Sie sind hier:

Fall Analytica - Datenaffäre setzt Facebook unter Druck

Datum:

Die aktuelle Datenaffäre von Facebook hat eine andere Dimension. Eine neue Debatte über Datenschutz ist entbrannt - Politiker in Europa und den USA fordern Antworten.

Das Geschäftsmodell von Facebook basiert auf dem Sammeln von Daten. Doch der Konzern geht damit offenbar ziemlich sorglos um. So konnte das Datenanalyse-Unternehmen ‚Cambridge Analytica‘ mit Facebook-Nutzer-Daten möglicherweise Wahlen beeinflussen.

Beitragslänge:
3 min
Datum:

Der Fall alarmiert die Politik in Europa und den USA: Die britische-amerikanische Firma Cambridge Analytica hat mutmaßlich Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern ohne deren Wissen angezapft, um 2016 den Wahlkampf von Donald Trump zu unterstützen.

Die britische Regierung zeigte sich sehr beunruhigt. Die Daten von Bürgern müssten geschützt werden, sagte ein Sprecher von Premierministerin Theresa May. In den USA forderten zwei Senatoren, dass Facebook-Chef Mark Zuckerberg wegen der Enthüllungen vor einem Gremium der Kongresskammer aussagt. Auch die EU-Abgeordneten wollen das Internet-Netzwerk unter die Lupe nehmen.

Firmenchef im Visier

Die Firma Cambridge Analytical wies die Medienberichte zurück. Facebook selbst hatte bereits am Freitag erklärt, man habe 2015 erfahren, dass ein Professor der Universität Cambridge den Konzern belogen habe. Demnach nutzte er eine Psychologietest-Software, um Daten an Cambridge Analytica weiterzuleiten. Am Montag gab Facebook bekannt, es wolle Cambridge Analytica überprüfen. Die Firma habe eingewilligt, den Privatermittlern Zugang zu sämtlichen Servern und Systemen zu gewähren.

Wahlkampfberater Frank Stauss betont, dass die Facebook-Nutzer geheim ausgespäht worden seien. "Politisches Profiling" sei jedoch nicht neu: "Möglichst zielgenau Botschaften an den Mann und die Frau zu bringen".

Beitragslänge:
4 min
Datum:

In Großbritannien gerät auch Firmenchef Alexander Nix ins Visier. Der Vorsitzende des Digitalausschusses im Parlament, Damian Collins, warf Nix vor, das Gremium bewusst getäuscht zu haben. Der Manager hatte im Februar gesagt, seine Firma nutze Facebook lediglich als Werbeplattform. "Wir nutzen Facebook-Daten nicht, und wir besitzen keine Facebook-Daten", hieß es damals.

Die britische Datenschutzbeauftragte Elizabeth Denham sagte dem Sender Channel 4 News, ihre Behörde wolle einen Durchsuchungsbeschluss für Cambridge Analytica erwirken. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani kündigte eine Untersuchung an. Es werde geprüft, ob Daten missbraucht worden seien. Zugleich rief er Facebook zu mehr Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Daten auf. EU-Justizkommissarin Vera Jourova will in dieser Woche bei ihrem US-Besuch mit dem Konzern und der Regierung in Washington über die Affäre sprechen.

US-Senatoren wollen Zuckerberg vorladen

In den USA forderten der republikanische Senator John Kennedy und seine demokratische Kollegin Amy Klobuchar Facebook-Chef Zuckerberg auf, sich zu erklären. In einem gemeinsamen Brief an den Vorsitzenden des Justizausschusses, Chuck Grassley, sprachen sie sich zudem dafür aus, auch die Chefs der Google-Mutter Alphabet und des Kurznachrichtendienstes Twitter vorzuladen. Die drei Unternehmen sammelten so viele Nutzerdaten wie nie zuvor.

Die Abgeordneten beklagten zudem eine mangelnde Kontrolle darüber, wie Daten gespeichert werden und politische Werbung verkauft wird. Dies gebe im Hinblick auf Wahlen und Datenschutz Anlass zur Sorge.

Facebook-Aktie sackt ab

Auch Facebook-Investoren zeigten sich alarmiert: Die Aktie fiel im New Yorker Mittagshandel um 6,8 Prozent. Der Analyst Brian Wieser vom Brokerhaus Pivotal Research zeigte sich überzeugt, dass Facebook mehr Druck von der Politik bekommen wird. "Das ist nach unserer Ansicht ein weiterer Hinweis auf systembedingte Probleme bei Facebook."

Die Website verwendet Cookies, um Ihnen ein bestmögliches Angebot zu präsentieren. Nähere Informationen und die Möglichkeit, die Verwendung von Cookies einzuschränken finden Sie hier.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.