meist innerhalb bestimmter Zielgruppen geteilt. Absicht dahinter: die Vorurteile dieser Gruppe zu bestätigen und den Gegner schlecht zu machen. Beispiel: eine Fotomontage, die zeigen sollte, dass der CDU-Slogan "Für ein Land, in dem wir gut und gerne leben“ schon zu DDR-Zeiten ein SED-Wahlspruch gewesen ist. Hierbei handelt es sich in der Tat um eine typische Fake News mit der Absicht zur Manipulation.

Die Rolle der sozialen Netzwerke

Richtig gefruchtet haben die Aktionen in den sozialen Netzwerken nicht. Absender und Empfänger waren vielmehr meistens in denselben Filterblasen unterwegs und die virale Verbreitung beschränkte sich demnach auf begrenzte Gruppen. Auch hat sich Deutschland bislang nicht als das Land gezeigt, in dem soziale Netzwerke einen großen Stellenwert bei der Informationsbeschaffung haben.

Laut aktuellen Angaben hat Facebook etwa in Deutschland derzeit mehr als 30 Millionen angemeldete Nutzer. Man kann also durchaus davon ausgehen, dass das soziale Netzwerk einen Anteil an der Meinungsbildung in Deutschland hat. Trotzdem ist der Einfluss von Facebook und Co. in Deutschland längst nicht so groß wie in den USA. Das zeigt der Digital News Report der Uni Oxford. Demnach ist Facebook nur für 7 Prozent der Befragten die wichtigste Informationsquelle für Nachrichten – allerdings mit Tendenz nach oben. Der Großteil der Deutschen informiert demnach weiterhin über die TV-Nachrichten.

Beim Kurznachrichtendienst Twitter sind zwar während des Wahlkampfes durchaus Bots und Trolle im Einsatz gewesen und es gab gezielte Desinformationen. Aber Twitter spielt in Deutschland keine wichtige Rolle in der öffentlichen Meinung, weshalb kaum von einem messbaren Einfluss ausgegangen werden kann. Das bestätigt auch die Studie des Oxford Internet Institutes vom 19. September 2017. Die Debatte bei Twitter wurde vielfach durch die AfD bestimmt. (siehe auch: Wo sich die Rechte sammelt)

Gefahren und Möglichkeiten steigen gleichermaßen

Letztendlich lässt sich sagen, dass es zwar immer wieder Fake News während des Wahlkampfes gegeben hat, aber keine zielgerichtete oder koordinierte Kampagne, die den Wahlausgang beeinflusst hat. Kommunikationswissenschaftler Alexander Sängerlaub, der in einer Studie die Entstehung und den Einfluss von Fake News untersucht hat, kommt zu folgendem Schluss: "Desinformationen treffen nach unserem Eindruck in Deutschland auf einen geringeren Nährboden als in den USA. Die historische Erfahrung Deutschlands mit zwei totalitären Systemen, in denen Propaganda öffentliche Debatten manipulierte, mag zusätzlich einen Teil der Sensibilisierung bedingen."

Sicher ist aber auch, dass die Anzahl der Informationsquellen in den letzten Jahren exorbitant zugenommen hat. Bei dem riesigen Angebot wird es immer schwieriger, den Überblick zu behalten und nicht auf Fake News reinzufallen. Somit bleibt auch nach der Wahl weiterhin die Herausforderung bestehen: Acht geben, Aussagen hinterfragen und sich verschiedene Informationsquellen nutzen.

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