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#ZDFcheck17: Gekaufte Fake News - Das Millionengeschäft mit der Lüge

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Einen Journalisten diskreditieren oder gar eine Wahl beeinflussen: All das bieten Fake-News-Produzenten für entsprechende Summen im Untergrund an. Mit den Falschmeldungen wollen die Auftraggeber die öffentliche Meinung in ihre Richtung lenken. Auch Facebook will jetzt reagieren.

Was tun gegen Falschmeldungen im Netz? Politiker fordern gesetzliche Regelungen und Strafen, um Verbreiter von Lügen und Fehlinformationen zur Verantwortung zu ziehen.

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Die Beeinflussung einer demokratischen Wahl? Kein Problem, die gibt's für etwa 400.000 US-Dollar. Oder "nur" eine Kampagne, die öffentliche Proteste auslöst? Für 200.000 Dollar zu haben. Billiger ist die Diskreditierung eines Journalisten (Preis: 55.000 Dollar) oder eine "prominente" Kunstfigur mit 300.000 Followern (Preis: 2.600 Dollar).

Der Auszug aus der Angebotspalette hört sich an wie aus dem Drehbuch eines schlechten Filmes über die Auswüchse der digitalen Welt. Ist aber Realität, fein säuberlich aufgezeichnet von der IT-Sicherheitsfirma Trend Micro, die das florierende Untergrundgeschäft mit Falschmeldungen aufgespürt hat. Auf 81 Seiten hat die Firma ihre Ergebnisse nun öffentlich gemacht.

Fake News sind ein florierendes Geschäft

"Seitdem Fake News als Dienstleistung angeboten werden, ist es einfacher als je zuvor, soziale Netzwerke und andere Online-Plattformen zu manipulieren und darüber die öffentliche Meinung zu beeinflussen", so Bharat Mistry, Sicherheitschef von Trend Micro. Und es ist ein florierendes Geschäft, wie die Studie verdeutlicht. Sie nennt dabei auch namentlich zahlreiche Akteure - meist mit Sitz in China, dem Nahen Osten und Russland.

Zudem veranschaulicht die Untersuchung die Besonderheiten in unterschiedlichen Regionen der Welt sowie die Strategien, mit denen Fake-News in unterschiedlichen sozialen Netzwerken verbreitet werden. Während der Markt mit Falschmeldungen und Identitäten in China eher ein interner Markt ist, sind vor allem die russischen Auftragsproduzenten internationaler aufgestellt und wohl auch in Deutschland aktiv.

Täter gehen hochprofessionell vor

"Unser Bericht untersucht, wie ein Ökosystem im Untergrund Fake News produziert, sie auf dem Schwarzmarkt anbietet und dort zu Geld macht", so Trend Micro.
Die Vorgehensweise der Fake-News-Produzenten ist dabei dennoch meist sehr ähnlich. Trend Micro spricht von einem "Fake News Zyklus", der im Prinzip so abläuft: Hat ein Käufer das nötige Geld, werden verschiedene Nachrichtenseiten aufgebaut oder genutzt.

Professionelle Schreiber erfinden eine Falschmeldung, die auf den Seiten platziert werden. Teilweise zitieren und verweisen die Seiten dabei aufeinander. Zusätzlich steht den Produzenten ein Heer an bezahlten Helfern und Bots zur Verfügung, die die Artikel mit falschem Inhalt auf den sozialen Plattformen über Likes und Klicks pushen und der jeweiligen Plattform vorgaukeln, dass es sich um einen wichtigen und besonders beliebten Artikel handelt. Ein hochprofessionelles Vorgehen.

Facebook will reagieren

Auch die sozialen Plattformen sind sich der zunehmenden Gefahren bewusst, die von solchen Falschmeldungsproduzenten ausgehen. Ohne konkrete Beispiele zu nennen, hatte etwa Facebook Ende April in einem Bericht davor gewarnt: "Wir müssen unseren Sicherheitsfokus auf subtilere und heimtückische Missbrauchsformen erweitern, die das Ziel haben, den bürgerlichen Disput zu manipulieren und Menschen zu täuschen."

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