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Weniger Botschaftsmitarbeiter - Moskau verschärft Kurs gegenüber London

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Im Fall Skripal muss Großbritannien die Zahl seiner Botschaftsmitarbeiter in Moskau weiter ausdünnen. Auch die Durchsuchung einer Aeroflot-Maschine heizt die Spannungen an.

Britische Botschaft in Moskau
Britische Botschaft in Moskau Quelle: reuters

Die britische Botschaft müsse ihr Personal um mehr als 50 Mitarbeiter reduzieren, teilte das russische Außenministerium in Moskau mit. Dabei handele es sich aber nicht nur um akkreditierte britische Diplomaten. Mit der Maßnahme solle "Gleichheit" hergestellt werden. Erreicht werden solle, dass Großbritannien und Russland die gleiche Zahl von Diplomaten im jeweils anderen Land hätten. Derzeit habe "die britische Seite noch über 50 Leute mehr", sagte die Sprecherin.

Beteiligung Moskaus nicht klar bewiesen

Die Anordnung steht in Zusammenhang mit dem Streit um den Giftgasanschlag in Salisbury, für den Großbritannien und seine Verbündeten Russland verantwortlich machen. Der Ex-Agent Sergej Skripal und seine Tochter Julia waren nach britischen Angaben vor fast vier Wochen mit einem in der Sowjetunion produzierten Kampfstoff vergiftet worden. Eine Beteiligung Moskaus ist bislang nicht klar erwiesen. Russland selbst bestreitet jegliche Beteiligung.

Der Streit um den Giftanschlag hatte sich in den letzte Tagen hochgeschaukelt. Russland hatte am Freitag die Ausweisung von etwa 150 seiner Diplomaten aus mehr als 20 Ländern damit beantwortet, dass es die genau gleiche Zahl ausländischer Diplomaten des Landes verwies. Deshalb müssen auch vier Vertreter Deutschlands Moskau verlassen.

Moskau: Durchsuchung von Flugzeug "Provokation"

Ein weiterer Vorfall heizt die Spannungen zwischen Großbritannien und Russland unterdessen an: Die russische Botschaft in London hat den britischen Behörden vorgeworfen, auf rechtswidrige Weise ein Aeroflot-Passagierflugzeug auf dem Flughafen Heathrow durchsucht zu haben. Die russische Vertretung stufte den Vorfall am Freitagabend als eine "weitere unverhohlene Provokation" ein und verlangte eine Erklärung vom britischen Außenministerium.

Die Botschaft sah einen direkten Zusammenhang zwischen der Durchsuchung des aus Moskau kommenden Airbus mit dem Fall Skripal: "Wir haben keine andere Erklärung, als dass der Vorfall von Heathrow auf die eine oder andere Weise mit der feindseligen Politik in Verbindung steht, die die britische Regierung gegenüber Russland betreibt." Die britische Regierung äußerte sich zunächst nicht zu den Anschuldigungen.

Moskau verlangt Antworten

Russland hatte Großbritannien aufgefordert, Fragen zum Fall Skripal zu klären. Die russische Botschaft in London warf der britischen Regierung eine klare Verletzung ihrer Verpflichtungen gemäß des Wiener Übereinkommens über konsularische Beziehungen vor, weil sie offene Fragen in dem Fall nicht beantworte. Sie zählte 27 konkrete Fragen auf.

Dabei ging es um politische Angelegenheiten wie die Verweigerung des Zugangs russischer Diplomaten zu Skripal und die Frage, wie die politischen Sanktionen mit der Aussage von Scotland Yard vereinbar seien, dass die Ermittlungen noch Monate in Anspruch nehmen würden. Es ging aber auch um konkrete Fragen nach den verabreichten Gegenmitteln oder dem Ort der Vergiftung. "Nervengifte wirken eigentlich sofort. Warum war das nicht bei den Skripals der Fall?", heißt es. "Mit welchen Methoden haben Experten die Substanz (das Gift) so schnell identifiziert?" Und woher hätten sie den Stoff zum Testen der Substanz gehabt?

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