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Messenger-Dienste - Familienchats: Gute Nerven gefragt

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Im digitalen Zeitalter kommunizieren Familien anders miteinander. Was den einen neue Möglichkeiten eröffnet, nervt andere. Experte Tobias Dienlin sieht Positives - warnt aber auch.

Menschen schauen auf ihre Smartphones
WhatsApp und Threema ermöglichen eine Familienzusammenführung der anderen Art. Manchmal lustig, manchmal hilfreich, manchmal nervig.
Quelle: Reuters

Mama schreibt ... - eine gefühlte Ewigkeit später macht's: Pling! Auf dem Bildschirm erscheint ein gelbes, zwinkerndes Gesicht. Oder ein Daumen hoch. Oder eine Hummel. Messenger-Dienste wie WhatsApp und Threema ermöglichen eine Familienzusammenführung der anderen Art. In Gruppen treffen hier Generationen aufeinander - mit ihrer ganz eigenen Kommunikation und teils kuriosen Folgen.

Manche halten sich mit Familienchats über Verwandte auf dem Laufenden, die man sonst nur auf Omas 80. Geburtstag trifft. Andere nervt das ständige Nachrichtenrauschen, das Gruppenchats so mit sich bringen. Und wieder andere amüsieren sich. Das Internet ist voll von Anekdoten und schiefgegangenen Konversationen - mal als Ich-Erzählung, mal dokumentiert über Screenshots.

Digitales Duzi-duzi kann nerven

Herausforderung Nummer eins: das Tempo. Die Generation Z, die quasi mit dem Smartphone aufgewachsen ist, reagiert und tippt meist schneller als jemand, der sein erstes Handy mit Mitte 50 bekommen hat. Ebenfalls weit auseinander driften manchmal die Interpretationen von Emojis - jener kleinen Zeichen, die die Stimmungslage ausdrücken sollen und die längst um Obst, Gemüse, Sportarten und Einhörner ergänzt wurden.

Selten sind auch sämtliche Chatgruppen-Mitglieder Fans von Kettenbriefen, "lustigen" Weihnachtsvideos, längliche Sprachnachrichten oder Fotoserien über das aktuelle Abendessen. Manche Gruppen dienen auch einzig der reichweitenstarken Verbreitung von Impressionen der ersten Ferien mit den Kindern. Wenn dann jeder Opa, jede Großtante, jeder Patenonkel sein digitales Duzi-duzi kund tut, bekommt das leicht Spam-Charakter.

Gerade für ältere Menschen eine Chance

Medienpsychologe Tobias Dienlin von der Universität Hohenheim in Stuttgart sieht bei dem Thema viel Positives: "Wenn man soziale Medien nutzt, um aktiv zu kommunizieren, führt das dazu, dass man auch auf anderen Kanälen häufiger kommuniziert." Gespräche würden fortgeführt, reale Treffen wahrscheinlicher. Gerade ältere Menschen bekämen so die Chance, Kontakte zu pflegen, was sonst für sie vielleicht aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich wäre.

Aber er weist auch auf Risiken hin: "Kommunikation ist nicht gleich Kommunikation." Ein Bild aus dem Urlaub zu schicken, gehe zwar schneller - reiche aber im Zweifel nicht aus. "Nachgewiesen ist, dass es uns gut tut, im gleichen Raum zu sein, sich zu berühren", so Dienlin. "Da reagiert der Körper ganz anders drauf, als wenn man das nur digital macht." Wichtig sei ein "Cocktail" von Kommunikationswegen; "das darf man nicht alternativ sehen". Zudem steige beim digitalen Gequassel die Gefahr von Missverständnissen: "Nicht alles lässt sich gut über Messenger kommunizieren, weil nicht alles mitgesendet wird."

WhatsApp und Threema haben auf ihren Seiten technische Informationen zu Chatgruppen. Eine Art Knigge dafür wiederum bietet beispielsweise Vodafone, darunter die Regeln zwei und drei: Fasse dich kurz und achte auf die Lesbarkeit. Weiter heißt es da: "Noch ein Tipp: Das Schreiben in GROSSBUCHSTABEN wird immer noch als Schreien interpretiert und die Verwendung mehrerer Satzzeichen hintereinander wie '???????' deutet schnell auf eine gewisse Genervtheit deinerseits hin."

Rechtlich gesehen dürfen die Fetzen fliegen

Dass mit Familienchats nicht immer zu spaßen ist, machte Anfang des Jahres ein Fall am Oberlandesgericht Frankfurt am Main deutlich: Ein Mann hatte schon in zweiter Instanz gegen seine Schwiegermutter geklagt, dass diese nicht länger in einer WhatsApp-Gruppe vor anderen Familienmitgliedern behaupten dürfe, er habe seinen Sohn misshandelt.

Doch er bekam kein Recht. Das Gericht argumentierte: "Innerhalb des engsten Familienkreises besteht ein ehrschutzfreier Raum, der es ermöglicht, sich frei auszusprechen, ohne gerichtliche Verfolgung befürchten zu müssen." Auf gut Deutsch: In Familienchats dürfen bei Auseinandersetzungen die Fetzen fliegen.

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