Sie sind hier:

Fall Skripal - Lawrow wirft London "Dämonisierung" vor

Datum:

Im Fall Skripal weist Russland die britischen Anschuldigungen weiter scharf zurück und spricht von einer "Dämonisierung". Erstmals äußerte sich Julia Skripal nach dem Giftanschlag.

Im Fall Skripal gibt es noch immer keinen eindeutigen Beweis für die Schuld Russlands an dem Giftanschlag. Die britische „Times“ hat angeblich Hinweise, dass der militärische Kampfstoff Nowitschok aus einem russischen Labor stammt.

Beitragslänge:
1 min
Datum:

Die Anschuldigungen im Vergiftungsfall Sergej Skripal seien von London fabriziert worden, um sein Land zu dämonisieren und gemeinsam mit seinen Verbündeten massenweise russische Diplomaten auszuweisen, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow.

Großbritannien wirft Russland vor, den früheren russischen Doppelagenten Skripal und dessen Tochter Julia Anfang März im englischen Salisbury vergiftet zu haben. Als Reaktion darauf wiesen Großbritannien, die USA, mehrere EU-Staaten und die NATO russische Diplomaten aus. Russland reagierte mit gleichen Mitteln. Die ausgewiesenen US-Diplomaten verließen heute die Botschaft in Moskau.

In New York soll der Anschlag heute wieder Thema im UN-Sicherheitsrat werden - Russland hatte die Sondersitzung beantragt.

Lawrow: Verhöhnung des Völkerrechts

Lawrow sagte, die anderen Staaten, die dem Vorbild Londons und Washingtons gefolgt seien, seien unter Druck gesetzt worden. Er setzte Großbritannien dabei mit der Königin aus "Alice im Wunderland" gleich: "Erst die Bestrafung - dann das Urteil", sagte Lawrow. "Wir haben noch nie eine solch offenkundige Verhöhnung des Völkerrechts, diplomatischer Ethik und grundlegenden Anstands gesehen." Sein Land werde sich dafür einsetzen, die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Die Organisation zum Verbot chemischer Waffen (OPCW) hatte bei einer Sondersitzung am Mittwoch eine Beteiligung Russlands an den Ermittlungen im Fall Skripal abgelehnt. Der britische Außenminister Boris Johnson erklärte, Moskau wolle damit nur die Untersuchung untergraben.

Lawrow hingegen wies darauf hin, dass sich 17 der 44 Mitglieder im OPCW-Exekutivausschuss bei der Abstimmung über Russlands Beteiligung enthalten hatten. Damit zeige sich, dass es große Zweifel an den britischen Anschuldigungen gebe. Auf die Frage, ob sein Land das Ergebnis der OPCW-Ermittlungen akzeptieren würde, sagte der Minister, er könne nicht im Voraus dem Ergebnis einer geheimen Untersuchung zustimmen, in die Russland nicht eingebunden sei.

Hat Politik voreilig reagiert?

Auch in Deutschland wird über das Vorgehen gegen Russland diskutiert. Der Linken-Politiker Jan van Aken sagte im ZDF, er halte eine Beteiligung Moskaus für denkbar, aber bislang fehlten Beweise. Die Politik habe sehr voreilig reagiert. Der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler, forderte in der ARD, dass man vor weiteren Maßnahmen gegen Russland die Analyse des Gifts abwarten solle. Dagegen sagte der außenpolitische Sprecher der FDP, Alexander Graf Lambsdorff, die Plausibilität spreche weiter für die britische Annahme, dass Russland für den Giftanschlag verantwortlich sei.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte darauf verwiesen, dass von der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) - der auch Russland angehört - keine klare Schuldzuweisung zu erwarten sei. Er hatte dies als Begründung genannt, wieso die EU-Staaten bereits vor dem Testergebnis Maßnahmen gegen Russland ergriffen.

Julia Skripal äußert sich erstmals nach Giftanschlag

Unterdessen hat sich die bei der Giftattacke vor einem Monat verletzte Tochter des Ex-Agenten, Julia Skripal, erstmals geäußert. Sie sprach von einer "verwirrenden" Situation. Sie sei vor etwas mehr als einer Woche wieder zu Bewusstsein gekommen und gewinne seither täglich an Kraft. Sie bat die Öffentlichkeit, ihre Privatsphäre zu achten. Ihr Vater, Sergej Skripal, ist nach Angaben des Krankenhauses weiter in kritischem Zustand.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert auf Mein ZDF! Abo beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert

Sie wechseln in den Kinderbereich und bewegen sich mit Ihrem Kinderprofil weiter.