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Streit um Echtheit - Video aus Chemnitz im Faktencheck

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Ist das Video einer Jagdszene aus Chemnitz echt? Verfassungsschutzpräsident Maaßen bezweifelt das, obwohl es keine Indizien für eine Fälschung gibt. Das zeigt unser Faktencheck.

Screenshot aus der heute-Sendung vom 07.09.2018 um 17 Uhr
Streit um ein Video: Verfassungsschutzpräsident Maaßen äußert Zweifel an der Echtheit. Quelle: ZDF

Nach der tödlichen Messerattacke auf einen 35-jährigen Deutschen in Chemnitz vor fast zwei Wochen, zeigen Videos Jagdszenen auf Ausländer. Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Hans-Georg Maaßen hat Zweifel an der Echtheit eines Videos während der Demonstration in Chemnitz geäußert. Nach seiner Meinung könnte es sich um eine gezielte Fälschung handeln.

In einem Interview gegenüber der "Bild"-Zeitung behauptet Maaßen wörtlich:

Beweise nennt Maaßen keine. Doch für ein Fake liegen keine Indizien vor.

Welches Video meint Maaßen?

Der Bundesverfassungsschutzpräsident nennt kein Video konkret. Vermutlich bezieht er sich auf ein Video, das auf Twitter und YouTube am 26. August 2018 veröffentlicht wurde. Von einem Konto mit dem Namen "Antifa Zeckenbiss":

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Aus diesem Video zeigt "Bild" einen Screenshot. Die Betreiber des Accounts bestätigen gegenüber dem ZDF lediglich, das Video hochgeladen zu haben. Die Quelle des Videos ist unbekannt. Die Betreiber haben es zugespielt bekommen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass das Video zuvor schonmal im Netz aufgetaucht ist.

Faktencheck

Ohne Zweifel lässt sich der Ort genau bestimmen. Es handelt sich um die Bahnhofstraße in Chemnitz. Deutlich ist im Hintergrund die Johanniskirche zu sehen. Weitere Kriterien zur Verifikation des Ortes sind der Parkplatz auf der anderen Straßenseite und die im Video zu sehenden Hinweisschilder.

Chemnitz - Googlestreetview
Der Pfeil zeigt die Fluchtrichtung des 22-jährigen Afghanen. Markiert ist die Chemnitzer Johanniskirche, die im Video im Hintergrund zu sehen ist. Quelle: google.com/maps

Gegen 16 Uhr wurde das Stadtfest in Chemnitz nach dem Tod des 35-jährigen Daniel H. abgebrochen. Daraufhin zogen die Teilnehmer durch die Straßen. Manche zeigten den Hitlergruß oder riefen rechte Parolen.

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Der Vorfall aus dem fraglichen Video, worauf sich Maaßen vermutlich bezieht, ereignete sich gegen 17 Uhr. Die Tageszeit lässt sich aus dem Stand der Sonne bestimmen:

Screenshot von Suncalc.com: Tageszeit Chemnitz
Stand der Sonne in Chemnitz am 26. August 2018 gegen 17 Uhr. Quelle: Suncalc.com

Auch das Wetterbild vom 26. August 2018 entspricht dem im Video gezeigten:

Screenshot: Wetter in Chemnitz am 26.08.2018
Die Wetterdaten aus Chemnitz vom 26. August 2018. Quelle: timeanddate.de/wetter/deutschland/chemnitz/rueckblick

In dem Video ist deutlich zu sehen, wie ein junger Mann angegriffen und über die Straße gejagt wird. Das Opfer ist der 22-jährige Ali Hassan Sarfaraz aus Afghanistan. Seine Freunde nennen ihn Aziz. In einem ZDF-Interview sagt Aziz aus, dass er am Sonntag, den 26. August 2018, gegen 17 Uhr mit einer Freundin unterwegs war.

"Wir waren auf dem Heimweg von McDonalds, haben auf den Bus gewartet, da kamen von links 200 bis 300 Leute an uns vorbei, die demonstriert haben", sagt Aziz. "Sie wirkten sehr gewalttätig und haben uns mit Steinen und Holzstöcken bewaffnet verfolgt. Ich habe ein bisschen mit dem Handy gefilmt." Ein Mann schlägt Aziz mit einer Bierflasche aufs Handy, damit er aufhört zu filmen. Das Smartphone geht dabei kaputt. Aziz sagt:

Deutlich zu sehen: Ein Mann in Schwarz geht auf Aziz los, tritt nach ihm. Aziz rennt davon, über die mehrspurige, befahrene Straße, der Mann hinterher, bis er von dem Afghanen ablässt.

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Die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden prüft den Vorfall derzeit. Ihr Sprecher Wolfgang Klein sagt aus: "Es gibt eine Strafanzeige von einer Person, bei der wir davon ausgehen, dass es sich möglicherweise um diese Person, die auf dem Video gezeigt wird, handeln könnte, aber das bedarf noch einer abschließenden Prüfung."

Fazit

Vom zeitlichen Ablauf, dem Ort, den Wetterverhältnissen und anderen Videos sprechen alle Indizien dafür, dass das Video authentisch ist. Maaßen nennt keine Indizien, warum die Aufnahmen nicht echt sein sollen.

Die Anfrage des ZDF an das Bundesamt für Verfassungsschutz, welche Indizien es für eine gezielte Fälschung gebe, ließ Maaßen bisher unbeantwortet.

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