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Fall Skripal - "Keine präzise Quelle" für Gift

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Der Fall Skripal belastet das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen. Forscher in England konnten bislang keine klare Quelle für das Gift nachweisen.

Giftangriff: Spurensuche in Gillingham
Giftangriff: Spurensuche in Gillingham Quelle: dpa

Kurz vor einem Sondertreffen internationaler Giftgasexperten hat das britische Militärlabor eingeräumt, dass eine russische Herkunft des Nervengifts im Fall Skripal nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte. Die entsprechenden Informationen seien an die britische Regierung gegangen, die dann zusammen mit weiteren Hinweisen ihre Rückschlüsse gezogen habe, sagte der Chef des britischen Porton Down Labors, Gary Aitkenhead, dem Sender Sky News. Moskau weist den Vorwurf aus London zurück, für den Giftanschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien verantwortlich zu sein.

Labor: Nur "staatlicher Akteur" kommt in Frage

Aitkenhead sagte nun mit Blick auf das bei dem Anschlag verwendete Gift: "Wir konnten nachweisen, dass es sich um Nowitschok handelte, nachweisen, dass es sich um ein Nervengift militärischer Art handelte." Aber sein Labor habe "nicht die genaue Herkunft" aus Russland nachweisen können. Es sei auch nicht die Aufgabe seines Labors, nachzuweisen, wo ein solches Gift hergestellt worden sei.

Allerdings seien "extrem komplexe Methoden" zur Herstellung dieses Nervengifts notwendig. Darüber verfüge "nur ein staatlicher Akteur", fügte der Laborchef hinzu. Er wies zugleich den Vorwurf aus Moskau zurück, dass das Nervengift aus seinem britischen Labor stammen könnte. "Es ist absolut unmöglich, dass das von uns kommt oder unsere Mauern verlassen haben könnte."

Britische Regierung bleibt bei Anschuldigungen

Die britische Regierung blieb bei ihren Anschuldigungen, dass Russland für den Anschlag verantwortlich sei. "Es gibt keine andere plausible Erklärung dafür", teilte das Außenministerium am Abend in London mit. Man wisse, dass Russland kleine Nowitschok-Mengen für eventuelle Attentate hergestellt und gelagert habe.

Auf russischen Antrag hin wollten Experten der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) am Mittwoch bei einem außerordentlichen Treffen in Den Haag dem Vorwurf Großbritanniens nachgehen, dass Russland hinter dem Giftanschlag steckt. Der frühere russische Doppelagent Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März in der südenglischen Stadt Salisbury vergiftet worden. Beide kamen in lebensbedrohlichem Zustand ins Krankenhaus, inzwischen ist die Tochter auf dem Weg der Besserung.

Vor zwei Wochen hatte ein britisches Gericht die Erlaubnis erteilt, dass OPCW-Experten Blutproben von Skripal und dessen Tochter untersuchen. Die Analyse sollte der Organisation zufolge bis zu drei Wochen dauern. Die britischen Behörden gehen davon aus, dass gegen Skripal ein Gift der Nowitschok-Gruppe aus sowjetischer Produktion zum Einsatz kam.

Nowitschok soll zwischen 1970 und 1980 auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges von sowjetischen Wissenschaftlern in einem staatlichen Forschungsinstitut in Moskau entwickelt worden sein. Die russische Regierung bestritt im Zuge der Skripal-Affäre die Existenz eines solchen Forschungsprojekts in der Sowjetunion.

Schwerste diplomatische Krise seit Kaltem Krieg

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hatte am Montag erklärt, der Anschlag könnte im Interesse der britischen Regierung sein, die sich wegen der Brexit-Verhandlungen in einer schwierigen Lage befinde. Das britische Außenministerium warf nun seinerseits Moskau vor, das OPCW-Treffen sei nur eine "Ablenkungstaktik", um die OPCW-Ermittlungen zu dem Giftanschlag zu untergraben.

Der Fall Skripal hat zu der schwersten diplomatischen Krise zwischen Russland und Großbritannien sowie zahlreichen weiteren westlichen Staaten seit dem Kalten Krieg geführt. Als Konsequenz aus dem Anschlag wiesen Großbritannien und mehr als 20 Partnerländer wie Deutschland, Frankreich und die USA dutzende russische Diplomaten aus; Russland wies daraufhin seinerseits dutzende westliche Diplomaten aus.

Der SPD-Außenexperte Nils Schmid sagte im SWR, die geschlossene Reaktion des Westens im Fall Skripal habe bereits "ein konkretes Ergebnis" gebracht, denn Moskau habe sich nun zur Untersuchung durch die OPCW bereit erklärt. London habe "sehr plausible Argumente" dafür, dass der Anschlag von Russland ausgegangen sei, auch wenn es "keinen hundertprozentigen Beweis" gebe. Zugleich warnte der SPD-Politiker die Briten aber vor persönlichen Attacken auf Russlands Präsident Wladimir Putin. Der Dialog müsse aufrecht erhalten werden.

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