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"Klimaneutral leben in Berlin" - Klimaneutral leben - geht das? Eine Familie testet, was möglich ist

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Klimaneutral leben. Geht das? Seit Anfang des Jahres testen das 100 Familien im Rahmen eines Projekts, darunter auch Familie Nickel. Wie sie das erleben - ein Erfahrungsbericht.

Nach dem heißen Endlos-Sommer 2018 sind viele in Sorge: Ist der Klimawandel noch aufzuhalten? Welchen Beitrag muss jetzt die Politik leisten, und was kann jeder Einzelne tun, um das Klima zu schützen?

Beitragslänge:
28 min
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Elisabeth Nickel und ihr Vater Thomas Nickel
Elisabeth Nickel und ihr Vater Thomas Nickel.
Quelle: Bernd Reufels

Da stehen sie nun mit schweren Taschen am Rande des Wochenmarktes und fragen sich, wie sie nach Hause kommen. Thomas Nickel (48) und seine Tochter Elisabeth (17) haben für die Familie eingekauft - regional und saisonal, das war der Plan - und nun gilt es, möglichst klimaschonend Obst und Gemüse zum heimischen Kühlschrank zu bringen. Manchmal fragen sie sich schon, warum sie in ihrem Alltag das Klima schützen sollen - während gerade anderswo in Deutschland Wälder für die Braunkohle gerodet werden sollen. Aber Elisabeth sieht es nun mal so: "Wenn keiner etwas tut, dann werden wir nie etwas erreichen können."

Familie Nickel hat sich bereit erklärt, an einem ungewöhnlichen Projekt teilzunehmen. "KliB" nennt sich das Experiment des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung: "Klimaneutral leben in Berlin". 100 Haushalte versuchen ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren - ein ganzes Jahr lang. Eine App wurde entwickelt, in die alle Teilnehmer eintragen, wie sie leben: wie viel Strom sie verbrauchen, wie sie heizen, was sie essen und wie sie sich fortbewegen. Gerade Letzteres kann ganz entscheidend sein - weil Flugreisen die CO2-Bilanz ganz schön verhageln können.

Früher hatten sie ein Auto - jetzt verzichten sie darauf

Thomas Nickel und seine Frau Anke (47) sind Diplomaten. Die letzten Jahre haben sie mit ihren Kindern in Kanada gelebt. 2017 kamen sie nach Berlin zurück. Sie hatten erlebt, wie verschwenderisch die Kanadier mit Energie umgehen. Da kam dieses Experiment gerade richtig. Früher hatten sie ein Auto - nun verzichten sie darauf.

Thomas Nickel hat gleich drei Car-Sharing-Apps auf dem Handy. Er sucht nun in der Nähe des Wochenmarktes einen Wagen, den er dann in der Nähe der Wohnung stehen lassen kann. Tatsächlich ist ein Smart schnell gefunden - er steht nur wenige hundert Meter entfernt. Trotzdem: für die Eltern ist der Verzicht aufs Auto schwierig und immer wieder Thema. Sie sind sich noch nicht sicher, ob sie das auf Dauer durchhalten.

Anfang 2018 ging es los. Da kam ein Energieberater zu ihnen nach Hause: Er fand alte Glühbirnen, einen Plattenspieler im Stand-by-Betrieb. Er kontrollierte die Temperatur des Kühlschranks, klärte über den CO2-Ausstoß der Fleisch- und Milchwirtschaft auf. Und was Tochter Elisabeth besonders hart traf: die Dusche wurde zum Thema. Drei Minuten sollten reichen. Das hat Elisabeth nicht immer geschafft, und tatsächlich hatte sie dann ein bisschen schlechtes Gewissen.

Klimaneutral? Unmöglich - klimareduziert? Machbar

Im Oktober 2018 wurden die Daten vom Potsdamer Institut genauer unter die Lupe genommen. Familie Nickel konnte im Vergleich zum Vorjahr rund 40 Prozent CO2 einsparen. Sie haben weniger geheizt - die Raumtemperatur lag nur noch bei 19 bis 20 Grad. Und im Sommer hat die Familie Urlaub an der Ostsee gemacht. Keine Flugreise in ferne Länder - das hat viel gebracht.

Nach rund zehn Monaten ist Familie Nickel noch immer engagiert beim "KliB"-Projekt dabei. Sie haben an vielen Punkten kleine Abstriche gemacht und Unbequemlichkeiten in Kauf genommen. Elisabeth sieht es so: "Es war schön zu sehen, dass man mit vielen Kleinigkeiten doch letztlich viel ausrichten kann. Dass wir 40 Prozent geschafft haben, ist ein tolles Ergebnis. Dafür muss man auch nicht wie ein Urmensch leben - es ist ohne drastische Einschränkungen zu schaffen."

Trotzdem sind sie sich nicht sicher, ob sie dauerhaft so leben wollen. Mutter Anke (47) und Tochter Johanna (7) vermissen das Auto. Vater Thomas will auf Bratwurst und Steak nicht völlig verzichten. Und Elisabeth? Wünscht sich, dass alle Menschen ihren Lebensstil umstellen, damit am Ende tatsächlich für den Klimaschutz etwas erreicht werden kann.

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