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Fall Skripal - May: Russischer Militärgeheimdienst verantwortlich

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Die britische Premierministerin macht den russischen Militärgeheimdienst für den Giftanschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und dessen Tochter verantwortlich.

Theresa May im Unterhaus in London
Theresa May im Unterhaus in London.
Quelle: dpa

Bei den Verdächtigen im Fall des Giftanschlags auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal soll es sich um russische Agenten handeln. Das sagte die britische Premierministerin Theresa May am Mittwoch vor dem Parlament in London. Es gebe Hinweise, dass sie Mitglieder des russischen Militärgeheimdiensts GRU seien, so die Regierungschefin.

11.000 Stunden Videos ausgewertet

"Zusammen mit unseren Verbündeten werden wir alle Mittel unseres Sicherheitsapparats ausschöpfen, um der Gefahr zu begegnen, die vom GRU ausgeht", sagte May. Zuvor hatte die Polizei Fahndungsfotos und die Namen von zwei russischen Verdächtigen veröffentlicht.

Alexander Petrow und Ruslan Boschirow reisten aber wohl unter falschen Namen nach Großbritannien ein. Minutiös zeichneten die Ermittler den Weg der beiden nach Salisbury nach - sie hatten dafür etwa 11.000 Stunden an Videoaufnahmen ausgewertet. Auch in der Nähe des Wohnhauses von Sergej Skripal sollen sich die beiden Männer aufgehalten haben. Den Verdächtigen wird versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung und der Besitz des chemischen Kampfstoffs Nowitschok vorgeworfen. Sie werden nun per internationalem Haftbefehl gesucht.

Die britische Polizei hat zwei Verdächtige im Fall des Attentats auf den ehemaligen russischen Doppelagenten benannt. Dabei soll es sich um russische Agenten handeln.

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Das russische Außenministerium erklärte, es kenne die Personen nicht. "Die in den Medien veröffentlichten Namen und Bilder sagen uns nichts", sagte Ministeriumssprecherin Maria Sacharowa der Agentur Tass zufolge in Moskau. London solle nicht die Öffentlichkeit manipulieren, sondern bei der Aufklärung mit Russland kooperieren.

Hochgiftiges Nowitschok

Der russische Ex-Spion Sergej Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der englischen Stadt Salisbury gefunden worden. Beide entkamen nur knapp dem Tod. Sie leben heute an einem geheimen Ort. Großbritannien warf Moskau vor, die beiden mit dem in der Sowjetunion entwickelten Nervengift Nowitschok vergiftet zu haben. Die russische Regierung weist das entschieden zurück.

Nowitschok gehört zu den tödlichsten Kampfstoffen und kann über die Haut oder Atemwege in den Körper gelangen. Die Überlebenschancen sind sehr gering. Sowjetische Forscher entwickelten die Serie neuartiger Nervengifte in den 1970er und 80er Jahren heimlich, um internationale Verbote zu umgehen. Auch andere Länder forschten damit.

Die beiden Verdächtigen sind laut Polizei am 2. März nach Großbritannien geflogen. Am Folgetag sollen sie die südenglische Stadt Salisbury ausgekundschaftet haben und am 4. März - dem Tag des Attentats - wieder abgereist sein. In ihrem Hotel in London seien winzige Spuren des verwendeten Nervengifts nachgewiesen worden.

Paar durch Zufall mit Nowitschok vergiftet

Vor etwa zwei Monaten kam ein britisches Paar aus dem nahen Amesbury versehentlich mit dem Nervengift in Kontakt. Der Mann hatte ein Parfümfläschchen gefunden, das er seiner Freundin schenkte. Sie soll sich mit der Flüssigkeit eingerieben haben - die dreifache Mutter starb acht Tage nachdem sie ins Krankenhaus eingeliefert worden war.

Das Gift ist in beiden Fällen identisch. Das bestätigten Untersuchungen der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW), teilte das Außenministerium am Dienstagabend in London mit. London warf Moskau erneut vor, Drahtzieher des Anschlags zu sein. Die Polizei betonte in einer Stellungnahme: "Wir haben keinen Zweifel, dass beide Vorfälle miteinander zusammenhängen, und sie bilden nun ein Ermittlungsverfahren."

Infolge der Krise hatten Großbritannien, die USA und verbündete Staaten - auch Deutschland - insgesamt mehr als 140 russische Diplomaten ausgewiesen. Der Kreml reagierte mit ähnlichen Maßnahmen.

Harte Sanktionen gegen Russland

Die USA stellten zudem fest, dass Russland für den Einsatz von Massenvernichtungswaffen verantwortlich sei. Das löst laut Gesetz Sanktionen aus, wie es sie bislang nur gegen Nordkorea und Syrien gab. Seit Ende August ist eine erste Runde von Strafmaßnahmen in Kraft. Sie sind zwar noch relativ milde, doch der Rubelkurs und die Aktien russischer Unternehmen gerieten unter Druck.

Schwerer wird eine zweite Sanktionsrunde nach drei Monaten die russische Wirtschaft treffen. Sie könnte das Auslandsgeschäft russischer Banken lahmlegen; die Fluggesellschaft Aeroflot könnte Landerechte in den USA verlieren. Moskau behält sich Gegenmaßnahmen vor, doch viele Optionen hat der Kreml nicht: Zu klein ist der Handel, zu groß die Abhängigkeit von US-Technik, um die USA treffen zu können.

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