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Antibiotika in der Landwirtschaft - Das Problem mit den Resistenzen

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Antibiotika sind wichtige Medikamente zur Behandlung von bakteriellen Infektionskrankheiten bei Menschen und Tieren. Durch ihren fehlerhaften Einsatz können Resistenzen entstehen.

Archiv: Eine Ärztin betreut eine Patientin auf der Intensivstation, aufgenommen am 30.07.2018 in Bad Belzig
2015 starben mehr als 2300 Menschen in Deutschland durch multiresistente Keime.
Quelle: imago

Antibiotika-Resistenzen bewirken, dass bakterielle Infektionen nur schwer oder gar nicht zu behandeln sind. Nach einer Studie des Mahidol Oxford Research Centre (MORU) in Bangkok und des Infectious Diseases Data Observatory (IDDO) in Oxford sterben jährlich weltweit rund 700.000 Menschen an Infektionen, gegen die Antibiotika machtlos geworden sind.

Auch in Deutschland kommen jedes Jahr Menschen ums Leben, weil die vorhandenen Antibiotika ihre Wirkung eingebüßt haben. Laut Europäischer Seuchenbehörde (ECDC) gab es 2015 hierzulande mehr als 2.300 Todesfälle durch multiresistente Keime. Damit rangierte Deutschland auf Platz drei im europäischen Vergleich. Mehr Opfer von Antibiotika-Resistenzen gab es innerhalb von Europa nur in Italien und Frankreich.

Die Ursachen für die Resistenzentwicklung sind vielfältig

Viele krankmachende Mikroorganismen können sich binnen kurzer Zeit vermehren. Zufällig auftretende Mutationen können dazu führen, dass die Folgegenerationen dieser Keime unempfindlich gegenüber Antibiotika sind. In der Humanmedizin fördern leichtfertiges Verschreiben von Antibiotika -  beispielsweise ohne gesicherte Diagnose - und verfrühtes Absetzen Resistenzbildungen. Ebenso begünstigt der Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung die Entstehung und Ausbreitung resistenter Keime, wenngleich noch nicht sicher geklärt ist, in welchem Umfang die Tierhaltung für die Resistenzbildung verantwortlich ist.

Nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) sind in tierischen Lebensmitteln bei einer bestimmungsgemäßen Anwendung von Antibiotika bei Nutztieren jedenfalls keine gesundheitlich bedenklichen Rückstände von Antibiotika vorhanden. Jedoch können bei der Lebensmittelproduktion resistente Keime aus der Tierhaltung auf Lebensmittel, z.B. Fleisch oder Milch, übergehen und so schließlich bis zum Konsumenten gelangen, wo sie unter Umständen Infektionen auslösen, so das BfR.

Seit 2011 Dokumentation über Antibiotika-Menge bei Tieren

Um Resistenzen erst gar nicht entstehen zu lassen, fordert das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) deshalb, "dass Antibiotika bei Heim- und Hobbytieren sowie bei Tieren, von denen Lebensmittel gewonnen werden, nur dann eingesetzt werden, wenn sie unbedingt erforderlich sind."

In Deutschland wird seit 2011 die in der Tierhaltung eingesetzte Antibiotika-Menge dokumentiert. Die bisherigen Daten lassen erkennen, dass sich der Verbrauch dieser Arzneimittel deutlich verringert hat: Wurden 2011 noch insgesamt 1.706 Tonnen Antibiotika an Tierärzte abgegeben, waren es 2017 nur noch 733 Tonnen. Ein Minus von rund 57 Prozent.

Einsatz von Fluorchinolonen gestiegen

Einen Haken gibt es aber doch: Im gleichen Zeitraum hat die eingesetzte Menge sogenannter Fluorchinolone um 20 Prozent zugenommen. Fluorchinolone zählen zu den Reserveantibiotika, also jenen Substanzen, die nur bei schwersten bakteriellen Infektionen eingesetzt werden, wo andere Mittel bereits versagen. Die Verwendung von Fluorchinolonen in der Tiermedizin wird daher sehr kritisch gesehen.

Mit der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie "DART" hat die Bundesregierung ein sektorenübergreifendes Projekt zur Eindämmung von Resistenzen initiiert. Neben dem sachgemäßen Einsatz von Antibiotika in der Human- und Tiermedizin bündelt die DART etwa auch Maßnahmen, die die Hygiene und Vermeidung von Infektionen betreffen. Ihr Ziel ist es, die Gesundheit von Menschen und Tieren zu schützen und die Wirksamkeit von Antibiotika zu erhalten.

Birgit Hermes ist Redakteurin in der ZDF-Umweltredaktion.

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