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Machtkampf bei Discounter - Gericht vertagt Aldi-Entscheidung

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Das Schleswig-Holsteinische Oberverwaltungsgericht hat seine Entscheidung zum Krach bei Aldi Nord vertagt. Es geht um Macht und viel Geld.

Archiv: Eine Frau hält am 20.09.2016 in einem neu gestalteten Ladenlokal von Aldi Nord in Gladbeck, Nordrhein-Westfalen, einen Einkaufskorb mit dem Logo
Quelle: dpa

Nach rund acht Stunden Verhandlung hat das schleswig-holsteinische Oberverwaltungsgericht (OVG) eine Entscheidung im Familien-Streit bei Aldi Nord vertagt. Voraussichtlich am 7. Dezember soll noch ein Zeuge gehört werden.

Ehemaliges Vorstandsmitglied im Zeugenstand

Das OVG verhandelt die Berufung gegen eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Schleswig unter anderem über die Zusammensetzung des Vorstandes einer wichtigen Familienstiftung, die 19,5 Prozent der Anteile an Aldi Nord hält. Nach dem plötzlichen Tod von Gründer-Sohn Berthold Albrecht kämpfen Mitglieder seiner Familie um ihren Einfluss auf die Jakobus-Stiftung.

Der Zeuge, der nun noch gehört werden soll, ist ein ehemaliges Vorstandsmitglied der Jakobus-Stiftung, das bei der entscheidenden Satzungsänderung erkrankt war. Berthold Albrecht hatte daraufhin in dessen Namen der Änderung zugestimmt. Dies ist nach Ansicht der Erben nicht zulässig. Zu diesem Punkt soll der Zeuge nun gehört werden.

Durch die Satzungsänderung war die Macht der Familie in diesem Gremium spürbar eingeschränkt worden. Dies war auch vom Kreis Rendsburg-Eckernförde als Stiftungsaufsicht akzeptiert worden.

Ende der Verschwiegenheit

Lange Zeit galt die Aldi-Eigentümerfamilie als mindestens ebenso verschwiegen wie reich. So gut wie nichts drang aus dem Milliardärsclan nach außen. Doch das änderte sich nach dem Tod von Berthold Albrecht im Jahr 2012. Plötzlich entbrannte ein öffentlicher Streit um Macht und Geld im Discounterreich. Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung: Bertholds Ehefrau Babette Albrecht und Bertholds Bruder Theo Albrecht junior. Es geht darum, wer wie viel bei Aldi Nord zu sagen hat und natürlich um viel Geld.

Ausgetragen wird der Streit vor Gericht - und manchmal auch in den Medien. Etwa als Theo Albrecht Junior seiner Schwägerin im "Stern" vorwarf, den letzten Willen ihres verstorbenen Mannes nicht zu akzeptieren. Hintergrund des Streits ist die etwas komplizierte Eigentümerstruktur bei Aldi Nord.

Satzungsänderung als Streit-Auslöser

Die Anwälte der Aldi Jacobus-Stiftung, Andreas Urban (l-) und Karl-Josef Stöhr sitzen im Gerichtssaal des Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgerichts, aufgenommen am 23.11.2017 in Schleswig
Quelle: dpa

Das Unternehmen ist im Besitz von drei Stiftungen: der Markus-, der Lukas- und der Jakobus-Stiftung. Die Markus- und die Lukas-Stiftung werden von der Gründerwitwe Cäcilie Albrecht und ihrem Sohn Theo Albrecht Junior kontrolliert. Bei der Jakobus-Stiftung haben derzeit Babette Albrecht und ihre Kinder das Sagen. Große Investitionen und wichtige Entscheidungen können von den Stiftungen nur einstimmig freigegeben werden.

Das Zusammenspiel funktionierte über Jahrzehnte problemlos. Doch mit dem Tod von Berthold Albrecht war es plötzlich vorbei mit dem Frieden zwischen den Familienstämmen. Auslöser des Streits: Kurz vor seinem Tod hatte Berthold Albrecht mit einer Satzungsänderung die Macht der Familie im Stiftungsvorstand und damit im Unternehmen spürbar beschränkt. Das wollte seine Witwe nicht hinnehmen.

Bescheidenheit oder Protzerei?

Strittig ist nicht zuletzt, ob der schwer kranke Berthold Albrecht zu diesem Zeitpunkt noch geschäftsfähig war. Babette Albrecht und ihre Kinder klagten gegen die Satzungsänderung vor dem Verwaltungsgericht Schleswig und bekamen in erster Instanz aus formalen Gründen recht. Zusätzlich angeheizt wurde der Familienstreit von Differenzen im Lebensstil. Während Theo Albrecht junior dem "Stern" schriftlich mitteilte: "Der Name Albrecht verpflichtet zu einem bescheidenen Lebensstil", sah das schon sein Bruder Berthold in den letzten Lebensjahren offenbar anders. Allein zwischen 2009 und 2011 gab er rund 100 Millionen Euro für Bilder und Oldtimer aus, wie später der Zivilprozess seiner Erben gegen den Kunsthändler Helge Achenbach offenbarte.

Doch geht es um mehr als familieninterne Zwistigkeiten. Da wichtige Entscheidungen für den Discounter von den Stiftungen nur einvernehmlich getroffen werden können, geht es auch um die Zukunft von Aldi Nord. Theo Albrecht junior warnte in einem spektakulären Interview im Sommer vergangenen Jahres: "Wenn die alte Satzung wirklich wieder gelten würde, könnten die Kinder von Berthold zusammen mit ihrem Anwalt das Unternehmen am Nasenring durch die Manege führen."

Auswirkungen auf Unternehmen bisher begrenzt

Babette Albrecht und ihre Kinder weisen den Vorwurf, sie könnten gegen die Unternehmensinteressen handeln, indes entschieden zurück. Bislang halten sich die Auswirkungen des Familienstreits auf das Unternehmen noch in Grenzen. Trotz allen Streits haben die Familienstiftungen zuletzt gemeinsam grünes Licht für das mehr als fünf Milliarden Euro teure Modernisierungsprogramm für die Aldi-Nord-Filialen und für die Verlängerung des Vertrages von Aldi-Nord-Chef Marc Heußinger um weitere fünf Jahre gegeben.

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